Die Graffiti-Szene soll weiblicher werden: Ausstellung in der Bahnunterführung am Wehrhahn

Bahnunterführung am Wehrhahn : Die Graffiti-Szene soll weiblicher werden

Künstler M05K hat vorwiegend mit Kolleginnen den Tunnel an der Wehrhahnbrücke zum Ausstellungsort gemacht.

Der lang gestreckte, zugewachsene Tunneleingang mit seinem rauen Charme fällt einem schon auf der Wehrhahnbrücke ins Auge. Mitten zwischen verglasten Bürobauten, hippen Hotelhochhäusern und im Bau befindlichen Luxusappartements geht dieser unaufgeräumte Gang in den Untergrund. Der Boden ist mit Gras bewachsen, am Rand wuchern Büsche, und die Wände sind voller Graffiti.

Gerade deswegen hat sich der Künstler M05K eben diesen Ort für eine ganz besondere Ausstellung ausgesucht. „Ich bin sehr interessiert an solchen Unorten, die sonst nicht besucht werden würden“, sagt M05K. So haben sich rund 20 Künstler das Bahngelände neben der S-Bahn Station Wehrhahn als öffentlichen Ausstellungsort angeeignet. Bei der Auswahl der Künstler hat M05K viele Freunde und Bekannte eingeladen. In der noch sehr männlich geprägten Graffiti-Szene legt der Kurator den Fokus auf Graffiti-Künstlerinnen.

Auch wenn keine Parität herrscht, so sind doch ein Drittel der Teilnehmenden weiblich. „Da viele dieser Künstlerinnen noch keine so große Beachtung finden, wollen wir mit dieser Ausstellung auch einen Anschub geben“, sagt M05K. Gestaltet wurden eigens für die Ausstellung die 40 Rundbögen des Bahntrogs. Mal sind es bunte Graffiti, mal grafische Zeichnungen oder auch an Comics erinnernde gemalte Geschichten. Schon am Eingang der Ausstellung prangt auf der gesamten Länge des Brückenpfeilers ein überdimensionierter Hinweis. „We are here“ steht da. Graffiti soll dort seinen Platz als Kunstform haben.

Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist sicherlich der Vortrag von Jörg Gerhartz am heutigen Samstag um 19 Uhr. Der Obdachlose Gerhartz lebte viereinhalb Jahre in dem Tunnel. Hier verbrachte er seine Zeit in fast vollständiger Dunkelheit und Einsamkeit, die nur nachts sehr selten von einigen Sprayern unterbrochen wurde. Bis er 2016 auf die Macher des Asphalt-Festivals traf, die den aufgelassenen Gang als Spielort für ein Stück inspizierten. So wurde er selbst Teil einer Theater-Performance. In „Düsseldorf Sous-Terrain“ spielte er in sieben Vorstellungen sich selbst, beantwortete Fragen zu seinem Schicksal. So bekam er viele Hilfsangebot und lebt nun nach zwölf Jahren auf der Straße und Tunnel wieder mit einem festen Dach über dem Kopf. „Jörg Gerhartz wird in seinem Vortrag vom Leben an diesem Ort schildern, ihn aber auch in einen künstlerischen Kontext setzen“, sagt der Organisator der Ausstellung.

Info Die Ausstellung ist heute von 17 bis 24 Uhr geöffnet. Der Eingang befindet sich gegenüber dem Hotel „25 hours“ am Beginn der Toulouser Allee.

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