Ausstellung von A.R. Penck in Düsseldorf Der Liebling des Kunstmarkts

Düsseldorf · Die Galerie Achenbach Hagemeier zeigt bis Ende Juli Werke von A.R. Penck. Händler Michael Werner erklärt, warum die Arbeiten des früheren Düsseldorfer Kunstprofessors so hohe Preise erzielen.

 „Entscheidung“ aus dem Jahr 1983 ist  mit 700.000 Euro das teuerste Bild von A.R. Penck.

„Entscheidung“ aus dem Jahr 1983 ist mit 700.000 Euro das teuerste Bild von A.R. Penck.

Foto: A.R. Penck/ Galerie Achenbach Hagemeier

Der Künstler A.R.Penck ist über seinen Tod hinaus berühmt, begehrt und beliebt. 1989 bis 2005 war er Professor in Düsseldorf, und seine ehemaligen Studenten himmeln ihn wegen seiner Menschlichkeit und Spendabilität noch heute an. Er finanzierte ihnen bis 1997 den Hinterhof der Luisenstraße 25 als Gratis-Atelier, weil er sich im übrigen eher wenig um sie kümmerte.

 Der Maler und Bildhauer A.R. Penck (1939 - 2017).

Der Maler und Bildhauer A.R. Penck (1939 - 2017).

Foto: dpa/Victoria Bonn-Meuser

Während der Nachwuchs nicht nur aus Deutschland, sondern Italien, Frankreich, Korea, Russland oder China in seine Klasse strömte, eilte er von Documenta zu Documenta, von „Westkunst“ zum „Zeitgeist“ und zum Kölner „Bilderstreit“, bemalte eine BMW-Sportwagen-Karosserie und stieg im Kunstkompass zu einer der beliebtesten Figuren auf dem Kunstmarkt auf. Und heute? Sein Aufstieg hält an.

Die Galerie Achenbach Hagemeier in Düsseldorf eröffnete soeben eine Ausstellung mit sieben seiner Werke aus den Jahren 1983 bis 2005 zu Preisen zwischen 120.000 und 700.000 Euro. Das teuerste Bild hat die Maße 180 mal 300,50 Zentimeter. Das kapitale Werk von 1983 mit dem Titel „Entscheidung“ zeigt eine große, rote Standart-Figur, die Arme weit ausgebreitet und die Hände zu drei T's geformt, die in Bezug zu „TTT (Triple Trip Touch)“ gesetzt werden können, der Free-Jazz-Band, in der Penck seit Anfang der 1980er-Jahre Schlagzeug spielte. Ist der Preis überzogen? „Nein“, sagt sein Haupthändler Michael Werner aus Berlin. „Penck war immer populär. Der Markt ist von ihm durchgehend bedient worden. Auch zu richtigen Preisen.“

Werner bringt ausgerechnet das Gemälde „Entscheidung“ ins Spiel, um die Preisentwicklung zu demonstrieren. Er habe dieses Bild vor mehr als 20 Jahren an die Sammlung Stoffel in Köln verkauft, die es für mehrere Jahre in die Pinakothek der Moderne nach München gab. Im November 2016 kam es unter den Hammer. Wer auch immer das Bild eingeliefert hatte, er sei ahnungslos gewesen. Michael Werner sagt: Der Schätzwert lag bei 70.000 bis 90.000 Euro in einer B-Auktion von Christie's in Amsterdam. Das wäre für einen Appel und ein Ei gewesen. Gott sei dank brachte es dann 362.500 Euro. Das ist eines der besten Werke von Penck.“

Nun also kommt es über einen Sammler in die Düsseldorfer Galerie, zu einem mehr als verdoppelten Preis. Und das innerhalb von gut fünf Jahren. „Das ist nicht zu teuer. Die typischen Bilder aus der Standart-Serie zwischen 1959 und 1963 haben sogar Gebote bis zu zwei Millionen Euro“, sagt Werner. „Aber ich verkaufe kein Bild mehr, weil Penck nur 25 dieser Arbeiten gemalt hat.“

Nun ist dieser Künstler aus Sachsen, der als Ralf Winkler in Dresden zur Welt kam, die Pseudonyme liebte und sich als Tancred Mitschel, Mike Hammer, T.M. oder eben Albrecht Penck nach dem deutschen Eiszeit- und Arktisforscher der 1920er- und 30er-Jahre nannte, immer ein pfiffiges Kerlchen gewesen.

In den frühen 1960er-Jahren galt er in der DDR als Unperson, stellte aber schon 1965 im Zentrum des Gegners, im Klubhaus der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft aus. Seit 1968 arbeitete er im Untergrund, nämlich bei Michael Werner im Westen, der die Werke heimlich über die deutsch-deutsche Grenze brachte. Ab 1972 vermietete ihm ein ehemaliger Offizier ein Atelier in Lindenau, während er im Kunstmuseum Basel, in der Staatsgalerie für Moderne Kunst München, auf der Documenta 5 und in der Wide White Space Gallery Antwerpen reüssierte. Als er am 3. August 1980 ausgewiesen wurde, war er ein gemachter Mann.

Jörg Immendorff, der wichtigste Maler im Ost-West-Dialog der Künste, sah Penck erstmals 1976 in Ost-Berlin. Im Januar 1979 traf er ihn über einen bewilligten Touristenantrag in Dresden. Kaum im Westen, erhielt Penck den Rembrandt-Preis in Basel. 1984 vertrat er die Bundesrepublik auf der Biennale von Venedig und war mit einer Riesenleinwand unter dem Titel „Quo vadis, Germania“ auf der berühmten Düsseldorfer Schau „Von hier aus“ vertreten. Dass man ihn 1988 in Köln aufgriff, als er auf einer Promenadenbank schlief, die Hosentasche voller Geldscheine, gehört zu den Kuriositäten dieses Originalgenies, mit denen dieser Künstler immer wieder aufwartete.

Café Deutschland“ nannte sein Freund Immendorff die Bilder zum Ost-West-Gespräch. Penck revanchierte sich mit radikal vereinfachten Figuren, in denen er etwa wie anno 2005 das Brandenburger Tor wie eine Hutschachtel hoch gehen ließ, was zum spontanen Verkauf bei Achenbach Hagemeier noch vor der Vernissage führte. „Penck ist ein sehr guter und sehr geschätzte Künstler. Und er hat noch immer große Ausstellungen“, sagt Werner. Seine künstlerische Karriere lebt also auch nach seinem Tode fort.

Wie aber kommt es, dass Pencks Freund Jörg Immendorff in den Preisen auf dem Kunstmarkt hinterher hinkt? Auch hierfür hat Werner eine Antwort: „Die große Problematik bei Immendorff ist ja, dass die Leute das Spätwerk nicht als eigenhändig ansehen. Aber eigenhändige Kunst, das gibt es ja gar nicht mehr.“ Werner schiebt den Trost des Kunsthändlers gleich hinterher: „Irgendwann macht Walther König einen Werkkatalog zu Immendorff. Dann steigt auch er im Preis.“

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