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Düsseldorf: Lesung von Klaus Theweleit im Heine-Haus

Klaus Theweleit im Heine-Haus : Denkanstöße für die Kulturgeschichte

Der Soziologe Klaus Theweleit kam mit dem Abschlussband seines „Pocahantas-Projekts“ ins Heine-Haus und wartete mit einigen verblüffenden Thesen auf.

Vor wenigen Wochen erhielt der Freiburger Soziologe Klaus Theweleit in der Frankfurter Paulskirche den Theodor-Adorno-Preis. In ihrer Laudatio fragte die Literaturkritikerin Sigrid Löffler: „Kann man heute noch jemandem begreiflich machen, welch überwältigenden Eindruck 1977 das Buch ,Männerphantasien’ auf Leute meiner Generation machte?“ Durch dieses Werk, seine nur leicht umgewandelte Doktorarbeit, wurde Theweleit zunächst in Deutschland und dann international bekannt.

Ins Heine-Haus kam er nun mit dem Abschlussband seines großangelegten „Pocahontas“-Projekts: „Warum Cortés wirklich siegte“. Der Name des Projekts leitet sich von einer Prinzessin aus dem Stamm der Algonquin im heutigen Virginia her. Angeblich hatte sie 1607 dem englischen Siedler John Smith das Leben gerettet und wurde dafür später zu einer mythischen „Ur-Mutter“ für die Staatsgründung der USA erklärt. Über 20 Jahre hat Klaus Theweleit an seiner Kulturgeschichte des westlichen Kolonialismus gearbeitet. Seine Forschungen erbrachten Erkenntnisse, die er im Düsseldorfer Gespräch mit Jochen Hörich als verblüffende Thesen erläuterte. Zum Staunen brachte gleich zu Anfang seine neue Darstellung der griechischen Mythologie, der er jede religiöse Überhöhung abspricht. Angefangen mit Zeus seien alle großen Namen nichts mehr als importierte Vergewaltigungsgeschichten früh eingewanderter Fremdvölker.

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Dann aber die großen Fragen: Wie gelang den Spaniern der Sieg über die Azteken bzw. den Europäern die Überwältigung anderer, zahlenmäßig oft weit überlegener Kulturen? Und warum geschahen diese Eroberungen zeitgleich um das Jahr 1500? Eine bereits vor Theweleit bekannte These sah den Schlüssel in der Domestikation von Haustieren, welche den eurasischen Kulturen besser gelungen war als anderen. In Theweleits neuem 600-Seiten-Werk erlangen einige weitere Faktoren größere Bedeutung. Mit der ihm eigenen Eloquenz brachte er die Kunst der Metallschmelze, die Kunst der Kartographie, den Schiffbau sowie die Erfindung des Vokalalphabets als entscheidende Faktoren zusammen. „Segmentierung und Sequenzierung“ heißen seine Zauberworte, die er auch im Heine-Haus als gemeinsame Nenner der sehr unterschiedlichen Phänomene präsentierte.

Durchaus bewusst und von Jochen Hörich deutlich ausgesprochen ist Theweleit hierbei die Gefahr eines falschen Zungenschlags, der aus den Eroberungsthesen des Freiburgers eine eurasische Überlegenheit über die anderen Kulturen der Welt liest. Das Urteil hierüber soll dem Leser überlassen bleiben, da waren sich die beiden Herren einig. „Warum Cortés wirklich siegte“ sollte als Groß-Essay verstanden werden, der Denkanstöße liefert und dazu einlädt, diese mit den drei anderen Bänden des Pocahontas-Zyklus zu vertiefen.