Düsseldorf: Die Berg- und Talfahrt im Schauspielhaus

Düsseldorf : Die Berg- und Talfahrt im Schauspielhaus

Das ausklingende Jahr steht im Zeichen von Intendantenwechsel und Finanznot. Über allem begeistert das hervorragende Ensemble.

Ein stürmisches Jahr klingt heute im Schauspielhaus im Dreivierteltakt aus. Intendant Manfred Weber möchte sicher aus vollem Herzen mitsingen, wenn das Ensemble im Rössl schmettert: "... tritt ein und vergiss deine Sorgen!" Denn Sorgen hatte Weber nicht zu knapp, seit er 2013 das Ruder von Vorgänger Staffan Holm übernahm, der wegen Krankheit aus dem Amt schied.

Die Finanzen Wegen der Finanzschieflage an seinem Haus - ein Fehlbetrag von 5,4 Millionen Euro tat sich auf - wurde Weber in der Aufsichtsratssitzung scharf angegriffen. Beide Gesellschafter, Stadt und Land, fordern Aufklärung. Weber, der vor seinem Antritt als Intendant schon seit 2002 Geschäftsführer war, sieht sich zu Unrecht als Hauptverantwortlicher für das Defizit dargestellt. Zu Buche schlügen verschiedene Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, technische Probleme, Probleme mit Fernwärme und Entsorgung. Jede einzelne Zahl sei belegbar, so das Schauspielhaus, auch die 1,6 Millionen Mehrkosten wegen Tariferhöhungen und die anderen 1,6 Millionen aus Mindererlösen, will heißen: schwindenden Besucherzahlen. Im Januar legen die Wirtschaftsprüfer Handlungsanweisungen vor.

Die Aufführungen Schaut man die Premieren der vergangenen zwölf Monate durch, dann bleibt im Großen Haus vor allem die großartige "Peer-Gynt"-Inszenierung in Erinnerung, die im März unter der Regie von Staffan Holm Premiere hatte. Im Kleinen Haus lieferte "Felix Krull" beste und vergnüglichste Theaterkost (Regie: Oliver Reese). Im Jungen Schauspielhaus gab es nach anfänglichen Durststrecken anregende Stücke für den Nachwuchs: etwa "Das fremde Kind" (Regie: Nora Schlocker) oder "Die Perlmutterfarbe" (Regie: Annette Kuß). Nurkan Erpulats Projekt "Worringer Schlachten" war interessant, und mit den Gastspielen mitsamt ihren namhaften Schauspielern wurde Publikum gezogen. Gut und ausverkauft sind die Produktionen zum Jahresfinale, "Momo" und "Im Weißen Rössl".

Doch zu viele Stücke stießen nicht auf die Gegenliebe des Düsseldorfer Publikums. Das Haus blieb dementsprechend leer, was zu einem Teil des Defizits gesorgt haben dürfte. Der Spielplan Für den ersten Spielplan nach Holm versprach Manfred Weber im Mai Heiteres und 22 Neuproduktionen, von denen er eine gleich wieder canceln musste: Er hatte ein Stück aus der Feder des Chilenen Calderon über den Fall Rohwedder angesetzt, ohne dies vorher mit der Witwe Hergard Rohwedder zu besprechen; sie legte Einspruch ein. Das Ensemble Die Stars im Schauspiel - diesen Titel haben sie wirklich verdient - sind die Schauspieler. Keine Premierenkritik ohne den Hinweis auf die außerordentliche Güte des Ensembles, viele sind im Fernsehen präsent. Das hat Tradition in Düsseldorf und soll von Weber weitergepflegt werden. Die Freunde In stürmischen Zeiten sind sie zur Stelle und trommeln dafür, dass jeder Düsseldorfer, ob klein oder groß, sich im Schauspiel blicken lassen soll. Wer zum Freundeskreis stößt, der einen Stammtisch im "Piú" hat, genießt Vorteile wie Einführungen zu allen Vorstellungen.

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