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Düsseldorf Schauspiel bringt Premiere unter freiem Himmel

Open-Air-Premiere am Jungen Schauspielhaus : Abenteuer lässt Flügel wachsen

„Fleders fantastischer Reise“ heißt das neue Thetaerstück, das jetzt im Garten des Jungen Schauspielhauses an der Münsterstraße erstmals nach den Pandemie-Beschränkungen unter freiem Himmel aufgeführt werden konnte.

Im September 2020 fand noch eine Premiere im Jungen Schauspielhaus statt. Dann stoppte die Corona-Notbremse den Spielbetrieb. Erst jetzt darf wieder Theater gemacht werden an der Münsterstraße – draußen mit Mindestabständen zwischen den Stühlen, Masken und Nachweis eines aktuellen negativen Corona-Tests. Petrus hat es beim Start mit dem Wetter nicht ganz so gut gemeint mit den jungen und erwachsenen Kulturhungrigen. Punkt 16 Uhr zum Aufführungsbeginn fielen allerhand Tropfen, so dass Regencapes nötig wurden. Schirme waren nur in der hintersten Reihe zugelassen. Zum Glück beruhigte sich das Wetter im weiteren Verlauf des Theaternachmittags unter freiem Himmel.

„Im Winter haben wir schon geplant, mit Open-Air-Produktionen zu starten“, sagte Stefan Fischer-Fels, Leiter des Jungen Schauspielhauses, im Gespräch mit der Rheinischen Post. Man habe vor Monaten schon stark vermutet, dass die ersten Aufführungen nicht drinnen würden stattfinden können. So gebe es auch beim Festival Theater der Welt (17. Juni bis 4. Juli) ein Opern-Air-Konzept für Veranstaltungen für junges Publikum. Und da sich die Inzidenzzahlen inzwischen so positiv entwickelt haben, könne man zudem in allen Spielstätten des Düsseldorfer Schauspielhauses Theater aus aller Welt erleben.

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„Fleders fantastische Reise“ lautet der Titel des ersten Premieren-Stücks nach dem Saison-Neustart. Die Produktion wendet sich vor allem an Kinder ab fünf. Sie basiert auf einem Text der Lyrikerin und Theaterautorin Sophie Reyer und lässt dabei viel Spielraum für Improvisation und Interaktion mit dem jungen Publikum. Die Kinder müssen nicht still auf den Stühlen sitzen. Im Gegenteil: Verbale und körperliche Aktion ist angesagt. Denn das Publikum muss die Hauptfigur beim Bestehen mehrerer Abenteuer tatkräftig unterstützen.

Im Mittelpunkt des kleinen Märchendramas steht ein junges Wesen namens Fee Le. Es lebt in familiärer Gemeinschaft mit Feen. Doch Fee Le ist aus der Art geschlagen, besitzt keine Flügel und kann daher nicht fliegen. Auch die mit Hilfe von Papa-Fee gebastelten künstlichen Flügel verhelfen weder zum Abheben noch aus der Außenseiterrolle. Erst eine fantastische Reise lässt Fee Le, die von Papa-Fee aufgrund der zerfledderten Frisur scherzhaft „Fleder“ genannt wird, Flügel wachsen. Diese Schwingen sind aber mehr im übertragenden Sinne als geistige Flügel zu verstehen, die Fleder über den Frust darüber, keine flugtauglichen Feenflügeln zu besitzen, hinwegtragen.

Ensemblemitglied Felicia Chin-Malenski schlüpft in die Titelrolle, schauspielerisch und musikalisch begleitet von Yotam Schlezinger als Gast. Die beiden bildeten ein tolles Team, das bei der Premiere vermochte, die jungen Zuschauer trotz der eher einfachen Showtechnik im kleinen Garten des Theatervorplatzes in Bann zu ziehen und zum engagierten Mitmachen zu bewegen. Zum Beispiel müssen die Kinder mithelfen bei der Überwindung von Gewässern mit unterschiedlicher Tiefe und vorschlagen, mit welcher Fortbewegungsmethode (auf einem Bein hüpfen oder rudern) Fleder ans andere Ufer gelangen kann.

Mit dem Bühnenpartner Yotam Schlezinger hat Felicia Chin-Malenski nicht nur einen geeigneten Darsteller für die Rolle des mit ihr freundschaftlich verbundenen Drachen, sondern einen brillanten musikalischen Unterstützer, der auch für die Erzeugung passender Sound-Effekte zuständig ist. Die akustische Ausstattung der Produktion ersetzt die fehlenden Kulissen erstaunlich gut – ähnlich wie bei einem Hörspiel.