Düsseldorf: Herbsttreffen der Opernscouts

Herbsttreffen der Opernscouts : Botschafter des Musiktheaters

Die Opernscouts kamen zum Herbsttreffen zusammen. Alle freuen sich auf spannende Inszenierungen von Oper und Ballett.

Beim traditionellen Herbsttreffen der bisherigen und neuen Opernscouts machte Intendant Christoph Meyer einmal mehr deutlich, wie sehr er dieses Projekt schätzt: „Auch nach neun Jahren bleibt es eine tolle Sache, weil es Raum gibt für eine Vielzahl von Meinungen.“ Die für jeweils zwei Jahre verpflichteten zwölf Opernscouts verstehen sich als „Botschafter des Musiktheaters“. Sofort nach den Premieren trifft man sich zum Austausch. Kurze Kommentare fließen in die RP ein, ausführliche in einen viel beachteten Blog. „Erst war es nur ein zartes Pflänzchen“, sagt Opernsprecherin Tanja Brill. „Inzwischen erregen unsere Scouts auch überregional Aufmerksamkeit. Für das Haus ist diese direkte Art der Kommunikation sehr wichtig geworden.“ Menschen aus unterschiedlichen Berufswelten werden mit den Kunstformen Oper und Ballett vertraut gemacht und kommen miteinander ins Gespräch. „Daumen rauf oder runter ist nicht entscheidend“, stellt Tanja Brill klar. „Es geht vielmehr darum, was jeden Einzelnen an diesem Abend bewegt hat.“

Oft werden die lebhaften Diskussionen nach der Premiere genau so genossen wie die Inszenierung selbst. Jenny Ritter, im zweiten Jahr dabei: „Alle haben das Gleiche gesehen, aber jeder hat eine andere Wahrnehmung“, berichtet die Tai-Chi-Lehrerin den Neulingen. Sie habe erst hineinwachsen müssen, sei in aller Regel begeistert dabei und sogar zum Wagner-Fan geworden — jetzt freut sie sich auf die „Götterdämmerung“. Bei Katrin Gehlen konzentrierte sich die Begeisterung vor allem aufs Ballett. „Man denkt immer, es geht nicht mehr besser, doch dann überrascht uns Martin Schläpfer schon wieder, es ist fantastisch“, zieht die Modedesignerin und Künstlerin Bilanz. „Es war auch spannend, über das Gesehene nachzudenken und die Texte zu schreiben.“

Das kann Henning Jüngst-Warmbier nur bestätigen. „Am besten, man reflektiert seine Betrachtungen schnell und hält sie fest, solange die Eindrücke noch frisch sind“, empfiehlt der freie Dozent an der Zukunftswerkstatt Düsseldorf, der die Oper schon immer gern und oft besuchte.

Wie Susanne Bunka, gelernte Kinderkrankenschwester und Betreiberin des Angercafés in Urdenbach. „Aber es braucht manchmal einen Anstoß“, wirft sie ein. „Als Scout gehe ich auch in Inszenierungen, die ich sonst ausgelassen hätte. Und manchmal wurde ich positiv überrascht.“ Die bildende Künstlerin Hilli Hassemer versäumte fast keine Premiere. „Ein Privileg, schon wegen der besonderen Atmosphäre. Was ich dabei erlebte, schärfte mein Sehen. Ebenso bereichernd war es, beim Schreiben über das Erlebte nachzudenken, innezuhalten und einen eigenen Blick zu gewinnen.“

Die Erfahrungen der Scouts wirkten motivierend auf die Neuen. „Das hört sich nach einer harmonischen Gruppe an“, sagte Stefan Pütz. Der Inhaber von „Buch in Bilk“ lernte die Oper durch seine Eltern kennen, hat bei Wagner allerdings erhebliche Bedenken: „Das Schlimmste für mich. Ich habe Geschichte studiert und kann die Musik nicht von seiner antisemitischen Haltung trennen.“

Markus Wendel, Feuerwehrmann, in Düsseldorf und dort im Bereich strategische Planung und Einsatzorganisation tätig, verfolgte den „Ring“ rein dienstlich. Bei jeder Opernaufführung sind rechts und links der Bühne zwei Feuerwehrleute positioniert. „Wir sehen nicht viel“, sagt er. „Aber ich war ganz beseelt von Wagners Musik.“ Für ihn ist die Oper eine spät entdeckte Liebe. Er reist zu besonderen Inszenierungen und ist gespannt auf die Saison: „Fast alle Stücke sind mir unbekannt.“

Sandra Christmann, Geschäftsführerin von ArtPartner Relations und damit verantwortlich für Sponsoring und Events in der Kunstsammlung NRW, bezeichnet sich als „Operntouristin“, weil sie bisher fast nur die gängigen Klassiker sah. Dennoch hat sie zum Musiktheater eine hohe Affinität. Sie kommt vom Ballett und war drei Jahre Regieassistentin beim „Theater der Klänge.“ Schauspielerin Anna Schudt musste sich nach einer Saison wehmütig von den Scouts verabschieden. Zu viele berufliche Verpflichtungen. Für sie rückt Hubert Kolb nach, Professor für Immunologie und Diabetologie im Ruhestand. Im Elternhaus wurde er mit dröhnenden Opernchören aus dem Radio traktiert, fand als Student in München bei der „Zauberflöte“ zur Oper. Nach seiner akademischen Laufbahn freut er sich über die Zeit für kulturelle Genüsse. „Großartig. Neuerdings gefällt mir sogar das Ballett.“

Benedikt Stahl ist Architekt im Atelier Fritschi & Stahl und unterhält eine Professur an der Alanus Hochschule Bonn-Alfter. „Ein Opernkenner bin ich nicht“, schränkt er ein. „Aber die Musik spricht bei mir Geist, Körper und Herz an.“