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Düsseldorf: Köpenick möchte auch eine "Kugelspielerin"

„Kugelspielerin“-Skulptur an der Königsallee : Von der Kö nach Köpenick

Ein Verein möchte eine Kopie der „Kugelspielerin“-Skulptur in Berlin aufstellen. Doch das Vorhaben droht zu scheitern.

Vor einigen Jahren begegnete Werner Wischnewsky die „Kugelspielerin“ zum ersten Mal. Damals las er in der Zeitung von einer Skulptur, die einst im Köpenicker Volkspark Luisenhain stand. Nur war das Kunstwerk in den 1950ern verschwunden. Die Zeitung fragte also, ob jemand Hinweise auf den einstigen Blickfang habe.

Hinweise hatte Wischnewsky keine, aber seine Neugier war geweckt. Der Köpenicker machte sich auf die Suche, recherchierte in Museen und Archiven, und er wurde fündig: in Düsseldorf.

Hier, an der Königsallee, steht zwar nicht jene Skulptur, die einst in Köpenick verschwand, aber zumindest ein Modell in ähnlicher Ausführung. Eine „Kugelspielerin“ von Bildhauer Walter Schott hat seit 1932 zwischen Königsallee und Graf-Adolf-Platz ihren Platz, in der Mitte des Kö-Gärtchens ist sie aufgestellt. Eine junge Frau aus Bronze, wahrscheinlich eine Boule-Spielerin. In der rechten Hand jedenfalls hält die Dame eine Kugel, stets scheint sie bereit, sie zu entlassen. Nie lässt sie los.

In Düsseldorf erfreut sich die Skulptur großer Beliebtheit, wer mal am Wochenende und bei schönem Wetter am Kö-Gärtchen vorbeikam, weiß das. Immer gibt es dort Fußgänger, die kurz stehenbleiben, ein Foto machen, sich auf eine der nahen Bänke setzen. Auch Wischnewsky kam aus Köpenick an die Kö, um sich die Skulptur anzusehen, und er gründete einen Verein: „Volkspark Luisenhain, Berlin-Köpenick“ heißt er. Zweck: eine neue „Kugelspielerin“ für Köpenick. Eine Kopie sollte her.

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Zwar wurde die 1897 entstandene „Kugelspielerin“ hundertfach reproduziert, sie war seinerzeit ein Verkaufsschlager – auch das Hetjens besitzt eine Figur, allerdings aus Porzellan. Bronzefiguren in Lebensgröße wurden hingegen nur wenige gegossen. Verblieben scheint bloß die Skulptur an der Kö. Seit 1902 ist sie im Besitz der Stadt.

Werner Wischnewsky wandte sich an das Düsseldorfer Kulturamt, es kam zu einem Ortstermin im Kö-Gärtchen, ein Vertrag wurde abgeschlossen, die Stadt war bereit, die Skulptur duplizieren zu lassen. Mit der Auflage, dass eine Düsseldorfer Kunstgießerei mit den Arbeiten betraut wird. Wischnewsky unterschrieb, „mit Bauchschmerzen“, wie er heute sagt.

20.000 Euro Kosten kalkulierte sein Verein. Spenden wurden gesammelt, aber nicht genug. Der Verein warb darum um öffentliche Mittel, die Bezirksverwaltung Treptow-Köpenick stellte ein paar tausend Euro in Aussicht.

Dass das Projekt mit öffentlichen Mitteln unterstützt wird, ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass der Auftrag ausgeschrieben wird. Wischnewsky stellte dabei fest: Die Düsseldorfer Gießerei ist nicht die günstigste und könnte den Zuschlag darum nie bekommen. In Berlin ließen sich preisgünstigere Angebote einholen.

Nach Berlin transportieren lassen möchte die Stadt Düsseldorf die „Kugelspielerin“ aber unter keinen Umständen. Vom Kulturamt heißt es, dass nur durch die Beauftragung der Düsseldorfer Firma „sichergestellt werden kann, dass keine widerrechtlichen Abformungen beziehungsweise Duplikate der Skulptur erstellt werden können“. Schäden beim Transport fürchtet man überdies. Außerdem, heißt es von einer Sprecherin der Stadt, habe die Kunstgießerei den Arbeitsprozess seit dem ersten Tag begleitet und den Abbau und Wiederaufbau bereits mit einem Steinmetz abgestimmt.

Auch auf Wischnewskys Vorschlag, in Düsseldorf eine Silikonform anfertigen zu lassen und den Abguss in Berlin, mag die Stadt nicht eingehen. Es bedeute bereits ein Entgegenkommen der Stadt, „die eigene unbeschädigte Skulptur für eine Berliner Neuerstellung von ihrem derzeitigen Standort entfernen, abformen und wieder aufstellen zu lassen“, sagt eine Sprecherin. Außerdem habe man andernfalls keinen Einfluss auf die Qualität des Nachgusses.

Werner Wischnewsky betont, er wolle Düsseldorf nicht den wirtschaftlichen Erfolg an dem Projekt streitig machen, und die Skulptur solle gerne bleiben, „wo sie hingehört“. Diese Woche trifft er sich mit seinem Bürgermeister. Sie wollen ihre Möglichkeiten besprechen. Aufgeben will der Köpenicker nicht.