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Düsseldorf: Die neuen Gesichter bei den Opernscouts

Düsseldorf : Die neuen Gesichter bei den Opernscouts

Neubeginn für ein einmaliges Bindeglied zwischen Zeitung und Besuchern. Hobbykritiker liefern eine zweite Meinung.

Ihre Stimme wird gehört in der Stadt. Nach jeder Premiere berichten die Opernscouts von ihren Eindrücken und beurteilen die Inszenierung einer Oper oder eines Balletts aus ihrer Sicht. Zuerst kurz und bündig in der "Rheinischen Post", dann ausführlicher in einem Blog auf der Homepage des Opernhauses. Das Projekt "Erlebte Oper, erlebter Tanz" geht jetzt ins fünfte Jahr und wurde zu Beginn der Intendanz von Christoph Meyer gestartet.

"Eine nach wie vor einmalige Initiative, die manche Kollegen neidisch beäugen", sagt der Opernchef. "Auch die enge Zusammenarbeit mit einer großen Tagezeitung zeichnet sie aus. Neben der professionellen Kritik die Meinungen von Opernbesuchern zu veröffentlichen, ist keine Selbstverständlichkeit."

Für Christoph Meyer sind seine Scouts ein Herzensanliegen. Er ist darauf bedacht, dass die "Pfadfinder des Musiktheaters" eine bunt gemischte Truppe sind. "Die Berufe dieser Menschen, ihr Alltag und Umfeld sind völlig unterschiedlich. Gerade das macht den Reiz aus."

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Am Samstag, bei der Ballett-Uraufführung "b.17" von Martin Schläpfer, werden einige der bisherigen und einige der neuen Opernscouts im Einsatz sein. Jeder verpflichtet sich für zwei Spielzeiten, die Hälfte der Teilnehmer wird also jedes Jahr ausgetauscht. Das hält die Gruppe frisch und tut dem Projekt gut. Kurz vor dem Premierentag begrüßte der Intendant die Neuankömmlinge. "Es gibt keinerlei Zensur", gab er ihnen mit auf den Weg. "Sie sagen klipp und klar, was Sie denken. Die Stimmen unserer Scouts haben Gewicht und erfahren viel Aufmerksamkeit."

Rita Uchdorf freut sich schon auf ihre Aufgabe. "Früher hatte ich ein Opern-Abo", erzählt die Mitarbeiterin bei der Flugsicherheit am Airport Düsseldorf. "Dann war ich jahrelang in Frankfurt und konnte es nicht mehr wahrnehmen. Ich sang zwar im Chor, habe die Oper aber immer vermisst."

Auch Schmuckdesignerin Barbara Huck gehört einem Chor an. Sie ist besonders gespannt auf den Samstag. "Ich war zuletzt als Kind in der Oper und hatte mir oft gewünscht, dieses Erlebnis wieder einmal zu haben. Deshalb kam das Angebot mit den Scouts wie gerufen." Stefan Rasche wurde durch einen Aufruf bei der Rheinbahn auf das Projekt aufmerksam. "Ich entschied mich spontan dafür", sagt der frühere Schweißer und heutige Betriebsrat. "Weil ich Sportler bin, ist meine Beziehung zum Ballett intensiver, ich habe großen Respekt vor dieser körperlichen Höchstleistung."

Mit Opern kennt er sich weniger aus, will sich aber öffnen und sich von seinen Eindrücken überraschen lassen. Für Christoph Hein bedeutet der Samstagabend eine doppelte Premiere. "Ich war noch nie im Ballett", gesteht der Architekt. Das Haus ist ihm vertraut, seine Firma war an der Sanierung vor vier Jahren beteiligt. Zuletzt hat er "Carmen" gesehen. "Künftig werden das ganz neue Erfahrungen sein", glaubt er. "Dieses unmittelbare Reflektieren nach der Aufführung ist bestimmt interessant."

Kerstin Spang von der Goethe-Buchhandlung kennt das Düsseldorfer Opernhaus noch nicht. In Krefeld, wo sie wohnt, hat sie einige Stücke gesehen. "Ich bin schon durch meinen Beruf kulturinteressiert und fand es spannend, hier mitzumachen. Sicher entdecke ich viele neue Blickwinkel." Der letzte Opernbesuch von Melanie van Dijk, "Madame Butterfly" in Wien, ist schon Jahre her.

"Das war so schön, dass ich zu meinem Mann sagte, das müssen wir öfter machen", erzählt die Geschäftsführerin im Kinderhospiz Regenbogenland und spinnt die Idee gleich weiter: "Es wäre doch eine tolle Sache, auch mal gemeinsam mit Freunden in die Oper zu gehen. Ich werde das jetzt anregen."

(RP)