Düsseldorf: Joshua Bell kommt mit antiautoritärem Orchester

Konzert in der Tonhalle : Erster Geiger mit antiautoritärem Orchester

Der dirigierende Geiger Joshua Bell tritt am 17. Januar mit der englischen Academy of St. Martin in the Fields in der Tonhalle auf.

Die englische Academy of St. Martin in the Fields ist der Prototyp des antiautoritär erzogenen Orchesters. Ein Geiger, Neville Marriner (1924-2016), war es, der Ende der 50er Jahre weg wollte vom Musik-Piloten am Dirigentenpult hin zum autonom fahrenden Klangkörper. So gründete Marriner ein Kammerorchester, bei dem der Geiger selbst die Leitung von der Konzertmeister-Position aus übernahm. Mit wachsender Mitgliederzahl und immer romantischerem Repertoire tauschte Marriner alsbald zwar doch die Violine gegen den Taktstock, der kammermusikalische Geist aber blieb lebendig.

Bis heute hat die Academy ihrem Stil treu bewahrt. Bereits 2011 – noch zu Marriners Lebzeiten – übernahm ein anderer Geiger das Amt des Chefdirigenten, diesmal kein Orchestermusiker, sondern ein Weltstar der Violine: der Amerikaner Joshua Bell. Der 51-Jährige hat sich früh als Solist einen Namen gemacht. Schon als 14-Jähriger trat er mit dem Philadelphia Orchestra unter Riccardo Muti auf. Und auch Kino-Besucher begegneten dem Musiker: Er spielte beim Soundtrack zum Film „Die rote Violine“ (1998) mit. Der Komponist John Corigliano bekam für die Musik einen Oscar.

Ruhm ist allerdings kein Selbstläufer, wie die ernüchternde Story von Bells ungewöhnlichem Auftritt in der U-Bahn-Station von Washington D. C. vor zwölf Jahren demonstrierte. Bei einem von der „Washington Post“ initiierten Experiment spielte der Virtuose in Straßenkleidung, aber mit seiner wertvollen Stradivari unerkannt 43 Minuten lang Bach und Schubert. Von den mehr als 1000 Passanten blieben gerade einmal sieben stehen.

Keine Frage, dass die Besucher der Tonhalle mehr Zeit und Muße für Bells Musizierkunst mitbringen. Anders als sein Vorgänger Marriner übernimmt Bell gelegentlich auch Soli in den großen Violinkonzerten. Diesmal steht Peter Tschaikowskis rasantes wie musikalisch anspruchsvolles D-Dur-Konzert op. 35 auf dem Programm, ein Werk, mit dem der glänzende Techniker Bell schon in den 90er Jahren Furore machte.

Neben Tschaikowski erklingt zudem etwas Zeitgenössisches für Violine und Orchester: eine Ouvertüre des amerikanischen Kontrabassisten und Komponisten Edgar Meyer (geboren 1960). Zu hören gibt es außerdem die luftig leichte Symphonie C-Dur von Georges Bizet, bei der Bell dann ganz in seiner Funktion als Gestalter des orchestralen Musizierflusses zu erleben ist.

Info Donnerstag, 17. Januar, 20 Uhr; Karten telefonisch unter 0211 274000 oder im Internet unter: www.westticket.de