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Düsseldorf: Galerie Breckner stellt den Beuys-Schüler Felix Droese aus

Ausstellung Felix Droese : Eine laute Stimme der Kunst

Die Werke von Felix Droese sind in der Galerie Breckner ausgestellt. Auch mit 70 Jahren ist der für seine Provokationen bekannte Künstler, der stark von seinem lehrer Joseph Beuys geprägt ist, nicht leiser geworden.

Felix Droese eilt ein Ruf voraus. Unbequem, laut, superkritisch, wahrheitsvernarrt und debattierfreudig ist er, der sich in der Breite seiner künstlerischen Arbeiten als Star erweist. Kunst vertrieb er einst im Discounter, was ihm den Zorn seiner Kollegen einbrachte. Auf der Documenta 1982 provozierte er mit seiner aus Papierschnitten zusammengesetzten Installation. „Ich habe Anne Frank umgebracht“. Als Teilnehmer einer Vietnam-Demonstration in den Siebzigern wurde der Pfarrerssohn sogar verhaftet und verurteilt, an der Kunstakademie Düsseldorf prägte ihn mit Sicherheit sein Lehrer Joseph Beuys.

Droeses malerisches und zeichnerisches Knowhow ist singulär – auch die bildhauerische Kraft, das Poetische, Färbende und Intellektuelle in seiner Kunst. Bei Felix Droese ist der kritisch denkende Mensch gut aufgehoben und wird sich an seinen meist von schweren Gedanken durchtränkten Arbeiten erfreuen.

Künstler wie ihn müsste man unter Naturschutz stellen oder ins Weltkulturerbe aufnehmen. Weil ein Verlust zu beklagen ist. Weil sich heute die Künstlerschaft längst nicht mehr so explizit und laut in die gesellschaftspolitischen Prozesse einmischt wie Droese und Kollegen es einst taten. So ist die Leerstelle eines wichtigen Korrektivs zu beklagen, da die Stimmen leiser und die Künstler – in der logischen Konsequenz – in Corona-Zeiten als nicht systemrelevant etikettiert werden.

Auf Droese, der 2020 sein 70. Lebensjahr vollendet, war auch Till Breckner gespannt. Nach einem Atelierbesuch in Mettmann lud der Galerist den Altstar zur Ausstellung in die Altestadt 7 ein, die auf gar nicht so weitem Raum eine Fülle von Arbeiten zeigt. Die Vernissage fand coronabedingt in begrenztem Rahmen statt, jetzt stehen die Räume zu den Geschäftszeiten offen zur freien Besichtigung.

Eine Vielzahl von verschiedenen Arbeiten hat der Künstler unter dem Thema „Ganze Wirklichkeit“ auf die Wände gebracht: Papierschnitte, Malereien, Zeichnungen, Drucke, Collagen, Mixed Media. All das weist auf Droeses virtuosen Einsatz von Arbeitsmitteln und Material hin. In der Zeichnung „Was ist Wahrheit“ kommen Wasserfarben, Tusche und Tierblut zum Einsatz. Beim Titel „Was ist Wahrheit“ ist es reines Tierblut, das die Buchstaben formt. „Die großen Scheinheiligen“ sind Tableaus aus Deutschland, auf Leinwand, ungerahmt, mit Holzdruck, Übermalung, Reifenabdruck. Das Düstere ist stets stärker als das Leichte und Heitere. Außer bei den roh gehauenen, riesigen Holzskulpturen, die die Schau ergänzen, welche sich mit Schriften der jüdischen Publizistin Hannah Arendt auseinandersetzt. „Das Maß des Körpers“ heißt die abstrakte Eichenfrau, „Speckbirnen Kreuz“ die andere eindringliche Arbeit, vielleicht ist sie männlich.

Zwischen 950 Euro (Auflage) und 40.000 Euro kann man für Droese in dieser Ausstellung ausgeben. Ganz verrückt ist der große, schwarze Kartonschnitt „Schaut die Mächtigen, ihnen ins Gesicht: Orgasmusangst“. Hier wurde mehrmals alles übermalt, Sakuraprinting eingesetzt und Rußpigment mit Leinöl vermischt. Dass Droeses Hund mit seinen Pfoten übers Bild lief, macht es einmalig.

Info Galerie Breckner; Mo–Fr 9–13 und 14–18 Uhr, Sa 12–15 Uhr; Telefon 0211 54221310.

www.galerie-breckner.de