1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Düsseldorf: Die Nacht der langen Schlangen vor der Kunst

Düsseldorf : Die Nacht der langen Schlangen vor der Kunst

Mehr als 23 000 Besucher kamen zur Nacht der Museen - entsprechend geduldig mussten sie in vielen Häusern warten. Da bot ein Konzert im Maxhaus mit entspannter Raggae-Musik einen angenehmen Kontrast. Und auch in den Straßen gab es manches Kunststück zu bestaunen.

"Darf man das anfassen?" fragt das kleine Mädchen. Eine klassische Museumsfrage. Die Kleine steht vor einer Palette mit glitzernden Goldbarren im Museum Kunstpalast am Ehrenhof. Da möchte wohl jeder mal zugreifen - auch wenn die Barren nicht ganz echt sind. Zum Thema "Kunst und Alchemie" hat das Museum eine Wunderkammer aus Kunst und Gold inszeniert, die manchem Besucher ein Staunen ins Gesicht zaubert. "Ach ist das geil!" kommentiert ein junger Mann, als er das goldene Gemälde von Yves Klein entdeckt.

Zu einer Begegnung mit dem Erhabenen muss man sich in der "Nacht der Museen" freilich in Geduld üben. Draußen im Ehrenhof hat sich schon eine lange Warteschlange gebildet. Die Unterhaltung für die Wartenden fällt eher banal aus: Ein durchgeknallter DJ mit Bauch und Haifischflossenfrisur zappelt vor dem Eingang im Rhythmus von 80er-Jahre Hits herum.

Eine Seifenblasenmaschine läuft auf Hochtouren. Das begeistert vor allem die Kinder. Drinnen bildet sich die nächste Schlange. Wer mag, kann sich im Foyer von der Kunstfigur "Freifrau von Kö" Blattgold in die Haare kleben lassen. Das begeistert auch ältere Kinder.

  • Nächtliches Farbenspiel am Ehrenhof
  • Fotos : Prominenz bei der Eröffnung der Quadriennale
  • Fotos : Quadriennale: "Kunst und Alchemie" in Düsseldorf
  • Fotos : "Unter der Erde. Von Kafka bis Kippenberger" im Museum K21 in Düsseldorf
  • Fotos : Das war die Düsseldorfer Nacht der Museen 2013
  • Kultur-Tipp : Nacht der Museen nun auch im Linksrheinischen

Auch vor dem K20 am Grabbeplatz rücken die Besucher den Kunstwerken von Kandinsky, Malewitsch und Mondrian nur in kleinen Schritten ein Stück näher. An normalen Tagen kann man hier in einem Labyrinth aus weißen Stellwänden das "Geistige in der Kunst" fast meditativ erspüren.

Kunst auch auf den Straßen

In der "Nacht der Museen" ist das fast unmöglich: Immer schiebt sich ein Rücken oder ein Hut vors Gemälde. Eine Texttafel, die einen Gedanken von Kandinsky aus dem Jahr 1932 zitiert, hängt hoch genug und ist gut lesbar: "Zeichen unserer Zeit: Verrückte Eile und gleichzeitig ein verzweifelt langsames Tempo. Zwei Tempi zugleich." Das passt auch heute noch. Die Wartenden können ein Lied davon singen.

Eilig geht es weiter, vorbei am Stand der "Piratenpartei", die an der Kunsthalle ihre Köder in Richtung Wahlvolk auswirft. Im Underground des KIT stehen die Besucher wie gebannt vor einem Video, das einen ganz einfachen, archaischen Vorgang zeigt: Zwei Hände verwandeln einen Klumpen Ton in ein formschönes Gefäß.

Diesen Handwerksprozess verfolgt man sogar bis zum Ende: Man möchte ja sehen, ob es gelingt. Zurück an der frischen Luft zeigt uns die Natur, was Erhabenheit wirklich bedeutet: Die Sonne geht prächtig hinter dem Rhein unter und vergoldet die Luft ohne Tricks und doppelten Boden.

Vom "klarsten Himmelslichte" hätte Heinrich Heine jetzt wohl gesprochen. Auch das ihm gewidmete Institut hat in dieser Nacht seine Türen geöffnet. Beim Rundgang durchs Haus referiert eine junge Dame über die Frauen in Heines Leben. Die Gäste gruseln sich ein wenig vor der Totenmaske des Dichters. Jiddische Lieder, live vorgetragen, holen uns ins pralle Leben zurück.

Gleich um die Ecke brummt es im katholischen Maxhaus wie in einem Bienenkorb. Unter dem mit Glas und Stahl überdachten Innenhof vibriert die Luft im Reggae-Rhythmus, den die sympathische Musikerin Judy Bailey mit ihrer Band in Gang bringt. Karibische Klänge im historischen Kloster-Ambiente - das ergibt einen tollen Kontrast und ist ein Höhepunkt dieser Nacht.

Unbedingt sehen wollen wir schließlich noch den Papst Franziskus, der als Pappfigur im "Haus des Karnevals" an der Zollstraße Station gemacht hat. Die von Jacques Tilly entworfene Figur wird von den Gästen bestaunt - und jeder möchte ein Smartphone-Foto mit dem freundlich lächelnden Kirchenoberhaupt. "Darf man den anfassen?" fragt ein kleiner Junge. Aber ja. Dieser Papst ist nahbar - in Düsseldorf und in Rom.

Die Fotos der Abschlussparty im Schlösser Quartier Bohème finden Sie auf TONIGHT.de!

Hier geht es zur Bilderstrecke: Düsseldorf: Impressionen von der "Nacht der Museen" 2014

(RP)