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Düsseldorf: Manuela Alphons singt auf dem Asphalt-Festival

Asphalt-Festival : Ein musikalischer Abend voller Poesie

Beim Asphalt-Festival auf dem Schwanenspiegel singt die Schauspielerin Manuela Alphons zum Klavierspiel Klaus-Lothar Peters. Vor allem die Brecht-Balladen gehen in ihrer Interpretation ans Herz.

Rechts taucht die Abendsonne den Schwanenspiegel in goldenes Licht. Links rumpelt eine Straßenbahn vorbei. Motorräder heulen auf, ab und zu schnattert eine Ente. Die Zuschauer an der kleinen Bühne im See erreichen diese Geräusche nur gedämpft. Sie tragen Kopfhörer. Selbst der Applaus hört sich an wie unter Wasser. Umso klarer ist zu verstehen, was Manuela Alphons vorträgt und singt, begleitet von Klaus-Lothar Peters am Klavier. Ihren poetisch-musikalischen Abend „Selbst die Sintflut dauerte nicht ewig“ hat die Düsseldorfer Schauspielerin für das Festival „Asphalt auf See“ zusammengestellt. Mit Gedichten und Texten von Bertolt Brecht, mit Liedern von Kurt Weill, Hanns Eisler und Paul Dessau. Bereits 2011 hatte sie am Bochumer Schauspielhaus ein Bertolt Brecht gewidmetes Programm herausgebracht, das sich mit den Jahren immer wieder wandelte. Für Manuela Alphons ist er der bedeutendste Dichter des 20. Jahrhunderts. „Ein großer Liebender, auch der Natur“, sagte sie einmal, „ein leiser Lyriker, dessen Kunst es war, mit vier Zeilen auszudrücken, wofür andere einen ganzen Roman brauchen.“ Deutlich wird das in dieser magischen Stunde am See bei „Ich will mit dem gehen, den ich liebe“ oder dem zarten Wolken-Zitat „sie war sehr weiß und ungeheuer oben“, bei dem die Zuschauer unwillkürlich in den Himmel blicken.

„Selbst die Sintflut dauerte nicht ewig“ fühlte sich an wie eine Metapher dieser Zeit. Manuela Alphons rückte die Liebe und die Natur in den Mittelpunkt und wählte ihre Beiträge mit Feinsinn und Klugheit aus. Als wäre sie bei Brecht auf Spurensuche nach aktuellen Bezügen gegangen und fündig geworden. Dem Publikum den Rücken zugewandt, beginnt sie mit „Uns hat ein Ros ergötzet“ aus „Mutter Courage“. Dort heißt es: „Wohl denen, die einen Garten han“. Auch das Zitat „Wer entkommen will, braucht Glück“ und dessen Fortführung „In die Zukunft schauend entdecke ich schaudernd, wie viel Glück ich noch brauche“ (aus dem Prosatext „Vom Glück“) geht ans Gemüt.

Ebenso bravourös wie mit melancholischen Tönen jongliert das eingespielte Duo auf dem Podest im Schwanenspiegel mit Ironie und Witz. Manuela Alphons und Klaus-Lothar Peters sind langjährige Wegbegleiter und dabei immer leichtfüßiger geworden. Ab und zu meldet sich der Pianist mit kraftvoller Stimme, mischt sich lustvoll singend bei Gassenhauern wie „Moon of Alabama“ oder der „Zuhälterballade“ aus der „Dreigroschenoper“ ein. Denn natürlich durchziehen auch Brecht-Weill-Klassiker das facettenreiche Programm, darunter „Wie man sich bettet, so liegt man“ aus „Mahagonny“, der Song der „Seeräuber-Jenny“ und, gegen Ende, „Surabaya Johnny“. Hier erreicht die Wandlungsfähigkeit der unvermindert frisch wirkenden Manuela Alphons ihren Höhepunkt - wie sie klagt und schnurrt und die rollenden „rrrrs“ platziert, das ist schon grandios.

Dieser Abend war einmalig, aber „Asphalt auf See“ läuft noch bis Sonntag, 19. Juli.

www.asphalt-festival.de