Düsseldorf: Beinaschis Skizzen aus Italien im Kunstpalast

Ausstellung im Museum Kunstpalast: Skizzen aus dem barocken Italien

Das Museum Kunstpalast zeigt Zeichnungen des unterschätzten Künstlers Giovanni Battista Beinaschi.

Während die Ausstellung „Black & White – Von Dürer bis Eliasson“ im Museum Kunstpalast den weiten Bogen von der Renaissance bis zur Moderne spannt, kann man nun gegenüber in der graphischen Sammlung ein wunderbares Teilstück der monochromen Kunst bestaunen. Die Ausstellung „Das Auge reist mit“ über das Werk des ziemlich unterschätzten Barock-Künstlers Giovanni Battista Beinaschi zeigt rund 70 noch nie ausgestellte Skizzen und Blätter mit christlichen und biblischen Motiven.

Auf blauen, grauen und beigen Blättern sieht man zarte Entwurf­skizzen von Motiven, die tief in das Bildgedächtnis eingebrannt sind. Die Beweinung Christi, Madonna mit dem Kind oder die Kreuzabnahme sind feste Bestandteile der christlichen Ikonografie. Und von Beinaschi meisterlich mit feinen Linien, lebendigem Duktus und wie im Falle des reuigen Petrus in anrührender Weise umgesetzt. Dabei erinnern die Skizzen immer wieder an große Vorbilder: die Beweinung Christi an Michelangelos Pietà im Petersdom und die Kreuzabnahme an die prototypische Darstellung von Rosso Fiorentino in Voltera.

Geboren 1634 in der Nähe von Turin kam der junge Beinaschi 1651 in Rom an, zu einer Zeit, als der Hochbarock Architektur und Kunst beherrschte. Gian Lorenzo Bernini hatte gerade den Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona fertiggestellt und Francesco Borromini die Barockisierung der baufälligen Lateranbasilika abgeschlossen. Auf seiner Wanderung in das künstlerisch pulsierende Rom war der 17-Jährige durch Padua, Modena und die Renaissance-Metropole Florenz gekommen, wo er die Bildsprache seiner Vorbilder studierte. Ausgestattet mit diesem Bildverständnis lernte Beinaschi an der renommierten Accademia di San Luca. Und das mit großem Erfolg, wie die Skizze Madonna mit Kind von 1655 zeigt. Liebevoll hält Maria Jesus im Arm, ihr Umhang wellt sich vielschichtig und an einigen Stellen fast durchsichtig um ihren Körper.

Da Papier damals ein sehr teures Gut war, wurden die Blätter immer beidseitig bemalt, was mit einigen im Raum stehenden Skizzen veranschaulicht wird.

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Dass das Werk Beinaschis heute überhaupt in Düsseldorf gezeigt werden kann, ist Verdienst von Lambert Krahe (1712–1790), dem Begründer der Kunstakademie. Der leidenschaftliche Sammler hatte aus seinem Rom-Aufenthalt ein riesiges Konvolut aus Skizzen und Druckgrafiken zu Studienzwecken mitgebracht. Seit 1932 befindet sich die Kollektion als Dauerleihgabe im Museum Kunstpalast und wird dort wissenschaftlich betreut. In Zusammenarbeit mit einem italienischen Kunsthistoriker ist so ein Katalog der Düsseldorfer Werke Beinaschis entstanden, der im Oktober erscheinen wird. Denn mit rund 250 Blättern besitzt das Museum Kunstpalast das weltweit bedeutendste und größte Zeichnungskonvolut des Künstlers.

Der Zweck dieser Skizzen war damals allerdings nicht der Verkauf oder das Ausstellen der Zeichnungen. Sie dienten der Vorbereitung von großen Ölbildern oder Fresken für die zahlreichen Kirchen Roms und Neapels. Denn mit steigendem Bekanntheitsgrad hatte auch Beinaschi eine Werkstatt mit mehreren Lehrlingen eingerichtet, die vor allem die anstrengende Überkopf­arbeit der Freskenmalerei anhand der Skizzen des Meisters erledigten. Sie übersetzten die Lebendigkeit und überschwängliche Sinnenfreude von Beinaschis barocken Skizzen in monumentale Werke, die im Zusammenspiel von Kunst und Architektur erst ihre eigentliche Wirkung erlangen. Doch genau dieser Vergleich mit den noch existierenden Fresken und Altarbildern fehlt in der Ausstellung fast gänzlich.

Denn so schön die zarten und zeitlosen Zeichnungen sind, erst mit der präzisen Gegenüberstellung wird deutlich, zu welchem Zweck diese Skizzen entstanden. Wo Kunst sonst immer eine Wirkung auf den Betrachter ausüben soll, waren diese Skizzen nur für das geübte Auge der Maler gedacht und nicht für ehrfurchtsvolle Kirchgänger. Diese Eigenheit herauszustellen schafft die sonst sehr sehenswerte Ausstellung leider nicht. Sie ist mehr geprägt von der wissenschaftlichen Auf­arbeitung des Werkes Beinaschis als von der exemplarischen Darstellung der künstlerischen Tätigkeit und Arbeitsweise im barocken Italien des 17 Jahrhunderts.