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„Die Fledermaus“ an der Rheinoper in Düsseldorf: Kitsch mit Ironie umschifft

„Die Fledermaus“ an der Rheinoper : Kitsch mit Ironie umschifft

Regisseur Axel Köhler verlegt die Operette „Die Fledermaus“ nach Düsseldorf.

In „Die Fledermaus“ geht man wegen des Froschs. Das Faktotum am Arbeitsplatz von Gefängnisdirektor Frank darf in der Operette im 3. Akt nach Herzenslust extemporieren. Und da kriegen gewöhnlich die Reichen, Mächtigen und Schönen aus Stadt und Welt ihr Fett weg. In der Inszenierung von Axel Köhler fürs Opernhaus Düsseldorf darf Wolfgang Reinbacher aus dem Ensemble des Düsseldorer Schauspielhauses den Frosch geben. Er grantelt herzerweichend das Wienerlied „In der Kellergassen“, spricht diversen unappetitlichen Alkoholika zu und kalauert sich ein Viertelstündchen zur Gaudi des Publikums durch seinen Text: steht (mit beiden Füßen) in der Zeitung, hilft (aus Leibeskräften) dem Tee beim Ziehen. Dem Sitznachbarn stehen Tränen in den Augen.

Reinbacher haut diese „Fledermaus“ raus aus der Unterhaltungskitsch-Ecke. Die versucht der fürs Anrichten musikalischer Lustspiele gelobte Countertenor Axel Köhler, der neuerdings Rektor der Musikhochschule in Dresden ist, durch Ironie zu umschiffen. Sein Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann, einer der ganz Großen seines Fachs, hat ihm einen barocken Goldrahmen um die Bühne gebaut, in den er – im Salon der Eisensteins – gleich noch einen setzt. Hier sehen wir die kecke Adele mit Staubsauger und Smartphone hantieren, ein Exemplar der formidablen Kakteensammlung zweckentfremden und einen unermüdlichen Tenor mit Putzwasser in die Flucht schlagen. Nach dem Orgien-Akt hängen die Rahmen schief und im Gefängnis ist die Rakete, die zum Höhepunkt betulich zündete, eingeschlagen. Das Ganze spielt in Düsseldorf, der Knast heißt JVA, Korruption und der Wahn, eine Stadt von Welt zu sein, führen geradewegs ins katastrophale Happy End.

Nur gut, dass diese „Fledermaus“ mit Benjamin Reiners, seit kurzem Generalmusikdirektor in Kiel, einen kenntnisreich wippenden musikalischen Leiter hat. Chor und Solisten singen und spielen auf hohem Niveau. Norbert Ernst ist ein bestens disponierter Eisenstein, Anke Krabbe eine hinreißende Rosalinde mit nur gelegentlich unfeiner Höhe.

Stefan Heidemann gibt dem Gefängnisdirektor Frank ein grandioses Pathos bei, Jussi Myllys lässt als Alfred neben Frauenherzen auch Liebhaber tenoralen Zuckergusses dahinschmelzen. Seinen watteweich timbrierten Bariton bringt Christoph Filler in die von ihm als Dr. Falke angezettelte Intrige ein, die kostbaren Mezzo-Klänge aus der Kehle von Maria Boiko wirken der Figur des Prinzen Orlowsky irgendwie aufgesetzt. Lavinia Dames schließlich ist eine knackig soubrettige Adele wie aus dem Bilderbuch.

„Fledermaus“-Fans dürfen sich gut bedient fühlen, der Applaus ist entsprechend.