Düsseldorf-Festival: Maschinenmenschen und Musik der Inuit

Düsseldorf-Festival : Düsseldorf-Festival: Maschinenmenschen und Musik der Inuit

Die Menschen sind beherrscht bis zum Geht-nicht-mehr. Egal, ob sie schlicht die Arme ausbreiten oder darauf tanzen: Die Tänzer der dänischen Tanzcompagnie Next Zone unter Leitung von Lene Boel fordern alles von ihren Körpern.

Selbst wenn sie vom Schweiß glänzend und schwer atmend auf der Zeltbühne des Düsseldorf-Festivals am Burgplatz liegen, raffen sie sich noch einmal auf. Als sei die Energie mit den aufflackernden Beats der Musik wieder in ihre Glieder zurückgekehrt. Oder als habe sie der rhythmische Gesang wiederbelebt, der zumindest zu Beginn des Abends zuweilen erklingt. So bleibt die Anspannung auch im Publikum bestehen – selbst über einige Längen innerhalb des anderthalbstündigen Tanzabends hinweg.

Kraftvoll und ästhetisch zugleich wirken die beiden Männer, die im ersten Teil des Programms „Ritual Of The Inuit“ immer wieder versuchen, sich gegenseitig in Balance zu bringen – oder mit gelegentlich aufblitzendem Humor genau das Gegenteil probieren. Sie stützen und streiten sich. Sie beherrschen mit ihren artistischen Einlagen die leere Bühne, und ihre enorme Körperspannung verleiht selbst ruhigen Gesten Bedeutung. Im nächsten Moment verwandelt sich ihre Umgebung durch bloße Lichtregie, alles ist in eisiges Blau getaucht. Und ein bisher scheinbar achtlos abgelegtes Fell wird für die Tänzer zum Schutz in einer Umgebung, die als unwirtliche Arktis interpretiert werden kann. Hier leben die Inuit, Volksgruppen, an deren Musik sich Choreografin Boel bedient und die sie zu HipHop-Rhythmen kombiniert. Trommeln und Tanz, so heißt es, wurden bei den Inuit zur Lösung von zwischenmenschlichen Problemen genutzt – ähnlich versuchen es die beiden Tänzer in einer Art HipHop-Battle. Inwieweit in diesem Zusammenhang die globale Erwärmung – wie im Programm angekündigt – eine Rolle spielt, erschließt sich allerdings nicht.

„Kraftwerk – The Next Generation“ – so könnte man den zweiten Teil des Abends überschreiben, der indes den Kräften des Nordens („Forces Of The North“) gewidmet ist: Eine Reihe ernst blickender „Menschmaschinen“ marschiert auf, man erwartet fast „Wir sind die Roboter“ der Düsseldorfer Band erklingen zu hören, als die Tänzer in Bewegung geraten. Abgehackt und künstlich, manchmal bis zur Verzweiflung, wirkt das – auch wenn immer wieder die natürliche Biegsamkeit der Körper durchschimmert. Hier werden Individuen zunehmend von Automatismen beherrscht und dadurch selbst zu Automaten, so scheint es. Ihre Schatten auf der Bühnenrückseite spiegeln dies als dunkle Begleiter wider.

Info Am heutigen Montag, 30 September, 20 Uhr, endet das Düsseldorf-Festival mit einem Konzert der Sängerin Elida Almeida im Zelt am Burgplatz.

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