1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Düsseldorf: Beethoven-Liederabend mit Matthias Goerne im Schumann-Saal

Liederabend mit Matthias Goerne : Wie Ludwig van Beethoven das Kunstlied entdeckte

Beim Liederabend im Schumann-Saal des Kunstpalastes stand eine musikalische Form im Mittelpunkt, die Ludwig van Beethoven mitgeprägt hat: der Liederzyklus. Ausgewiesene Könner spielten die Stücke.

„An die ferne Geliebte“ von Ludwig van Beethoven ist so etwas wie der Urknall des Liederzyklus’. Schubert, Schumann und andere Romantiker orientierten sich mit ihren Liederkreisen an diesem Prototyp zusammenhängender Gedicht-Vertonungen. Zugleich ist die „Ferne Geliebte“ auch mit Abstand das Beste, was Beethoven für die Liedgattung komponiert hat. Dies wurde einmal mehr deutlich beim Klavierfestival Ruhr im Schumann-Saal. Bariton Matthias Goerne und Pianist Jan Lisiecki gaben einen reinen Beethoven-Liederabend.

Beim Hören des Recitals, auch mit einigen nicht ganz so populären Miniaturen Beethovens, konnte man zu dem Eindruck gelangen: Das Lied war eigentlich nicht seine Stärke. Nach Beethoven ist Lyrik noch deutlich packender und unkonventioneller vertont worden. Mit Goerne und Lisiecki gestalteten immerhin zwei ausgewiesene Könner ihres Metiers die Kurzwerke des Meisters großer Formen.

Dramaturgisch erwies es sich als klug, die „Ferne Geliebte“ an den Schluss zu setzen und damit eine Spannungskurve zu erzeugen. In dem Liedzyklus blühte nun auch Goernes Stimme am schönsten auf. Das Sehnsüchtige liegt dem Bariton. Er kann wunderbar Leises und Zwischentöne zum Klingen bringen. Die leidenschaftliche Schwärmerei anderer Lieder überzeugte weniger. Gefühlvoll aufgeladenes Forte klingt bei Goerne wie ein Donnerwetter, geradezu bedrohlich. Zum Beispiel könnte man sich die „Adelaide“ als ein Wesen vorstellen, das vor den ungestümen Zärtlichkeiten des Sängers lieber Reißaus nimmt. Düstere Melancholie wie in der Gellert-Vertonung „Vom Tode“ zeichnet Goerne dagegen mit feinster Tiefenschärfe.

  • Ludwig van Beethoven, gemalt von Joseph
    Klassik in Mönchengladbach : Musikschule lädt zum Konzert „Hin und weg“ ein
  • Zwei Meter hoch und fast zehn
    Licht-Installation : Beethoven grüßt aus dem Landtag
  • Der belgische Dirigent David Reiland ist
    Zum Konzert mit neuen Einlassplänen : Mit Bordkarte in die Tonhalle
  • Am liebsten hätte Silke Franz Geige
    Die Niederrheinischen Sinfoniker in Krefeld : Das Cello - Liebe auf den zweiten Blick
  • GMD Mihkel Kütson
    Erstes Sinfoniekonzert der Saison 2020/21 in Krefeld : Sinfoniker begeistern zum Auftakt der Saison trotz Corona-Auflagen
  • Sandra Hüller wurde in der vergangenen
    Lilith Stangenberg und Sandra Hüller : Neue Stimmen von alten Bekannten

Goernes Klavierbegleiter Lisiecki ist vor allem als virtuoser Solist bekannt. Die geschliffene, kraftvolle Art des Spiels und das Überangebot an Fingertechnik gab darauf klare Hinweise. Lisiecki spielte sich aber nicht in den Vordergrund, sondern begleitete mit perfektem Timing. Im wegen Corona luftig besetzen Saal gab es zahlreiche Bravorufe, belohnt mit zwei weiteren Beethoven-Liedern als Zugaben: darunter Mephistos satirisches „Flohlied“.