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Düsseldorf: NRW-Forum startet Website nextmuseum.io zum Mitmachen

Online-Projekt : Museum zum Mitmachen

Das NRW-Forum lädt Künstler, Besucher und Hobby-Kuratoren dazu ein, die kommende Ausstellung online mitzuplanen. Das soll die Museumsszene demokratischer machen.

Das Museum vom Sockel holen, Kunstfreunde, Künstler und andere Kreative mitbestimmen lassen, was sich im NRW-Forum abspielt – das soll eine neue Website ermöglichen, die das Ausstellungshaus im Ehrenhof jetzt vorgestellt hat. Auf nextmuseum.io kann jeder, der Lust und Ideen hat, Vorschläge posten, Projekte vorstellen und mitdiskutieren. Den ersten Anlass bietet die Schau „Willkommen im Paradies“, die im Februar 2021 eröffnen soll.

„Es geht uns um eine Demokratisierung des Ausstellungsbetriebs“, sagt Projektleiterin Alina Fuchte. Normalerweise wähle ein Kurator aus, was gezeigt wird, und stelle das Publikum sozusagen vor vollendete Tatsachen. Das soll im NRW-Forum künftig anders sein: „Besucher und Künstler können in Open Calls miteinander sprechen, die Beiträge anderer Nutzer kommentieren und so gemeinsam neue Themen finden“, sagt die 28-Jährige.

Helfen soll dabei eine offene Gruppe beim Messenger-Dienst Telegram, zu der die Nutzer der Nextmuseum-Website auf Wunsch geleitet werden. In eigenen Posts können Künstler aber auch auf der Internetseite selbst ihre Werke vorstellen, von Videokunst über Installationen bis hin zu Klanglandschaften. Unter jedem dieser Projekte gibt es eine Kommentarmöglichkeit. „So können wir die Ausstellungen an den Bedürfnisse der Besucher ausrichten“, sagt die Projektleiterin: „Das kann nur eine Aufwertung der Qualität bedeuten.“

Die Mitmach-Plattform finanziert sich durch den Fonds Digital im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes. 760.000 Euro für vier Jahre aus diesem Fördertopf konnte sich das NRW-Forum sichern, indem es zwei wichtige Voraussetzungen erfüllte: Es muss an seiner Digitalisierung arbeiten und mit einem anderen Haus kooperieren. Die Wahl fiel auf das Museum Ulm. „Es sind zwei sehr unterschiedliche Häuser, aber gerade dieser Gegensatz ist spannend“, sagt Fuchte. Auf der einen Seite stehe ein Universalmuseum mit Exponaten aus 40.000 Jahren Menschheitsgeschichte, auf der anderen mit dem NRW-Forum ein reines Ausstellungshaus – und beide seien daran interessiert, das Museum als demokratischen Ort zu etablieren.

Die Idee zu diesem Vorstoß ist laut Fuchte schon älter als Corona; bereits vergangenes Jahr habe man die Förderung beantragt. Beim Thema Digitalisierung habe man zudem schon vorgelegt: Das NRW-Forum bietet schon Online-Kurse per Zoom für Fotografie an, digitale Führungen durch die aktuelle Martin-Schoeller-Ausstellung, Kinder und Jugendliche finden auch in Corona-Zeiten Angebote wie Roboter bauen, Porträtfotografie und Spieleprogrammierung auf der Website des Hauses. Nextmuseum.io soll daran anknüpfen, indem es den Dialog zwischen Kunstschaffenden, Rezipienten und Kuratoren ausbaut. Neben dem Kommentieren auf der Website und dem Telegram-Chat soll es aber auch in der wirklichen Welt einen besseren Austausch geben: „Es soll die Schnittstelle zwischen digital und analog sein. Die Ausstellungen finden weiterhin vor Ort statt“, betont Fuchte. Das Projekt sei somit „eine Ergänzung, kein Ersatz“ des physischen Museums und des „echten“ Gesprächs.

Schon jetzt kann man auf nextmuseum.io drei Teile der in der offenen Planung befindlichen, von Alain Bieber und Vesela Stanoeva kuratierten Schau „Willkommen im Paradies“ sehen. Christian Bröer will ein „Immersives Sound-Experiment“ umsetzen, Hazel Brill verbindet in „Shonisaurus Popularis“ die Medien Skulptur und Video, und Paola Pinnas 3D-Animation „Rat cage“ behandelt das Thema Freiheit, Individualismus und Egoismus und thematisiert die New-Age-Philosophie.

Die nächste Ausstellung mit einem Kuratoren-Duo baut noch auf gewohnte Strukturen, doch für die nahe Zukunft sind noch deutlich gewagtere Experimente geplant. Das Motto: künstliche Intelligenz als Kurator.

„Die KI ist eine Black Box, wir wissen nicht, wie sie entscheidet“, erklärt Fuchte. Eine Schau, die ein Computer gestaltet hat, würde dem Subjekt die Entscheidungsmacht nehmen – so schon geschehen in Zürich, bald auch in Düsseldorf? Es gebe hier zumindest nötiges Know-how, sagt Fuchte, beispielsweise im Mixed-Reality-and-Visualization-Lab (MIREVI) an der Hochschule Düsseldorf: „Mit diesen Leuten möchten wir sprechen.“