Dirigentin Joana Mallwitz erkrankte kurz vor dem Sternzeichen-Konzert der Düsseldorfer Symphoniker. Adrien Perruchon war ein würdiger Ersatz.

Musik : Ein Dirigent für alle Fälle

Eigentlich sollte Joana Mallwitz die Düsseldorfer Symphoniker beim Sternzeichen-Konzert führen. Dann erkrankte sie kurzfristig. Mit Adrien Perruchon wurde innerhalb von 24 Stunden ein würdiger Ersatz gefunden.

Keine Angst, alles wird gut. Voraussichtlich. Aber diese vier, fünf Stunden nach der Hiobsbotschaft am Montagvormittag stecken Barbara Fasching auch gestern Mittag noch in den Knochen. Und das, obwohl die Orchesterdirektorin der Düsseldorfer Symphoniker gerade ziemlich entspannt einer nicht nur gut gelaunten, sondern überaus produktiven Probe fürs Symphoniekonzert am Freitag zugehört hat. Am Pult stand Adrien Perruchon, einer der angesagten Dirigenten der jüngeren Generation, Chef des Pariser Kammerorchesters. Mit Ravels „Daphnis et Chloë“. Eigentlich sollte Joana Mallwitz dirigieren.

Das Telefon klingelt um 9.30 Uhr. Auf dem Schreibtisch der Orchesterdirektorin sieht auch nach der Absage der Gastdirigentin alles aus wie vorher. Zwei Bildschirme, Telefon, graues Notizbuch mit schwarzem Lesebändchen. Doch in Barbara Fasching rattert das Mantra: „Nur die Ruhe“. Es sind noch 24 Stunden bis zur ersten Probe, das Konzert ist Freitagabend. Für den Ravel sind zehn Schlagzeuger bestellt. Können wir den Probenplan halten? Wer kann das Programm dirigieren? Schuberts „Unvollendete“, Schostakowitschs 2. Violinkonzert. Erst mal hören, was der Intendant sagt.

Schon beim Wählen geht die gelernte Oboistin und Kulturmanagerin, die seit 2014 die Belange des Orchesters der Landeshauptstadt managt, die Liste der Namen durch, die für einen solchen Fall vorgemerkt sind. Fischer, Bloch, Kober – von den ständigen Dirigenten weiß sie auswendig, dass sie an diesem Wochenende besetzt sind. Mit Intendant Michael Becker zusammen entsteht eine neue Liste. Per Gruppenchat sind inzwischen der Orchestervorstand und der künstlerische Beirat des Orchesters informiert. Konkrete Namen kristallisieren sich heraus. „Klar ist man für einen solchen Fall vorbereitet“, sagt Frau Fasching, „es kommt dann aber meistens doch alles ganz anders.“

Am Dreikönigstag haben die Agenten in Bayern und Österreich frei. Das ist eine erste Überraschung. Da schmilzt die Reihe der Namen derer, die einspringen könnten, schnell zusammen. Aber nach ungezählten Telefonaten, die sämtlich in Frau Faschings grauem Notizbuch protokolliert werden, hat Perruchon zugesagt. Es ist 15 Uhr, als die finalen Verhandlungen zwischen ihr und der Agentur über die Höhe der Gage abgeschlossen sind. „Alles ist im grünen Bereich“, sagt sie. Der Dirigent hat auch den Startalk am Freitagabend zugesagt und einen Clip für Facebook. Mit dem Geigen-Solisten Vadim Gluzman ist eine Verständigungsprobe terminiert. Hotel gebucht, sichergestellt, dass der Zug aus Paris auch wirklich fährt. Die direkten Absprachen hat Frau Fasching mit Perruchon per SMS getroffen, da ist er schon auf dem Weg nach Düsseldorf. Am Abend holt sie den Gast persönlich vom Bahnhof ab.

„Es ist gut gelaufen“, kann die Orchesterdirektorin auf einen ereignisreichen Tag zurückschauen, fügt aber an: „Da saßen schon eine ganze Menge Leute auf der Stuhlkante.“ Denn ein neuer Dirigent bringt so eine Orchester-Maschinerie gehörig auf Touren. Bei einer Personalentscheidung von derartiger Bedeutung wollen und sollen die Gremien der Düsseldorfer Symphoniker mitsprechen, sagt Fasching, der es für ihren Job unabdingbar erscheint, selbst Musikerin zu sein. Perruchon habe aber keine besonderen Wünsche etwa in Bezug auf die Sitzordnung auf der Bühne geäußert. „Die Stimmung in der ersten Probe war sehr gut. Die Feedbacks ebenfalls. Alles läuft.“

Sagt’s und tippt wieder irgendetwas in ihr Handy. Sie schreibt sich sogar selber Mails, in denen sie sich an etwas erinnert, erzählt sie. Ihr Notizbuch jedenfalls wird nach diesem Thriller schneller ausgedient haben als die meisten Vorgänger, von denen im Schnitt vier im Jahr voll werden und im Regal landen. Als wichtige Quelle für den nächsten Notfall. Und der kommt garantiert.