Die vielseitige Künstlerin Ilka Luza : Sie bringt auch Bankern die Improvisations-Töne bei

Als Komödiantin, Meisterin des Improvisationstheaters und trickreiche Spieleentwicklerin beherrscht Ilka Luza viele Facetten der Kunst.

In der „Komödie“ spielen Peter Millowitsch und Andrea Spatzek als Rentner-Ehepaar in der Zwickmühle die Hauptrollen in „Kein Auskommen mit dem Einkommen“. Die Auftritte von Ilka Luza, über den Abend verstreut, sind kürzerer Art.

„Aber ich habe noch ein Ass im Ärmel“, verkündet sie munter, „ich spreche die Stimme aus dem Off, die keifende Nachbarin. Sehr lustig. Normalerweise sitzt man ja untätig herum, wenn man gerade nicht auf der Bühne ist. Hier aber muss ich immer präsent sein und darf meine Einsätze nicht verpassen.“ Der unverwüstliche Schwank von Fritz Wempner aus den 50er-Jahren bediene das Stammpublikum der „Komödie“, sagt Ilka Luza. Ein wenig Entstaubung sei allerdings nötig gewesen: „Wir haben gemeinsam mit Regisseur Rolf Berg den Schluss geändert, der uns nicht mehr zeitgemäß erschien.“

Nach „Pension Schöller“, „Rache ist süß“ und „Ein Schlüssel für zwei“ ist es für Ilka Luza das vierte Stück in dem Boulevard-Theater. Es ist ein Heimspiel, sie wohnt mit ihrem holländischen Mann und ihrem 12-jährigen Sohn in Derendorf, radelt in wenigen Minuten zur „Komödie“ und fühlt sich dem Haus mittlerweile fest verbunden. Zumal sie dort mit ihrem Schauspieler-Kollegen Christof Düro die Reihe „Sofahelden“ gestaltet.

  • Das Ensemble von „Kein Auskommen ohne
    Premiere in der „Komödie“ : Das fliegende Doppelzimmer
  • Schauspielerin Joanne Gläsel ist mit dem
    Theater in Moers : „Mein Herz schlägt für das Theater“
  • Das Laientheater Mundart lädt nach Louisendorf
    Bedburg-Hau-Louisendorf : Mundarttheater führt Komödie auf
  • Theater am Schlachthof in Neuss : Komödie dreht sich um eine offene Beziehung
  • „Wir erzielen die momentan möglichen Einnahmen“,
    Krefelder beschwert sich : Ärger um Corona-Regeln im Theater
  • Slim Weidenfeld spielt das Ein-Mann-Stück Nipplejesus
    Kultur in Ratingen : Erfolgreiche Premiere im Lux

Ein herzerfrischendes Format ist das mit jeweils einem Promi-Paar, das von dem Moderatoren-Duo lustvoll aufs Glatteis geführt und zu spontanen Reaktionen herausgefordert wird. Thomas und Vera Geisel schlugen sich im Kreuzverhör so wacker wie Christiane Oxenfort und Josef Hinkel oder Alexander und Ulrike von der Groeben.

Ilka Luza ist selig, dass die Reihe auch unter der neuen Leitung von Verena Wüstkamp fortgesetzt wird. Die ersten beiden Paarungen stehen schon fest: Peter Millowitsch und Andrea Spatzek („die freuen sich so sehr darauf“), danach die Comedians Petra Nadolny und Peter Nottmeier. Die vielseitige Künstlerin kann dabei ihr größtes Talent ins Feld führen: Sie ist eine Meisterin des Improvisationstheaters, trickreich, erfinderisch und unfassbar schlagfertig.

Was braucht man dafür? „Ich glaube, man braucht eine besondere Gehirnstruktur und einen tiefen Hang zum Blödsinn“, antwortet Ilka Luza und lacht. „Man muss sich sagen, es stört mich nicht, was mein Gegenüber tut. Auch wenn es bescheuert ist, ich versuche etwas daraus zu machen. Genau das ist die Kunst beim Improvisationstheater. Daran hängt wirklich mein Herz.“ Natürlich müsse es auch einen Partner geben, dem man die Bälle zuwerfen könne: „Einen wie Christof, dem man blind vertraut und bei dem man nie nach hinten fällt.“

Kann man Impro-Theater mit weniger Begabten auch trainieren? „Na klar“, versichert sie. „Ich habe das erst neulich wieder bei einem Workshop mit Bankern geübt. Das war beglückend. Es gibt einen Rahmen und bestimmte Strukturen, aber darin darfst du dich völlig frei bewegen und mit allen Farben aus dem Malkasten experimentieren.“ Sie selbst hat schon immer gern Neues ausprobiert, einmal auch an der Seite von Christian Ehring im „Kommödchen“, als Schwangerschaftsvertretung für Nicole Ankenbrand. „Das politische Lied am Flügel war schon etwas sehr Spezielles“, blickt sie zurück. „Damals wehte noch der Geist von Lore Lorentz durchs Haus, man konnte ihn spüren.“

Aufgewachsen ist Ilka Luza in Essen und Krefeld, wo sie am „Kresch-Theater“ ausgebildet wurde. Warum drängte es sie auf die Bühne und vor Publikum? „Früher hätte ich gesagt, weil ich das gut kann – oh je, ich fürchte, das klingt jetzt eitel. Ich liebe meinen Beruf, habe heute aber einen etwas anderen Blick darauf. Die Pandemie hat mit ihren tiefgreifenden Umwälzungen vieles verändert.“

Mit ihrem Mann Dave, auch er ist Schauspieler und tourt viel durch Holland, hat sie sich ein zweites Standbein geschaffen. Auf der kostenlosen Streaming-Plattform Twitch entwickelt und erprobt das Paar unter „Luzapalooza“ Brettspiele. „Wir sind jeden Tag online“, erzählt sie. „Aus einem zunächst kleinen Kreis von Mitspielern wurde eine feste Community, mit Teilnehmern aus aller Welt.“

In den kommenden Monaten hat das reale Spiel in der „Komödie“ wieder Vorrang, denn auch im nächsten Stück „Keine Leiche ohne Lily“ ist Ilka Luza dabei. Eine ganz andere Facette zeigt sie derzeit am „Kresch-Theater“. In der viel gelobten Reihe „Historische Frauen“ hält die Schauspielerin einen packenden Monolog als RAF-Terroristin Gudrun Ensslin.