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Düsseldorf: Die Band Planlos veröffentlicht nach elf Jahren wieder ein Album

Neues Album der Band Planlos : Zurück auf Klassenfahrt

Elf Jahre lang war es still um die Band Planlos. Jetzt, dank Corona ein Jahr später als geplant, sind sie mit neuem Album und Tour zurück. Sänger Pino erzählt, worauf er sich am meisten freut und was sich in den letzten elf Jahren verändert hat.

Es gibt Musik, die katapultiert einen direkt zurück in das, was viele „die gute, alte Zeit“ nennen. In die Zeit, in der man jünger war, in der man seine Freunde viel öfter sah und in denen man sich nachts bierselig in den Armen lag und sich schwor, dass sich niemals etwas ändern wird. Meist sind es die Lieder, die man während jener Schwüre schon gehört hat. Manchmal gibt es aber auch neue Songs, die dieses Gefühl unmittelbar erzeugen. „Mein Freund“ ist so ein Lied. Zu finden ist es auf dem neuen Album der Band Planlos, nach elf Jahren die erste Platte der Deutschpunk-Gruppe aus Grevenbroich, die auch stark in Düsseldorf verortet ist.

Für Sänger und Gitarrist Giuseppe „Pino“ Avanzato ist das Lied ein sehr besonderes. „Ich habe es für meine drei ältesten Freunde geschrieben. Wir sehen uns nicht oft, haben auch eigentlich gar nicht mehr so viel gemeinsam, aber wenn ich sie anrufe, dann ist alles sofort wie früher“, sagt er. Und er ist froh, solche Freunde zu haben. „Nicht jeder hat noch Kontakt zu den Leuten, mit denen er aufgewachsen ist, mit denen er als Kind gespielt hat, bis Mama zum Essen gerufen hat.“

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Doch auch die anderen Bandmitglieder sind Freunde für Pino. „Wir haben so viel miteinander erlebt, so viel Zeit miteinander verbracht. Es ist cool, jetzt wieder zusammen Musik zu machen“, sagt er. Dass es dazu noch einmal kommt, hätte er vor elf Jahren allerdings nicht gedacht. „Ich war erstmal fertig mit Planlos, hatte keine Lust mehr mich ständig mit Nebenjobs über Wasser zu halten oder Konzerte nur wegen der Gage zu spielen“, sagt er heute. „Das nimmt dir wirklich den Spaß an der Musik“. Er wollte mehr Sicherheit, Stabilität, auch wegen der Familie. „Das will ich auch nicht mehr aufgeben. Heute ist es umso besser, ich kann Konzerte spielen, weil ich wirklich Bock darauf habe.“

Ist das noch Punk? Sicherer Job, Familie, Ehefrau und Kinder? „Für mich ist Punk eher eine Einstellung: Mach was du willst, mach was dich glücklich macht, mach dein Ding. Im Prinzip ist Udo Lindenberg der größte Punk von allen“, sagt Avanzato. Überhaupt sei er nie glücklich gewesen mit starren Genrezuschreibungen. Klingt sehr nach Punk.

Jetzt ist Planlos also wieder da. Eigentlich war das große Comeback für Frühjahr 2020 geplant, das Düsseldorfer Stahlwerk bereits ausverkauft. Dann kam Corona und vereitelte diesen Plan wie so viele andere. „Das war natürlich Mist“, sagt Avanzato. Viele Fans von früher sind ihnen treu geblieben, haben auch in dem Jahrzehnt Abwesenheit nicht aufgehört, nach der Band zu fragen. „Alle hatten so Bock auf die Konzerte“, sagt Avanzato. Aber die Pandemie haben ihnen auch Zeit verschafft. Das Album konnte verfeinert werden, die Planungen ausgefeilter. „Wir konnten das Comeback wirklich perfektionieren und freuen uns jetzt umso mehr. Und niemand von uns hat gesundheitlich unter der Pandemie gelitten, das ist das Wichtigste.“

Am meisten freut sich Avanzato auf die Konzerte. Aber es ist nicht das auf der Bühne stehen, was ihm gefehlt hat, nicht der Applaus. Die Musik hat ihn ohnehin nie losgelassen, alleine aber auch in anderen Bands hat er auch außerhalb von Planlos immer weitergemacht. „Aber ich freue mich so darauf, mit den Jungs wieder vor und nach den Konzerten abzuhängen. Unterwegs zu sein, Spaß mit ihnen und den Fans zu haben. Das fühlt sich immer an wie Klassenfahrt“, sagt „Pino“.

Die Songs auf dem neuen Album, das denselben Namen wie die Band trägt, sind vielfältig. Neben anrührenden Songs wie „Mein Freund“ stehen auch Lieder, in denen es um Politischeres geht. „Hand in Hand“ ist der Lieblingssong des Sängers. „Mein Vater ist Italiener, meine Mutter Deutsche. Ich war immer ein bisschen Ausländer, ein bisschen deutsch. Nie ganz zugehörig, konnte mir aber überall auch mehr erlauben“, sagt er. „Hand in Hand“ handelt vom Dazwischen sein und davon, wie einfach alles sein könnte. „Arschlöcher gibt es immer auf beiden Seiten. Wie wär’s, wenn wir uns einfach gemeinsam gegen die stellen?“, sagt Avanzato.

Politisch ist auch der Gruß an die Kollegen von Wizo im Lied „Jaja“. „Wir sind ganz klar gegen Nazis“ heißt es dort, der Titel eines der bekanntesten Lieder der Band, mit der auch Planlos schon auf der Bühne stand. „Wir haben halt unsere Standpunkte, wollen zu Missständen nicht schweigen. Aber deshalb sind wir noch keine Politband“, so der Sänger.

Persönlicher wird es in „Il Siciliano“. Hier setzt sich Avanzato mit seinem Vater auseinander. Der wiederum hat sogar an einer Stelle mitgesungen. „Wir hatten lange kein gutes Verhältnis, ich habe nicht seinen Vorstellungen eines jungen Sizilianers entsprochen. Meine Mutter hat ihn irgendwann zur Räson gebracht“, sagt der Sänger. Davon handelt auch das Lied, Machismo gegen Feminismus: „Il Siciliano bügelt nicht, nur wenn sein Baby traurig ist“.

Am 29. Oktober erscheint das neue Album, eine Release-Party im Cube in Düsseldorf ist geplant. Danach geht es auf Tour, Planlos spielt unter anderem in Berlin, Leipzig und Köln. Zum Abschluss gibt es dann das große Konzert in Düsseldorf, verlegt vom Stahlwerk in die Mitsubishi Electric Halle. Damit sind auch wieder mehr Tickets verfügbar, das Stahlwerk war ja bereits ausverkauft. Und dann gibt es endlich wieder Livemusik, Freunde, die einander in den Armen liegen, und Klassenfahrt-Feeling.