Düsseldorf: Kunstwerk von Heinz Mack geht als Schenkung an Museum Kunstpalast

Wertvolles Exponat in Düsseldorf : Kunstpalast bekommt Werk von Heinz Mack geschenkt

Der Kunstpalast in Düsseldorf hat als Schenkung ein Hauptwerk des ZERO-Künstlers Heinz Mack erhalten. Das Werk wurde 2018 für über eine Million Euro versteigert. Gestiftet wurde es von dem Düsseldorfer Unternehmer Fritz Bagel.

Sie sind Freunde seit 1962. Der Industrielle Fritz Bagel (86), Spross der Henkel-Dynastie, und der Künstler Heinz Mack (87) pflegen über die Jahrzehnte ein inspirierendes Verhältnis zueinander. Bagel hat nicht nur Mack von Beginn an gesammelt. Man hat gemeinsam gefeiert, bei Bagels zuhause hat der Künstler die Sängerin Juliette Gréco zum Tanz geführt.

Gemeinsam haben sie mehrere Reisen durch die Wüste unternommen, schöpferische Akte im Leuchten der freien Landschaft erlebt. Bagel hat Heinz Macks Entwicklung begleitet seit der Zero-Zeit. In einem Interview für das Buch „Mack im Gespräch“ sprach er aus, was die neue Kunst für ihn damals bedeutete: „Diese Richtung hat mir gefallen. Das Bild war weg, das Bild war überwunden.“ Der Sammler geht noch weiter in seiner Wertung: „Mit Mack fing für mich alles an.“ Er sei als junger Mann begierig gewesen nach der Moderne, nach der Kunst, die sich gerade ereignete.

Oft schon hat er Mack unterstützt. Jetzt erlebt diese fruchtbare Beziehung ihren Höhepunkt, von dem das Museum und alle Bürger der Stadt profitieren. Es ist die Krönung einer Freundschaft, ein Glücksfall für Düsseldorf. Erst vor wenigen Monaten hat der Mäzen im Kölner Auktionshaus Van Ham ein Schlüsselwerk von Heinz Mack ersteigert. Gestern schenkte er das kostbare Lichtrelief „Kleiner Urwald“, das erstmals die Millionenmarke für ein Zero-Kunstwerk von Heinz Mack knackte, dem Kunstpalast.

Keine Frage, dass die Freude dort groß ist. Im Beisein von Oberbürgermeister Thomas Geisel fand der unformelle Schenkakt unter der Aurora statt. Als ein schönes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements würdigte das Stadtoberhaupt die kostbare Gabe, die allen Bürgern zugute käme. Er hoffe, dass das Schule mache, sagte Geisel und immer wieder „Danke“.

Fritz Bagel (vorne) mit Künstler Heinz Mack (l.) und Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalasts. Foto: Anne Orthen (orth)

Bagel, dessen Töchter Simone und Friderike auch Mack-Sammlerinnen sind, ist kein Mann der großen Worte. Doch am Mittwoch erklärte er sich als Düsseldorfer, der sich seiner Stadt verpflichtet fühlt: „Dass ich dazu beitragen konnte, dass dieses herausragende Werk in Deutschland bleibt und in meiner Heimatstadt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, erfüllt mich mit Freude“, sagte er mit dem Lächeln des Gebenden.

Übergroß auch die Freude des Museumschefs, der in kurzer Zeit das Schatzhaus am Ehrenhof erheblich bereichert vorfindet. Stolz und dankbar sei er, sagte Felix Krämer. Eben erst hat die Stadt den Erwerb der kostbaren Berliner Fotosammlung von Rudolf Kicken abgenickt, zu dem die Witwe Kicken eine Foto-Kuratorenstelle für fünf Jahre spendiert. Jetzt gehört dem Kunstpalast das prächtige Aluminiumrelief, ein Masterpiece der Zero-Bewegung.

Krämer sieht in dieser Arbeit eine schlüssige Ergänzung zu den bereits vorhandenen Arbeiten wie „Door of Paradise“ oder „Lichtschleier“. Im Frühjahr 2021 soll eine große Einzelausstellung den Mack-Kosmos mit Schwerpunkt Frühzeit im Kunstpalast ausbreiten. „Diese Schenkung ist“, so Krämer, „ein wichtiges Signal für uns und zeigt, dass der Kunstpalast als Bürgermuseum Profil gewinnt.“ In Zeiten von schmalen Ankaufsetats sei die private Unterstützung für die Fortführung der Sammlung von hoher Bedeutung.

Das Werk von Heinz Mack ist in den vielen Jahrzehnten seines Schaffens vielfältig und vielseitig ausgefallen und findet – ob Skulptur, kinetische Lichtreliefs, Malerei oder Grafik – weltweit zunehmend Anerkennung. Insbesondere seine Arbeiten aus der Zero-Zeit (1957 bis 1966) haben in den vergangenen zehn Jahren unglaubliche Aufmerksamkeit errungen. Der Kunstmarkt ist dem mit einer rasanten Preisentwicklung gefolgt.

„Kleiner Urwald“ gehört zu seinen freiesten Arbeiten in der exklusiven Werkgruppe der Aluminiumreliefs, in der neben immateriellen Lichteffekten Assoziationen zu Pflanzenblattformen in Erscheinung treten. Das komplizierte technische Verfahren hat der Künstler in den USA entwickelt. Der bekennende ungegenständliche Künstler war seinerzeit für die Arbeit sogar gescholten worden, man warf ihm vor, technikverherrlichend zu sein. Bis zuletzt war der Objektkasten im Besitz einer Essener Eisenfirma.

Heute, nach 55 Jahren in denen auch der Künstler sein Werk nicht gesehen hat, bekennt Mack, dass das Werk – anders als er selbst – nicht älter geworden ist. Das Wiedersehen war für ihn ein existentielles Erlebnis. „Es wird uns alle überleben“, sagte er gestern. Dasselbe Thema hat der Künstler später in seinem acht Meter großen „Garten Eden“ verarbeitet, das zum Leidwesen vieler Bürger nicht mehr im Düsseldorfer Schauspielhaus hängt.

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