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Düsseldorf: Christian Hupertz spricht über Kunstpalast und NRW-Forum

Marketingleiter Kunstpalast und NRW-Forum : Fusion treibt Digitalisierung voran

Christian Hupertz, Marketingleiter des Kunstpalastes und des NRW-Forums, sieht die Strategie der beiden Häuser als zukunftsfähig. Digitale Rundgänge seien jedoch ein zweischneidiges Schwert.

Nach einer steilen Karriere bei großen Werbeagenturen in Hamburg und Düsseldorf wechselte Christian Hupertz die Seiten. Seit zwei Jahren ist er Leiter für Marketing und Digitales im Kunstpalast. „Mein Bereich war damals noch ein jungfräulich bespieltes Feld“, sagt er: „Es gab sehr viel Offenheit. Mit dem neuen Direktor Felix Krämer begann eine spannende Zeit des Aufbruchs.“ Dazu gehörte, etwa bei der erfolgreichen Auto-Ausstellung „PS: Ich liebe dich“, auch der Mut zur Polarisierung. „So gewinnt man Menschen, die sonst nicht ins Museum gehen“, sagt Hupertz: „Wir wollen ein niederschwelliges Haus sein, es soll sich jeder reintrauen.“

Nach der Vereinigung mit dem NRW-Forum kümmert sich der Marketingchef auch um die benachbarte „wilde, junge Schwester“ des Kunstpalastes, die mit den Bereichen Pop-Art, Fotografie und digitale Kunst unter Leitung von Alain Bieber für ein eher unkonventionelles bis experimentelles Programm steht. Die beiden Häuser zusammenzuführen, aber jedem sein eigenes Profil zu erhalten, sei eine schöne Herausforderung. „Sie können sich gegenseitig befruchten“, sagt Hupertz. Dabei setzt er auf eine mit Leichtigkeit versehene Kultur-Kommunikation, wobei ihm seine Erfahrungen in der Werbewelt zugute kommen. „Die Inhalte mögen unterschiedlich sein, die Klammer aber ist das Marketing. Unverkrampft, gern mit frechen Akzenten und ohne Scheu, auch mal anzuecken.“ Das Zusammenspiel von Programm und Kommunikation habe den Kunstpalast in den vergangenen zwei Jahren in neue Sphären gehoben, sagt er. Ein Glück, denn das Haus stünde heutzutage nicht nur mit anderen Museen im Wettbewerb, sondern auch mit der reichhaltigen Palette an Freizeitaktivitäten in der Stadt und im Umland.

Ein Grund mehr, die Digitalisierung voranzutreiben, die Generaldirektor Felix Krämer auch einfordere. Pionier in Deutschland war der Kunstpalast bei der Errichtung einer eigenen Website speziell für Kinder, verbunden mit einem Wettbewerb für Schulen. „Ein tolles Projekt, das wir weiterentwickeln müssen“, bestätigt Hupertz: „Mit diesem Tool für Kinder bekommen wir auch wieder Erwachsene ins Haus – ein kleines trojanisches Pferd.“

Bei der Digitalisierung erwies sich Corona als Treiber, im Lockdown habe man in beiden Häusern entsprechende Angebote verstärkt. Hupertz weiß um die Beliebtheit virtueller Museums-Rundgänge, sieht darin allerdings ein zweischneidiges Schwert. „Einerseits kann man Besucher dadurch inspirieren, andererseits denken manche vielleicht: Ich hab‘s ja schon gesehen. Wir erwägen gerade, einen solchen Einblick erst im Nachgang zu einer Ausstellung bereitzustellen.“

Christian Hupertz, aufgewachsen in Hamburg, wurde durch seine Eltern bereits früh an die Kunst herangeführt. „Keine Reise ohne Museum“, erzählt er: „Aber nie als Zwang. Das färbte auf mich und meine Schwester ab. Dass sich Leidenschaft und Beruf heute ergänzen, ist wunderbar.“