Düsseldorf: Die junge Chefin des Kunsthauses Philara

Düsseldorf: Die junge Chefin des Kunsthauses Philara

Katharina Klang ist das, was man ein Multitalent nennt. Als Direktorin der Kunstsammlung Philara hat sie den passenden Job gefunden: Die Arbeit in der Galerie hält die 31-Jährige immer auf Trab.

Als Katharina Klang 16 Jahre alt war, schaute sie mit ihrem damaligen Freund in die Zukunft. Was würden sie wohl in zehn Jahren machen? "Du wirst Museumsdirektorin sein", sagte der Freund. Seine Prognose kommt dem, was eintrat, ziemlich nahe: Heute ist Klang Direktorin von Gil Bronners Sammlung Philara. Und das mit gerade einmal 31.

Klang öffnet die Tür der Sammlung und grüßt angloamerikanisch: "Hello." Sie trägt ein dunkelgrünes Kleid, darüber einen weich fallenden Mantel undefinierbarer Farbe. Die Direktorin sieht unglaublich jung aus. So jung, dass sie beim Alkoholkauf bestimmt ihren Ausweis zeigen muss. Wir gehen in ihr Büro. An der Wand: eine Postkarte von Kasper König. Er schaffe es leider nicht zur Ausstellungseröffnung von Hans-Peter Feldmann, schreibt der langjährige Chef des Museums Ludwig, komme aber später, um die Schau zu sehen. Wort gehalten hat er nicht. Egal, der Wille zählt. Auf dem Schreibtisch stehen Krapfen. Die Direktorin nimmt hinter dem riesigen Apple-Bildschirm Platz. Es kann losgehen.

Wir fangen vorne an, bei der Herkunft. Klang ist in Meerbusch-Büderich aufgewachsen. "In einem Superheldenhaushalt." Die Superheldin: ihre alleinerziehende und berufstätige Mutter. "Ich habe mich viel mit mir selbst beschäftigt", sagt sie über diese Zeit in den Neunziger Jahren. Das habe die Fantasie gefördert, die Neugier und eine gewisse Verrücktheit. Katharina war anders als die anderen Kinder. Im Alter von 12 begann sie philosophische Texte zu lesen. Zudem hatten es ihr Märtyrer-Geschichten aus der Bibel angetan: "Da geht es ja ab wie nichts. Reinster Splatter." Wenn Katharina gerade nicht las, schnitt sie Sachen aus Zeitschriften aus, sortierte sie der Größe nach und sammelte sie in unterschiedlichen Kisten. Im Rückblick wirkt die Schnibbelei wie ein Vorbote ihrer späteren Tätigkeit.

2012 traf sie Gil Bronner. Bei einer Ausstellungseröffnung in der Kunsthalle. Klang war gerade in der Endphase ihres Studiums. Philosophie und Kunstgeschichte. Sie hatte ein Auslandssemester in Prag verbracht. Drei Jahre als Aufsicht im Museum Ludwig gearbeitet - und zwei unbezahlte Praktika in Düsseldorfer Galerien absolviert. Sie wusste, was sie nicht wollte. Und was sie wollte.

Bronner bot ihr an, sein Archiv zu digitalisieren. "Ein ganz normaler Studi-Job", erinnert sie sich. Sie nahm an und begab sich ins Lager, suchte Rechnungen raus, vermaß Kunstwerke und digitalisierte sie. 1348 Arbeiten. "Das ist natürlich die beste Voraussetzung dafür, mit einer Sammlung zu arbeiten. Wirklich jedes Stück mal gesehen zu haben." Die Philara war zu der Zeit noch in Reisholz ansässig. 2016 folgte der Umzug nach Flingern. Und Klangs Beförderung zur Direktorin.

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Als solche ist sie naturgemäß dicht dran am Sammler. "Ich empfehle ihm viele Sachen, gerade was junge Kunst betrifft", sagt die 31-Jährige. Wenn Bronner auf Messen auf interessante Künstler stößt, zieht er sie ebenfalls zu Rate: Schau dir das mal genauer an. Was meinst du dazu? "Ich recherchiere dann und gebe ihm Feedback", so Klang. Auch ihr Assistent Ruben Smulczynski, ein Akademie-Absolvent, habe ein Mitspracherecht, was Ankäufe angehe.

Aber letztendlich sei es natürlich Bronners Sammlung: "Er trifft die Entscheidung. Ist ja auch sein Geld." Wer die junge Frau und den gute 20 Jahre älteren Sammler zusammen erlebt, merkt, dass die beiden unterschiedlich sind. Er der impulsive Kunstkäufer. Sie, die sich selber als "Bremse" beschreibt. Aber Bronner scheint nicht zu jenen Chefs zu gehören, die sich mit Ja-Sagern und Speichelleckern umgeben. Natürlich sei man nicht immer einer Meinung. Aber in der Diskussion lasse sich alles lösen.

Heute hat Klang in der Philara viele unterschiedliche Aufgaben. Sammlungskonzeption. Planung der Wechselausstellungen. Schreiben von Pressetexten. Die 31-Jährige bearbeitet aber auch Leihanfragen, macht Event- und Einsatzplanung, pflegt den Internetauftritt der Sammlung und bespielt diverse Social-Media-Kanäle. "Ich mache eigentlich alles", sagt sie.

Zum Lesen kommt sie sehr zu ihrem Leidwesen hingegen nur in den frühen Morgenstunden. Beizeiten steht sie um sechs Uhr auf, um sich einem Buch zu widmen. Ihre Lektüre zur jetzigen Zeit: Byung-Chul Hans "Im Schwarm. Ansichten des Digitalen". Könne sie sehr empfehlen. "Ein großartiges Buch", sagt Klang.

Jetzt muss sie aber auch leider los. Die neue Wechselausstellung "Stille Kammer" aufbauen. Für die Schau hat Klang zwei, wie sie selbst sagt, "blutjunge Künstlerinnen" eingeladen. Alex Grein ist 33. Sabine Dusend 31.

(RP)
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