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Düsseldorf Festival: "Möbius" der Compagnie XY ist pure Akrobatik

Tanzaufführung „Möbius“ : Akrobatische Leichtigkeit des Seins

Die Tanzperformance „Möbius“ der Compagnie XY aus Lille beeindruckt mit einer gewagten Choreografie. Musiklisch ermüdend, aber visuell atemberaubend entfaltet sich das Stück in der Mitsubishi Electric Hall.

Düsseldorf Wie kann ein Mensch so federleicht auf drei andere klettern, die übereinander stehen? In den hinteren Reihen der Mitsubishi Electric Hall ist man gefangen von der Situation, die unglaublich kontrolliert erscheint. Unten liegt die weiße Bühnenebene wie der abgezirkelte Bereich für einen Boxkampf, davor leuchtet die Technik, und drumherum verteilt sitzen rund 450 Menschen, zwischen denen immer wieder Plätze frei sind. Alle tragen Masken und beobachten höchst diszipliniert eine Gruppe von 15 Menschen, die scheinbar ohne große Anstrengung auf dem Bühnenviereck Menschentürme bilden. Sie stellen sich zu dritt oder sogar viert übereinander – jeweils auf die Schultern des unteren Tänzers, kerzengrade.

Sanft fallen diese fragilen Formationen der Compagnie XY in sich zusammen, die Tänzer lösen sich voneinander, um auf den Boden hinzusinken, sich daraufhin aufzuhelfen und wieder die Bühne zu verlassen. Dann kehrt die Gruppe zurück, läuft im Kreis, rennt – natürlich niemals planlos – durcheinander. Einzelne packen sich gegenseitig, wirbeln einander im Kreis. Paare umarmen sich, trennen sich. Keiner scheint zu einem anderen zu gehören, aber alle bilden ein Ganzes. Vor allem dann, wenn sich wieder Menschen auf Schultern der anderen stellen, oder sogar hinaufspringen. Man traut ihnen ohne Weiteres zu, dass sie fliegen können. Dabei werden sie nur kunstvoll von ihren Mittänzern durch die Luft geworfen.

Das Ganze geschieht zu sphärischen Klängen, die mit der Zeit anstrengend werden, in einer etwa anderthalbstündigen Endlosschleife – vielleicht daher der Titel: „Möbius“ heißt das Programm, eine Deutschlandpremiere zum 30-jährigen Bestehen des Düsseldorf Festivals, und es erinnert an eine Kreation des Mathematikers und Tanzlehrersohnes August Ferdinand Möbius. Das Möbiusband, eine Fläche ohne Anfang und Ende, bei der man nicht zwischen unten und oben, innen oder außen unterscheiden kann.

Während sich die Choreografie auf der ansonsten leeren Hallenbühne abspult, ertappt sich der Betrachter dabei, zu überlegen: Hätte er vor der Pandemie nicht ständig Parallelen ziehen wollen zu einer Gesellschaft, in der sich die Einzelnen gerade stützen und wieder aufrichten wollen, um eine Gemeinschaft zu bilden? Bei allem Staunen über die akrobatische Leichtigkeit des Seins wirkt „Möbius“ nicht wirklich berührend – vielleicht auch, weil das Festival schon so viele exzellente Athleten in seiner Geschichte eingeladen hat.

Dennoch gab es Ovationen im Stehen.

Info Erneut am heutigen Samstag, 12. September, um 20 Uhr in der Mitsubishi Electric Halle zu sehen, Tickets und Infos online:
www.duesseldorf-festival.de