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Düsseldorf: Illustrierte Shakespeare-Sonette

Düsseldorf : Illustrierte Shakespeare-Sonette

Der Düsseldorfer Hans-Werner Scharf hat in mühsamer Kleinarbeit 44 Sonette William Shakespeares übersetzt und bebildern lassen. Mehr als zehn Jahre brauchte er dafür. Jetzt ist der Sonderband erschienen.

In Sachen Shakespeare-Sonette macht Hans-Werner Scharf niemand so schnell etwas vor. Fast zwei Wandschränke voll mit shakespeareschen Werken, Gedichtbänden und Übersetzungen finden sich im Arbeitszimmer des Düsseldorfers. Nun hat sich der ehemalige Uni-Dozent selbst ans Übersetzen gewagt und seine Lieblingsgedichte ins Deutsche übertragen. Daraus ist ein beeindruckendes Buch mit 44 Sonetten und Bildern entstanden, das sich in vielen Aspekten von den bislang erschienenen Shakespeare-Übersetzungen unterscheidet.

Schon in seiner Jugend interessierte sich der Sprachwissenschaftler und langjährige Dozent an der Heinrich-Heine-Universität (Studiengang Literaturübersetzen) für Shakespeare. Vor allem das Sonett 18 hatte es dem jungen Scharf angetan. "Ich war ein junger und verliebter Mann und sagte mir das Gedicht immer wieder selbst auf", erzählt Scharf. Jahrzehnte vergingen, bis er seine alte Leidenschaft zu Shakespeares Sonetten wiederentdeckte. Da dem 70-Jährigen viele deutsche Übersetzungen aber nicht gefielen, machte er sich nach der Jahrtausendwende kurzerhand selbst daran, Sonette ins Deutsche zu übertragen.

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"Mein Anspruch war, dass die Übersetzungen nicht stauben, inhaltlich korrekt und dennoch ästhetisch anspruchsvoll sind." In unzähligen Stunden am heimischen Schreibtisch studierte er die im 16. und 17. Jahrhundert geschriebenen Zeilen Shakespeares Vers für Vers, achtete bei der korrekten Übersetzung sowohl auf Reimschema, Strophen- als auch Versmaß. Ziel war es, alle formalen Pflichten zu erfüllen, zugleich aber auch "schöne Sonette" zu verfassen. Das sei der wesentliche Unterschied zu den anderen Übertragungen, sagt Scharf. Bisher galt nämlich im übersetzerischen Milieu die Faustregel: Literarische Übersetzungen sind entweder genau oder schön. "Waren die Übersetzungen mal inhaltlich korrekt, dann wurde bei der Form getrickst." Scharf wollte diesen Kompromiss nicht eingehen und mit seinem Werk beweisen, dass beides möglich ist.

Das Unterfangen gestaltete sich alles andere als einfach. "An vielen Stellen muss man misstrauisch sein und nicht gleich der ersten Eingebung nachgeben. In Shakespeare-Sonetten lauern viele falsche Freunde", sagt Scharf. Im Rahmen seiner Arbeit habe er deshalb zum Teil "artistische Herausforderungen" meistern müssen. Ein weiterer Punkt, in dem sich das Buch von den anderen Übersetzungen unterscheide, sei die Tatsache, dass in keinem der bisher erschienenen Werke die Texte auf zweiter Ebene auch in Bildform übersetzt wurden. "Es gibt mehrere hundert Übersetzungen, aber bis auf ein, zwei Ausnahmen war keine davon illustriert. Und schon gar nicht jedes einzelne Sonett."

Nach zehn Jahren Arbeit hatte Scharf 30 der insgesamt 154 Sonette aus dem berühmten Gedichtband ins Deutsche übertragen. Wenn Scharf die Zeit fand, benötigte er in der Regel zwischen zwei und vier Wochen, um ein Sonett zu übersetzen. "Meine beiden Söhne meinten irgendwann zu mir: ,Vater, du schaffst niemals alle 154 Gedichte.' Und ich musste ihnen recht geben." So kam es, dass er bei 44 Sonetten stoppte und das Buch veröffentlichte.

Doch für den Shakespeare-Experten ist noch lange nicht Schluss. Bis zu einer Ausstellung der im Buch gezeigten Bilder im Januar will er fünf weitere Gedichte übersetzen.