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Düsseldorf: In der Theaterkantine in Lierenfeld gibt es auch Essen

Kleinkunstbühne : In der Theaterkantine herrscht Optimismus

Die kleine, aber feine Bühne in Lierenfeld muss derzeit nur mit weniger als der Hälfte der Besucher auskommen. Doch die Treue zum Haus bleibt. Erstmals haben die Betreiber auch eine Förderung beantragt.

Ein Freund sagte zu Heike Fabry, sie sei nicht die einzige, die es jetzt schwer habe. Daraufhin ließ sie das Jammern sein und fuhr täglich ins Theater, obwohl die Gäste nicht kommen durften. Sie putzte in Ecken, wo sehr sehr lange nicht geputzt worden war, baute ein Regal und ergänzte die kahlen Stellen des Bambus‘ um künstliche Geschwisterlein, was nicht weiter auffällt. Die baumlangen Gräser stehen in dem Wintergarten der Theaterkantine. Sieben Meter hoch und zehn Meter breit dient er der kleinen Privatbühne in Lierenfeld als Entrée. Olivenbäume gedeihen dort, und mit ihnen ein Wohlgefühl, das den Besucher einen Abend lang zu tragen vermag: Ein Glas Prosecco zur Begrüßung, auf der Bühne Rosa oder Viktor, die treuherzig davon berichten, was in ihrem Leben gut und was nicht so gut läuft. Dabei stehen sie in einer Wolke aus Zuversicht, und auch das Publikum fühlt sich gleich besser, wenn die zauberhafte Rosa von ihrer großen Liebe Erwin erzählt und Sehnsüchte aufsteigen lässt wie Luftballons.

Nach der Vorstellung geht es in den Speisesaal des Theaters, wo an langen Holztischen und bei Kerzenschein lecker gegessen und geplaudert wird, manchmal bis nach Mitternacht. Dann steigt eine leise Hoffnung auf, dass irgendwo im Haus ein Bett steht, in dem man getrost weiterträumen kann von diesem Abend, der wie ein Dauerschwips daherkam.

Das alles tut auch den Theaterleitern Heike und Rüdiger Fabry gut. Als die Kulturstätten wegen der Eindämmung der Corona-Pandemie schließen mussten, wusste Heike Fabry, was sie vermissen würde, und fing kurzzeitig das Jammern an. Vor 20 Jahren haben sie und ihr Mann die Theaterkantine gegründet, seit acht Jahren spielen sie in den Räumen an der Ronsdorfer Straße. Einst befanden sich dort Produktion und Verwaltung der Vereinigten Farbwerke, deren industrielle Prägung noch heute aufs Angenehmste erkennbar ist.

 Die Vorstellungen in dem kleinen Theater sind lange im Voraus ausgebucht. Auch jetzt wieder. Aktuell dürfen die Fabrys um die 40 Besucher empfangen, sonst sind es 108. „Aber wir freuen uns, dass wir wieder spielen dürfen“, sagt Heike Fabry. Als das Haus leer und stumm blieb, spielten sich die Darsteller via Zoom in die Wohnzimmer ihrer Besucher. „Wir haben einen großen Bildschirm aufgebaut, sodass auch wir die Zuschauer sehen konnten“, sagt Heike Fabry. „Wir leben von der Kommunikation, streamen wollten wir nicht.“ Das Menü, das sonst im Theater serviert wird, konnte man sich – fertig zubereitet oder mit allen Zutaten zum Nachkochen – an der Ronsdorfer Straße abholen oder nach Hause liefern lassen. Inklusive Schaumwein. „Wir haben am Bildschirm alle miteinander angestoßen“, sagt Rüdiger Fabry.

Und doch drängen sich am Ende eines noch so stimmungsvollen Tages die leidigen Zahlen in den Vordergrund. „Wenn 80 Besucher kommen, sind unsere Kosten gedeckt“, sagt Rüdiger Fabry. Mit der Hälfte ist das nicht zu schaffen. Deswegen greifen die Theaterleute seit einiger Zeit auf ihre Reserven zurück. Die Sommerpause ist gestrichen, zwei Wochen Urlaub an der Nordsee, danach wird weitergespielt.

Bis zur Corona-Krise hat die Privatbühne nie öffentliche Gelder beantragt oder erhalten, was ein Alleinstellungsmerkmal in Düsseldorf sein dürfte. „Wir wollten immer frei sein“, sagt Heike Fabry. Jetzt jedoch, da ihre Existenz bedroht ist, haben sie das Unterstützungsangebot des Bundes in Anspruch genommen und soeben den Antrag auf finanzielle Hilfe durch die Stadt Düsseldorf ausgefüllt.

Und dann sind da noch Julia und Ingo Meier-Berhorn. Früher waren sie begeisterte Besucher, heute sind sie Freunde der Fabrys. Ihnen liegt die Theaterkantine über alle Maßen am Herzen. Deswegen hat das Ehepaar die Spendenaktion „Patentante“ initiiert, bei der zugunsten der Theaterkantine ein Dauerauftrag über zehn Euro oder mehr eingerichtet werden kann. 40 bis 50 Aufträge gibt es schon. Wann immer es ihnen möglich ist, stehen Julia und Ingo Meier-Berhorn im Theater und werben für die „Patentante“. Die Fabrys sind gerührt, spielen weiter und bleiben optimistisch.