Düsseldorf: Digitales in Theater und NRW-Forum

FFT und NRW-Forum : Digitales in Theater und NRW-Forum

Das FFT widmet sich dem Theater der Digital Natives, das Ausstellungshaus dem Livestreaming.

Dass die Digitalisierung alle Lebensreiche durchdringen wird, war vor wenigen Jahren noch eine Erkenntnis, heute ist es eine Floskel. Tatsächlich legt die Digitalisierung ja ein ziemliches Tempo hin, überall, zum Beispiel im Theater. Das hat auch das FFT erfahren, das dazu vor vier Jahren einen Themenschwerpunkt setzte. Damals, sagt Dramaturgin Katja Grawinkel-Claassen, sei es bloß eine Behauptung gewesen, dass die Digitalisierung fürs Theater eine wichtige Rollte spielt. Mittlerweile ist das anders: In Dortmund soll schon im kommenden Jahr eine Akademie für Digitalität und Theater den Lehrbetrieb aufnehmen, und die Kulturstiftung des Bundes hat jüngst einen „Fonds Digital“ eingerichtet. Mit 15,8 Millionen Euro sollen digitales Kuratieren, digitale Produktionen und digitale Vermittlung gefördert werden. Es tut sich einiges, was dazu führen wird, dass sich bald wohl noch viel mehr tut.

„On/Live“ heißt das Konferenz- und Theater-Programm, mit dem sich das Forum Freies Theater (FFT) in Kooperation mit dem Institut für Kunst und Kunsttheorie der Uni Köln am Wochenende einschalten möchte. Es ist die mittlerweile vierte Ausgabe der Reihe. Untertitel: „Das Theater der Digital Natives“. Es geht also um Theatermacher und -besucher, für die das Digitale eine Selbstverständlichkeit ist, um Menschen, die damit aufgewachsen sind, und damit auch um alle künftigen Generationen. Die Frage ist, was das für die Zukunft bedeutet, auch im Theater.

„Wir glauben, dass sich etwas in der Art, wie wir zusammenkommen, ändert“, sagt Katja Grawinkel-Claassen. „Die Aktivität des Zuschauens verändert sich, man wird stärker involviert.“ Wer schon einmal eine Produktion der Gruppe Machina Ex erlebt hat, weiß, was das bedeuten kann. Die Gruppe richtet von Computerspielen inspirierte Theaterproduktionen ein, oft mit hohem technischen Aufwand; das Publikum ist Protagonist. Die Schauspieler lenken das Geschehen zumeist nur ein wenig. In Düsseldorf zeigt die Gruppe ihre neue Produktion „Disaster“, es ist ein Spiel über das Spiel und passt damit gut zu „On/Live“. Neben dem Feminismus habe sich das „Gaming“ mit den Jahren als ein Programm-Schwerpunkt herauskristallisiert, sagt Grawinkel-Claassen. Über das Theater als Erprobungsort zwischen Spiel und Wirklichkeit spricht denn auch Theaterwissenschaftlerin Maren Butte am Freitagabend im FFT Juta, über „Die neue Lust am Spiel“ wird am Samstag diskutiert. Und am Sonntag werden in einem Workshop Algorithmen nicht programmiert, sondern performt.

Wie sehr die Digitalisierung mittlerweile Künstler und Institutionen umtreibt, zeigt der Umstand, dass sich auch das NRW-Forum am kommenden Wochenende damit beschäftigt. Das Haus widmet sich ja seit einigen Jahren der Netzkultur, nun möchte es mit seinem Vermittlungsprogramm Akademie der Avantgarde dem Phänomen des Online-Livestreamings auf den Grund gehen – ebenfalls in Kooperation mit dem Kölner Institut für Kunst und Kunsttheorie. Workshops und Diskussionen wird es zum Livestreaming als neuer Form der Gleichzeitigkeit und Partizipationskultur geben, insbesondere soll es um den Einsatz der Technik in der Spielekultur gehen.

Und in der Ausstellung „Never AFK“ machen sich Künstler die technischen Möglichkeiten zu eigen: Sie arbeiten mit Mechaniken aus Spielen, entwerfen oder verändern Spiele oder spielen mit der Ästhetik, sagt Nada Schroer, die die Ausstellung mit Kristin Klein kuratiert. Gezeigt wird die Kunst nicht nur im NRW-Forum, sondern zugleich im Livestream.

Info Programme und Tickets unter:
fft-duesseldorf.de und nrw-forum.de

Mehr von RP ONLINE