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Düsseldorf: Auch die Grünen setzen sich für den Kulturbahnhof Eller ein

Kulturstätte in Düsseldorf : Grüne wollen Kulturbahnhof Eller erhalten

Zwei kommunalpolitische Vertreter sicherten bei einem Gespräch mit dem Freundeskreis des Kulturbahnhofs zu, sich für das Projekt einzusetzen. Der Verkauf und die Sanierung des Gebäudes sind seit mehreren Jahren in Diskussion.

Das denkmalgeschützte Gebäude ist 148 Jahre alt. Seit 45 Jahren arbeiten dort Künstler, seit 38 Jahren finden dort regelmäßig Ausstellungen statt. Gerade wurde die 180. Ausstellung im Kunstbahnhof Eller beendet. Die nächste steht bereits in den Startlöchern. Und trotz seiner langen Historie und seinem kulturellen Wert ist die Zukunft des Bahnhofs ungewiss. Er steht zwischen Verkauf und unbezahlbarer Sanierung. Doch der Freundeskreis des Kulturbahnhofs hat einen Hoffnungsschimmer: Erst sprach sich Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) gegen den Verkauf des in städtischem Besitz befindlichen Gebäudekomplexes aus. Jetzt sagten zudem Susanne Ott und Stefan Engstfeld (beide Bündnis 90/Die Grünen) ihre Unterstützung zu. Sie wollen vermitteln und so die Zukunft des Hauses sichern.

Der Bahnhof in Eller wurde in den 1970er Jahren durch das Ehepaar Ilsabe und Gerolf Schülke vor dem Abriss bewahrt. Sie haben dort seit 1975 ihre Ateliers und ließen prüfen, ob das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden könnte – so kam es dann auch. 1984 kaufte die Stadt das Gelände. Zwei Jahre später gründete sich der „Freundeskreis Kulturbahnhof Eller“, der dort mit dem Kulturamt Veranstaltungen und Ausstellungen organisierte.

Seit 2002 entfällt diese Arbeit auf den Freundeskreis, der aber für das Projekt vom Kulturamt finanziell gefördert wird. Der Verein kümmert sich seither darum, das „dezentrale Kulturangebot“, das den Kulturbahnhof ausmacht, aufrechtzuhalten. Einen Schock erlebten sie 2017. Damals wurde verkündet, dass es einen Investor gebe, der das Grundstück kaufen wolle. Doch weder Verkauf noch Verpachtung stehen für den Freundeskreis zur Diskussion. Das würde den satzungsgemäßen Zweck des Vereins beseitigen, sagt Schülke, der um ein Projekt bangt, in das jahrelang Herzblut gesteckt wurde. „Der Abwehrkampf seit dreieinhalb Jahren ist nervenzehrend.“, so der pensionierte Kunsterzieher: „Aber solange wir kämpfen können, machen wir das.“

Der Freundeskreis befürchtet, dass der Investor weiterhin Interesse habe. Eine klare Zu- oder Absage fehle jedoch. Und auch die Sanierung, die seit Jahren in Diskussion ist, steht noch aus. Verwaltung und Freundeskreis sind sich uneinig: Die Stadt kalkulierte etwa zwei Millionen Euro für die Sanierung des Gebäudekomplexes. Ein Gutachten, das der Verein hat anfertigen lassen, geht von 450.000 Euro aus. Dabei sind allerdings der Anbau und die Sanitäranlagen nicht enthalten.

Im Gespräch mit dem Verein machte sich Stefan Engstfeld, OB-Kandidat der Grünen, persönlich einen Eindruck von der Situation rund um den Kulturbahnhof. Dieser sei ein „besonderes Kleinod“, so Engstfeld. Das Projekt sei „sinnvoll“ und belebe den Stadtteil. Mit Erschrecken bemerkt er, dass Düsseldorf „sukzessive kleine Perlen der Kultur“ verliere. Damit der Kulturbahnhof nicht folgt, müsse er für weitere 15 Jahre aufgestellt werden.

Engstfeld schlägt vor, dass sich die Verwaltung und der Verein an einen Tisch setzen und prüfen, wie es zur Diskrepanz der zwei Gutachten kommt. In einem nächsten Schritt sollte dann ein gemeinsames Gutachten erstellt werden. Das schaffe Transparenz. Susanne Ott, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin, betont zudem, dass die Kosten im Haushalt gelistet werden müssen. Weiter spricht sich Engstfeld für eine Erweiterung des Nutzvertrages aus. Das sei ein Zugeständnis der Stadt für den Kulturbahnhof. Außerdem könnte dann die Druckwerkstatt realisiert werden – ein Projekt, das seit 2011 auf Umsetzung wartet.

Engstfeld hofft, dass sich bald eine „gemeinsame Grundlage“ schaffen lasse, damit der Kulturbahnhof bestehen bleibt. Zum Freundeskreis sagt er: „Sie haben so viel Vorleistung gebracht. Die müssen wir jetzt gezielt einbringen.“