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Düsseldorf: Pia Stadtbäumer stellt im Off-Raum "Bloom" aus

Greifvogel-Kunstwerke im „Bloom“ : Pia Stadtbäumer stellt im Off-Raum aus

Die großen Galerien bekommen Konkurrenz durch kleine Schauplätze wie „Bloom“ am Stadtrand. Dort zeigt die berühmte Bildhauerin Pia Stadtbäumer derzeit aufwühlende Arbeiten zu Greifvögeln.

Off-Räume waren bislang kleine Fische für große Galerien. Seit dem Interview von Thomas Schütte im Jahr 2019 in der Neuen Zürcher Zeitung ist das anders. Dort erklärte er, er unterstütze nur noch kleine und mittlere Galerien, die keine Shopping-Zentren sind. Jetzt gab er mit „Anna“ und „Luise“ zwei seiner zauberhaften Tonplatten zur Einweihung des neuen Off-Raums „Bloom“ am Rande Düsseldorfs. Im Gegensatz zu seinen „eisernen“ Frauen, die er durchbohrt, durchlöchert und maltraitiert, wirkten diese Porträts wie Hymnen auf die Liebe und die Schönheit. Jetzt lässt „Bloom“ den zweiten Teil im kulturellen Gegenspiel zum Hochbetrieb folgen, eine kleine Schau der berühmten Bildhauerin Pia Stadtbäumer.

Der Standort liegt im beliebten Stadtteil Bilk und wird von der couragierten Südkoreanerin Jisue Byun geführt. Sie lebt seit 15 Jahren in Düsseldorf, machte ihren Master in Kunstgeschichte und hat mit dem ehemaligen Schwegler-Schüler Tobias Brembeck zwei Kinder. Bestens vernetzt in Künstlerkreisen, machte sie sich nun selbstständig. Behilflich sind ihr freundliche Vermieter, die ihr für kleines Geld einen unbefristeten Mietvertrag für einen lichtdurchfluteten Raum im Erdgeschoss einer Wohngemeinschaft an der Planetenstraße 1 gaben. Im ersten Jahr wird dieser Off-Raum vom Kulturamt gefördert. Im nächsten Jahr soll daraus eine Galerie werden.

Pia Stadtbäumer ist wie Schütte hochangesehen als Bildhauerin, lebt seit 40 Jahren in Düsseldorf und ist Professorin in Hamburg, wo es große Installationen von ihr gibt. In ihrer Wahlheimat, wo sie bislang keine Einzelausstellung hatte, zeigt sie zwei Arbeiten aus einer neuen Serie, bei der sie sich vom Buch „H wie Habicht“ der britischen Autorin Helen Macdonald inspirieren ließ. Es geht um die Beziehung zwischen Mensch und wildem Tier. Sie zeigt Habicht und Eule, aber im Negativverfahren.

Dafür belegt sie die Holzplatten mit Gips, grundiert mit Schwarz und fräst mit einem Dremel bis in den weißen Untergrund, um das fotografische Abbild hervorzulocken. „Täubchen, mein Täubchen“, nennt sie das Ergebnis, das sie mit Lederbändern schräg an der Wand befestigt, als seien die Tiere gerade in Bewegung. Auf dem Boden liegen Hanfseile, als würden die Vögel gleich fliegen.

Dennoch verunsichert der Anblick der Tiere den Betrachter, denn die Vögel wirken einerseits fast vermenschlicht, andererseits haben sie weißliche, eben ausgestochene Augen. Für Stadtbäumer bleibt die Annäherung an die Natur eine Hoffnung auf Vertrauen. Aber sie sagt: „Greifvögel bleiben immer wild.“

Info Planetenstraße 1, bis 13. September, Öffnungszeiten donnerstags bis samstags 15–18 Uhr.