Die Compagnie Käfig bewältigte im Theaterzelt eine scheinbar unlösbare Aufgabe

Deutschlandpremiere im Theaterzelt : Im Bann der Bewegungen

Die Compagnie Käfig bewältigte im Theaterzelt eine scheinbar unlösbare Aufgabe.

Sisyphos ist eine Figur der griechischen Mythologie. Er soll von Hermes dazu verdammt worden sein, in der Unterwelt einen Felsblock einen Berg hinaufzurollen. Der Brocken rollt kurz vor dem Gipfel immer wieder zurück. Eine endlose Aufgabe. So ähnlich gestaltet sich die Bürde der neun Tänzer der Compagnie Käfig in ihrem Stück „Vertikal“ auf der Bühne des Theaterzelts am Burgplatz. Unaufhörlich versuchen sie allein oder gemeinsam, am Seil schwebend oder auch ohne Sicherung, Felssäulen zu erklimmen. Sie scheitern, fallen immer wieder zurück. Doch dabei ist ihre Aufgabe eine ganz andere.

Dunkelheit, elektrisches Surren. Ein Arm schlängelt sich aus einer der Felssäulen, an ihm hängen gleich mehrere Körper. Eine Stimme singt, alles bewegt sich sehr langsam. Körper verdrehen sich, schweben an Seilen über die Bühne. Das Licht wird heller, die Musik wird schneller. Der Zuschauer wird in den Bann der Bewegungen gezogen. Die Ausstrahlung der Tänzer ist fesselnd. Sie tragen auf der Bühne Kämpfe aus mit Elementen des  Hip-Hop. Paare tanzen ihre Beziehung, umgarnen einander und bekämpfen sich zugleich wie Skorpione. Ihre Schatten verschmelzen auf den Säulen, an denen sie fortwährend scheitern.

Eine Deutschlandpremiere zeigt sich im Theaterzelt im Rahmen des Düsseldorf Festivals. Mourad Merzouki leitet die Hip-Hop-Formation, die den Luftraum erobert. Was für den Zuschauer meist wie Scheitern aussieht, ist eher ein Austesten der Möglichkeiten. Die Tänzer scheinen eins mit der Luft zu werden, die Körper geben sich den feinen Strömen hin. Die Säulen bewegen sich, driften auseinander und werden wieder eine ganze Wand. Stäbe kommen aus ihnen, bieten Halt. Die Tänzer laufen an ihnen hoch, umschweben sie. Wenige schaffen es schließlich, sie zu erklimmen.

Diesen Bewegungen und der Musik sollte sich auch der Zuschauer hingeben. Die Zeit sollte er nicht damit vergeuden, eine Handlung zu suchen. Es geht um die Erkundung des Raumes mit den Mitteln des Tanzes.

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