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Düsseldorf: Düsseldorf: David Frays versonnener Mozart

Düsseldorf : Düsseldorf: David Frays versonnener Mozart

Der junge französische Pianist David Fray gilt als Überbringer tiefsinniger Botschaften. Wenn sich der – nach allseitiger Meinung außerordentlich gut aussehende – Maître im urdeutschen Fach aufhält, bei Bach, Beethoven, Brahms und Schumann, vergleichen ihn einige schon mit Wilhelm Kempff. Motto: Singendes Klavierspiel mit der Neigung zum Grübeln.

Mozarts "Jenamy"-Konzert Nr. 9 Es-Dur gerät Fray in der Düsseldorfer Tonhalle fast paradox: Musik im Sonnenlicht, die es doch fröstelt. Die rechte Hand fährt die Melodien mit dem Scheinwerfer ab, aalt sich in der Wärme und benötigt bald einen höheren Lichtschutzfaktor; die linke dagegen murmelt bereits versonnen, trägt deckende Farben auf und schlägt den Mantelkragen hoch. Und da Fray gern dissoziiert, also die Töne der beiden Hände nacheinander anschlägt, heben sich die Erlebniswelten eindrücklich voneinander ab.

Pedanten werden einwenden, Fray übertreibe das Gesangliche, sortiere die Musik von oben nach unten und vernachlässige die Mittelstimmen. Hier und da ist der Einwand berechtigt. Trotzdem ist einem dieses unaffektierte, suchende Musizieren sehr lieb. Fray spielt Mozart wie einer, der in den Tasten versinkt, die Außenwelt ausblendet und sich auf das Navi seiner Intuition verlässt. Als Zugabe gibt er die beiden letzten Sätze aus Schumanns "Kinderszenen": scheu, zügig, bescheiden. Morgen wird Fray 30 Jahre alt. Toutes nos félicitations!

Die Amsterdam Sinfonietta assistiert entzückend. Das kleine holländische Kammerorchester spielt – die tiefen Streicher ausgenommen – im Stehen und musiziert so brisant, dass es einem wogenden Ährenfeld ähnelt. Davon profitiert Mozarts Sinfonie Nr. 29 A-Dur: Sie macht viel Wind, bläst sich aber nicht auf. Sie tönt spirituell und derb, sie versöhnt sozusagen Hochsprache und Dialekt. Famos!

Die Orchesterbearbeitungen zweier fachfremder Werke Alban Bergs und Gustav Mahlers (Klaviersonate, Quartettsatz) wirken auf den ersten Blick wie Füllmaterial. Beim Hören klingt die Berg-Sonate nach Jugendstil, dessen Knospen wie wild aufspringen – und das geht ästhetisch voll in Ordnung.

(RP/rai)