Düsseldorf: Diese Waffenmeister kennen alle Tricks

Düsseldorf : Diese Waffenmeister kennen alle Tricks

Wenn bei "Carmen" geliebt, gekämpft und gestorben wird, hat der Waffenmeister vom Dienst an der Rheinoper richtig viel zu tun. "Eine äußerst effektvolle Vorstellung mit Schießereien und Feuer", sagt Georg Winterholler mit leuchtenden Augen und gibt ein paar Geheimnisse preis.

Das unterm Gewand verborgene Blutkissen eines hinterrücks Gemeuchelten platzt nicht mehr so wie früher, als das Opfer noch selber Hand anlegen musste. Moderne Methoden sind raffinierter: "Wir zünden das Kissen über Funk, während wir hinter den Kulissen mit der anderen Hand den Schuss auslösen", berichtet der Waffenmeister lässig.

Noch trickreicher geht es bei "Don Giovanni" zu. Wird der Held mit einem Federdolch erstochen, klebt kein Blutpäckchen an ihm. Das Theaterblut würde seinen kostbaren seidenen Mantel ruinieren. Darum wird die riesige rote Lache, die sich neben dem gefallenen Sänger ausbreitet, mittels Pumpe und Schlauch aus dem Untergrund auf die Bühne bugsiert.

Es sind spannende Geschichten, die Rolf Pietzsch und Georg Winterholler von ihrer Arbeit als Requisiteure und Waffenmeister in der Rheinoper erzählen. Nur diese beiden Männer haben Schlüssel zum gut bestückten Arsenal, sind auf der Waffenbesitzkarte eingetragen und strengen Sicherheitsstandards verpflichtet. Auch deshalb versteckt sich die Waffenkammer im hintersten Winkel des Gebäudes. Erst läuft man über steile Treppen hinunter in den Keller, dann über Hunderte von Metern quer durch den beeindruckenden Kostümfundus, der sich unter der Heinrich-Heine-Allee hinzieht.

Deutlich hört man dort die U-Bahn rumpeln, als Rolf Pietzsch die Tür entriegelt und seine Schätze zeigt. In dem abgeschiedenen Gemach lagern etwa 40 Pistolen, 60 Langwaffen und weitere Mordinstrumente. "Frisch und trocken, wie es sein soll", fügt er hinzu. "Darunter sind viele scharfe Waffen aus dem Bestand der 70er und 80er Jahre. Die müssen gut verwahrt sein."

Bis 2000 arbeitete Rolf Pietzsch am Landestheater Altenberg in Thüringen. Dort eignete er sich das Handwerkzeug an und legte staatlich anerkannte Prüfungen ab. Seit 2004 arbeitet er an der Rheinoper und kann sich "nichts anderes mehr vorstellen".

Georg Winterhollers Weg verlief grundlegend anders. Einst Solist in der Münchner Heinz-Bosl-Stiftung, tanzte er zwölf Jahre lang in der Düsseldorfer Ballett-Compagnie unter den Direktoren Bortoluzzi, Spoerli und Vamos. Rechtzeitig suchte er nach Möglichkeiten, wie es nach der Tänzerkarriere mit ihm weitergehen könnte.

Schließlich begann er als Bühnenhandwerker, rutschte auf eine Planstelle als Requisiteur und erwarb nach Weiterbildungslehrgängen wie sein Kollege Pietzsch die Qualifikation zum Waffenmeister. Für ihre vielfältigen und mitunter heiklen Aufgaben brauchen die Profis buchstäblich Fingerspitzengefühl, damit es im richtigen Moment knallt, raucht, Feuer sprüht oder Flitterfontänen vom Bühnenhimmel regnet. Pannen bringen sie selten aus der Ruhe. "Es kann immer passieren, dass die Technik uns einen Streich spielt oder das Zeichen zum Einsatz ausbleibt", räumt Rolf Pitzsch ein.

Dazu sei eine gewisse Musikalität erforderlich, fügt Georg Winterholler hinzu. Bei "Nabucco" etwa mussten drei Schüsse präzise im Takt fallen. In welchen Opern die Waffenmeister jeweils zum Einsatz kommen, dirigiert der Dienstplan. "Alles, was Händel ist, brauche ich nicht", brummelt Wagner-Freund Pietzsch. "Bei mir ist es umgekehrt", entgegnet Winterholler.

Deshalb freut er sich schon auf die Premiere von Händels "Xerxes" und schwärmt von einer "opulenten barocken Bühnenshow, in der ganz viel passiert." Die Waffen liegen schon bereit: drei Degen, vier Kurzschwerter, ein mittelalterlicher Dolch, ein Stilett. "Einmal fliegt von einer Armbrust ein Pfeil mit Schaumstoffspitze in den Himmel", verrät der Waffenmeister. "Und ich stehe ganz oben auf der Brücke und lasse Berge von Federn auf die Bühne niederschweben."

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