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Düsseldorf: Johanna Gastdorf und Jan-Gregor Kremp lesen "About Brahms" im Robert-Schumann-Saal

Lesung im Robert-Schumann-Saal : Ein Zwiegespräch über Brahms

Was verband den Komponisten Johannes Brahms mit seiner Haushälterin? Die Antwort gibt ein humorvoller fiktiver Dialog bei einer Lesung im Robert-Schumann-Saal mit dem Schauspieler-Ehepaar Johanna Gastdorf und Jan-Gregor Kremp.

Johannes Brahms komponierte Werke voller Leuchtkraft und Sensibilität. Aber er war kein einfacher Zeitgenosse. Meist zeigte er sich übellaunig, ironisch und bärbeißig. Wer ihn unerschrocken zu packen wusste, war seine Haushälterin Celestine Truxa. Der fiktive Dialog „Fragen Sie nicht so dumm“ spürt dem Verhältnis der beiden sehr unterschiedlichen Menschen nach, die über zehn Jahre ihr Leben teilten. Überschrieben mit „About Brahms“, fügt der Text sich ein in eine Reihe literarisch-musikalischer Kunstprojekte zu Komponisten wie Chopin, Beethoven und Schubert.

Heidrun Maya Hagn hat sie mit ihrem Mann, dem Cellisten Friedrich Kleinhapl, entwickelt und erfolgreich durch Europa, die USA und Südamerika getragen. Sorgsam wacht das Wiener Ehepaar darüber, wem es die jeweilige Rezitation anvertraut. In Düsseldorf ist es wiederum ein Künstler-Ehepaar, das „About Brahms“ dem Publikum nahebringt: Die renommierten Schauspieler Johanna Gastdorf und Jan-Gregor Kremp treten mit dem amüsanten Zwiegespräch am Sonntag, 21. November, 17 Uhr, bei „Zweiklang“ im Robert-Schumann-Saal auf.

  • Ulrich Tukur (l.) und Sebastian Knauer
    Literarische Lesung im Robert-Schumann-Saal : Ulrich Tukur knarzt und zetert, flüstert und schreit
  • Dirigent MihkelKütson widmete die Aufführung des
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  • Die Überaschungsshow an der Heilpädagogischen Wohnstätte
    Aktion in Weeze : Ein Anhänger mit Weihnachtsmusik
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    Klassikreihe in Langwaden wird fortgesetzt : Fünf Kloster-Konzerte mit hochkarätigen Musikern
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  • Horacio Ferreira
    Meisterkonzert in Mönchengladbach : Klangzauberer aus Portugal

„Wir sind sehr offen für die Kombination von Text und Musik, die wir auch von unseren anderen Lesungen kennen“, sagt Johanna Gastdorf. „Manchmal ist unser Sohn Leo dabei, der seine eigenen Texte vorträgt, die beiden Männer singen auch zusammen.“ Solche Programme bestreiten sie seit vielen Jahren, häufig im ehrenamtlichen Einsatz für das PalliLev-Hospiz an ihrem Wohnort Leverkusen.

Bei dem Brahms-Projekt werden Johanna Gastdorf und Jan-Gregor Kremp von Cellist Friedrich Kleinhapl und Andreas Woyke am Klavier begleitet. „Eine schöne Aufgabe, wir haben sofort zugesagt und machen sehr gerne mit“, bestätigt die Schauspielerin. Celestine Truxa sei eine spannende Figur, „unglaublich modern, stark, empathisch und ganz ungewöhnlich für die Zeit, in der sie gelebt hat. Eine Traumfrau.“ Sie liebte Johannes Brahms, begegnete ihm mit Hochachtung und Verehrung.

Mit seinem schwierigen Naturell kam sie gut zurecht, zumal sie seine Ängste kannte und verstand. Bei ihr offenbarte er seine weichen Seiten. „Er hatte auch zu ihren Kindern eine innige Beziehung, was man ihm gar nicht zutraute, so brummelig, wie er sonst war“, sagt Johanna Gastdorf und hält inne. „Jetzt, wo ich davon erzähle, freue ich mich richtig auf die Lesung. Auch weil ich diese gemeinsame Zeit mit meinem Mann genieße.“ Denn Zeit ist kostbar bei zwei derart beschäftigten Künstlern.

Beide kommen vom Theater und haben sich mit den Jahren überwiegend dem Fernsehen zugewandt. Jan-Gregor Kremp dreht gerade wieder zwei Folgen von „Der Alte“, eine Rolle, die er seit 2012 spielt. Zuvor wurde er als Kommissar in der Serie „Polizeiruf 110“ bekannt. Neuerdings ist auch Johanna Gastdorf ermittelnd unterwegs. Die erste Folge der Reihe „Breisgau“ lief kürzlich im ZDF, die zweite ist produziert. Damit zieht die Schauspielerin krimitechnisch gleich mit ihrem Mann. „Na ja, nicht ganz“, wiegelt sie ab und lacht. „Aber nachdem ich schon Mörderin und Opfer war, macht es zur Abwechslung Spaß, als Chefin eines Familienclans zur Aufklärung von Kriminalfällen beizutragen.“

Ihr letztes festes Theater-Engagement endete 2005 in Bochum mit dem Abgang von Intendant Matthias Hartmann: „Es war die richtige Entscheidung, ich hatte keine Angst vor der Zukunft.“ Seitdem kennt man Johanna Gastdorf aus vielen feinen Charakterrollen, beginnend mit Sönke Wortmanns Film „Das Wunder von Bern“ (2003), der hochemotional das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 umsetzt. „Ich hatte einfach Glück“, sagt sie rückblickend, „so schöne Rollen für Frauen in meinem Alter gab es damals nicht oft.“

Auch ein Glück: Fußball war kein fremdes Thema für die Schauspielerin. Ihre ganze Familie hält dem heimischen Verein Bayer Leverkusen die Treue; Sohn Leo, der Wirtschaft studiert, ist Amateur-Fußballtrainer. Wann immer es geht, fiebern alle drei im Stadion mit. Nicht zuletzt dadurch hat die gebürtige Hamburgerin im Rheinland Wurzeln geschlagen. Mag aber dennoch eine Unterscheidung machen: „Leverkusen ist mein Zuhause, Hamburg bleibt meine Heimat.“ Damit schlägt Johanna Gastdorf eine Brücke zu Johannes Brahms, der 1833 ebenfalls dort geboren ist. In der Lesung tritt das Genie des Komponisten in den Hintergrund – zugunsten des Menschen hinter der misanthropischen Maske.

Info Die Lesung im Robert-Schumann-Saal ist am Sonntag, 21. November, um 17 Uhr. Karten im Internet über www.robert-schumann-saal.de, telefonisch über Westticket: 0211 274000.