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Düsseldorf: Interview mit Kristof Stößel, Leiter des Theaters Flin

Flin-Leiter Kristof Stößel : „Wir planen schräge Einlagen“

Teresa und Kristof Stößel leiten das Theater Flin und die Komödie Wuppertal.

Herr Stößel, gibt es zum Start ein Ritual, das Sie pflegen, als gutes Omen sozusagen?

Kristof Stößel Nein, wir sind einfach jetzt da.

Sie kennen das Düsseldorfer Publikum von Auftritten in Flin und Komödie. Berücksichtigen Sie die Mentalitätsunterschiede zwischen Wuppertalern und Rheinländern?

Stößel Ich weiß mittlerweile, dass das, was die Wuppertaler erheitert, die Düsseldorfer erst recht zum Lachen bringt. Um Wuppertaler zu überzeugen, braucht es etwas länger. In Düsseldorf hingegen herrscht sofort gute Stimmung.

Was wird neu?

Stößel Optisch wird nichts neu. Das Publikum mag den Stil der 1920er und 1930er Jahre und wir auch. Wir werden mehr Musik ins Programm nehmen. Im Oktober gibt es einen Marlene-Dietrich-Abend, für das kommende Jahr planen wir einen Edith-Piaf-Abend. Komödien spielen wir natürlich weiterhin. An Sonntagen möchten wir Talkshows, Lesungen und neue Formate wie Poetry Slam bringen; und wir beginnen schon um 18 Uhr.

Häufig spielte die Düsseldorfer Geschichte spielte im Flin eine Rolle. Führen Sie das fort?

Stößel Meine Frau liest sich gerade ein. Ich werde als Kunstfigur Fabienne von Straten Stadtführungen anbieten, an die sich ein Bühnenprogramm anschließt, das Aspekte der Stadterkundung aufgreift. Wir bereiten das derzeit vor.

Der demografischen Entwicklung zufolge müsste das ältere Publikum, also die Senioren, mindestens so beharrlich umworben werden wie das junge. Wie sehen Sie das?

Stößel Man muss die Bedürfnisse der älteren Herrschaften beachten, zugleich aber auch schauen, dass Jüngere kommen. In Wuppertal ist das gelungen. Zu uns kommen viele Besucher, die Mitte 40 sind. Sie schätzen unsere modern inszenierten Komödien. Ein weiterer Grund ist vielleicht, dass wir im Spiel „die vierte Wand öffnen“ und das Publikum einbeziehen. Wenn zum Beispiel ein Handy klingelt, steige ich von der Bühne in den Saal und gehe ans Telefon. Solche etwas schrägen Einlagen gefallen gerade jüngeren Leuten.

Kleine Theater wie das Flin leben von der Nähe zum Publikum. Zuschauer plaudern in den Pausen gerne mal mit den Chefs. Haben Sie als Leiter zweier Theater dafür Zeit?

Stößel Meine Frau wird die Konstante in Düsseldorf sein, ebenso wie eine Kollegin. Wir werden das Team vor Ort vergrößern. In den beiden Eröffnungsmonaten werde ich komplett in Düsseldorf sein, danach regelmäßig. So oder so – das Flin behält seine familiäre Atmosphäre.

Planen Sie Kooperationen mit anderen Düsseldorfer Bühnen?

Stößel Gerade in Corona-Zeiten fänd‘ ich es toll, wenn wir in Kontakt miteinander kämen. Gemeinsam kämpft es sich besser als alleine.

Die Zeiten sind rau für die Theater. Die Komödie musste schließen. Macht Ihnen das Angst?

Stößel Wenn wir es uns hätten aussuchen können, hätten wir ein anderes Jahr genommen, um ein zweites Theater zu übernehmen. Aber wir haben das 2017 so entschieden. Angst kenne ich eigentlich nicht. Immer, wenn ich dachte, Mensch, nächste Woche stehst Du wieder bei Burger King an der Kasse, gab es eine Lösung.

War das so?

Stößel Ja, ich habe fünf Jahre in der Wuppertaler Filiale gearbeitet. Tagsüber, abends stand ich auf der Bühne. Ich könne jederzeit wiederkommen, sagte meine Chefin damals.