Düsseldorf Die Sehnsüchte des Klaus Hoffmann

Düsseldorf · Mit alten und neuen Liedern hat der Schauspieler und Musiker Klaus Hoffmann sein neues Programm "Sehnsucht" bestückt. Heute Abend tritt der 63-jährige Berliner in der Tonhalle auf.

"Die Fieberkurve steigt", sagte Klaus Hoffmann vor wenigen Tagen. "Das ist meine erste Band-Tournee seit vier Jahren, und natürlich flammen bei mir gemischte Gefühle auf." Er spüre eine "Bringschuld" und müsse gemeinsam mit seinen Musikerfreunden eine ordentliche Menge im Gepäck haben: "Die alten und die neuen Lieder, dazu die Geschichten, die ich den Leuten erzählen will. Das alles spult sich momentan in meinem Kopf ab wie ein Film. Und dann", fügt er hinzu, "sollte ich auch noch charmant sein und auf der Bühne gut aussehen."

Sein neues Programm "Sehnsucht" hatte soeben Premiere in Dortmund. Als zweite Station gastiert Klaus Hoffmann heute in der Tonhalle. Er ist glücklich über diese Fügung: "Mir wurde dadurch erst so richtig klar, wie eng ich mit Düsseldorf verbunden bin. Hier hatte ich schon immer mehr Freunde als in jeder anderen Stadt. Wunderbare Menschen, die zu Vertrauten wurden und zu jedem meiner Konzerte kommen."

Höchst angeregt kramt der Sänger in sehr präsenten Erinnerungen. "Mit 16 Jahren begann ich mich in den Berliner Clubs zu erfinden. Aber meinen allerersten Auftritt außerhalb hatte ich in Düsseldorf." Im einstigen "Danny's Pan" an der Graf-Adolf-Straße verdiente er 15 Mark die Nacht. "Der Calvados kostete 60 Pfennig", weiß er noch. Immerhin wurde schon damals der WDR auf ihn aufmerksam: "Die wollten diesen verrückten Kerl, der so eigenartige Lieder machte, unbedingt filmen."

Die solide Karriere, die Klaus Hoffmann (63) sich ersang, hat nun schon mehr als vier Jahrzehnte Bestand. Und doch sei jedes Album wieder wie ein neues Baby, beteuert er. "Man macht es dem Publikum zum Geschenk. Ob das Geschenk aber ankommt, muss sich erst herausstellen. Ich bin ja älter geworden, und ich mag auf der Bühne nicht diese Posen einnehmen, in die alte Männer gerne verfallen. Darüber mache ich mir viele Gedanken." Dabei kann er doch felsenfest auf die Kraft seiner Lieder bauen. Und hilft ihm bei seinen Konzerten nicht auch die Schauspiel-Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar? "Einspruch, euer Ehren", kontert Hoffmann. "Ich war ein scheuer Junge und habe das nur getan, um meine Ängste zu überwinden. Gerade auf der Schauspielschule musst du andauernd irgendwelche Posen einstudieren. Mit der Gefahr, dass du sie nie wieder los wirst."

Bevor die Musik als beherrschende künstlerische Kraft die Oberhand gewann, spielte Klaus Hoffmann jahrelang Theater und drehte preisgekrönte Filme, darunter Ulrich Plenzdorfs "Die Leiden des jungen W." Von allen Regisseuren beeindruckte ihn Ingmar Bergman am stärksten, obwohl er in "Das Schlangenei" nur drei Drehtage hatte. "Es ging mir nicht um die Rolle, nur um die Begegnung", sagt er. "Als Bergman schon ein gebrechlicher Mann war, sah ich eine Fernsehdokumentation über ihn, die mich sehr berührte. Bei seinem Tod habe ich so geweint." Gefühle wie Melancholie oder Trauer um Verlorenes beherzt zu artikulieren, falle ihm nicht schwer, sagt Hoffmann. "Bei den politischen Liedermachern konnte ich diese Stimmungen nie finden. Die Franzosen dagegen haben das Recht auf Traurigkeit in ihren Chansons immer für sich beansprucht." Wie Charles Aznavour, dessen Titel "Orphelin de toi" Klaus Hoffman mit "Mein Herz ist ein Kind" eingedeutscht hat. "Aznavour ist 90, gibt weiterhin Konzerte und lässt alle spüren, dass er noch brennt", sagt er voller Bewunderung. "Bravo! Man sollte dem Alter die Hand geben, dann tut es nicht so weh."

Hoffmanns Jacques-Brel-Interpretationen wurden zu ständigen Wegbegleitern. "Meine Frau Malene meint ja, ich sollte diese Lieder endlich aus meinen Konzerten raushauen", erzählt er. "Aber das schaffe ich nicht. Der Brel kriecht bei mir immer wieder hervor und wuchtet mir die Zähne auseinander mit seiner Stimme."

Als Autor brachte Klaus Hoffmann nach etlichen Romanen 2012 seine Autobiografie "Als wenn es gar nichts wär" heraus. Das Schreiben und die anschließende Lesereise begründeten seine jetzt beendete Bühnenpause: "Die Zeit war reif, ich musste wieder raus aus dem Kasten", sagt er. Und so trägt Hoffmann seine "Sehnsüchte" nach Düsseldorf, singt von Fernweh, Einsamkeit, Träumen und verpassten Chancen.

(RP)
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