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Düsseldorf: "Leif in Concert – Vol. 2" hilft Kneipen und Kiezrettern

FIlmgespräch : Mäuschen spielen in der Jazzkneipe

Der Film „Leif in Concert – Vol. 2“ soll mit einer Spendenaktion helfen, die Bars vor der Corona-Krise zu retten. Der Film selbst entführt in eine bizarre Welt voll komischer Absurdität.

Fast jeder kennt sie, liebt sie und braucht sie: die kleine Kneipe um die Ecke mit der heimeligen Atmosphäre, in der man Freunde trifft und immer ein offenes Ohr findet. Christian Klandts Film „Leif in Concert – Vol. 2“ ist eine Liebeserklärung an die Kiezkultur und erinnert, wie sehr das Beisammensein zurzeit fehlt. Das Düsseldorfer Atelier Kino im Savoy Theater zeigte den Film als Vorpremiere mit anschließendem Gespräch, zu dem neben dem Regisseur Christian Klandt auch Produzent Martin Lischke und Darsteller Mark Benecke geladen waren.

Sie ist ein Sehnsuchtsort, die Jazzkneipe, in der Lene (Luise Heyer) arbeitet. Nach acht Monaten Kopenhagen kehrt die junge Frau zurück in die Bar von Klaus (Klaus Manchen), die überall in Deutschland liegen könnte. Lene ist seine rechte Hand, hält den Laden am Laufen und versucht, das Konzert eines dänischen Musikers in der Kneipe zu organisieren. Sie ist Beistand für ihre Gäste und kämpft gleichzeitig mit ihren eigenen Krisen. Kammerspielartig setzt der Film die Besucher der Bar und ihre Beziehungen zu Lene in Szene: Vom schlitzohrig-sympathischen Getränkelieferanten, über eine türkischsprachige Tanzgruppe bis zum Klempner im Römerkostüm bevölkert ein regenbogenbuntes Publikum die Kneipe. Ihre Gespräche umfassen tiefgründige Themen wie Liebe, aber auch Glückskeksweisheiten und reichlich Komisches: Krankenversicherte Papageien und leichenfressende Käfer sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Die Idee der Hommage an die Kiezkneipe kam Klandt – wie könnte es anders sein? – in einer Bar. Vor vier Jahren war er im Kopenhagener „Mojo“, wohl eine der ältesten Jazzkneipen. Der Abend zwischen Bier, Musik und „100-jährigem Schweiß“ habe ihn so beeindruckt, dass er die Stimmung mit Freunden in einem kleinen Film festhalten wollte. Sechs Seiten Drehbuch, ein paar Wochenenden in seiner Berliner Lieblingskneipe, nichts Großes. Doch die sprichwörtliche Schnapsidee entwickelte ein Eigenleben, das Drehbuch wuchs auf 99 Seiten. Doch vieles, was den Film ausmacht, ereignete sich spontan beim Dreh. Klandt ließ den Darstellern viel Raum zur Improvisation. Das Ergebnis: Man hat das Gefühl, bei einem normalen Kneipenabend „Mäuschen zu spielen“, wie Klandt es beschreibt. Beim Ausarbeiten der Charaktere stellte Klandt fest, dass die Geschichten Potenzial für einen weiteren Film bieten, der in Planung ist.

Schaut man „Leif in Concert – Vol. 2“, wird einem schmerzlich bewusst, wie sehr das Miteinander im Bier- und Zigarettendunst fehlt, und dass neben den Kinos auch die Kneipen unter der Pandemie leiden. Um der Kiezkultur wieder auf die Beine zu helfen, entschieden die Filmemacher, einen Euro pro Ticket an die beiden Initiativen „Kneipenretter“ und „Kiezretter“ zu spenden, die Kneipiers in Not unterstützen.

Info Der Film ist ab dem 16. Juli im Bambi zu sehen.