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Düsseldorf: Design-Studenten schmücken die Stadt

Düsseldorf : Design-Studenten schmücken die Stadt

Schmuck kann nicht nur Körper zieren, sondern auch urbane Räume verändern. Das zeigt eine anregende Ausstellung im Stadtmuseum.

Patrick Bork sitzt gern auf den Stufen am Burgplatz mit Blick auf den Rhein. Ihm gefällt die farbig gestaltete Mauer an der Treppe - allerdings ärgern ihn die schwarzen Schriftzüge, die Sprayer darauf hinterlassen haben. Diesen Ärger hat der Design-Student von der Fachhochschule in eine Schmuck-Aktion verwandelt. Mit bunten Klebepunkten fuhr er zur Treppe und überschrieb gemeinsam mit Passanten die schwarzen Linien auf der Wand. "Punkt los!" hat er seine Aktion genannt, im Stadtmuseum ist sie dokumentiert in der Ausstellung "Schmuck als urbaner Prozess", die ab morgen zu sehen ist.

Angeleitet von den Professorinnen Elisabeth Holder und Gabi Schillig haben sich die Design-Studenten hinaus in die Stadt gewagt, haben dort Orte auf sich wirken lassen und überlegt, wie sie diese Orte durch kleine Eingriffe verändern und auf neue Weise sichtbar machen könnten. Eine Studentin zog Fotografien von Vögeln auf Folie und klebte die täuschend realen Abbildungen an ungewöhnliche Punkte in der Stadt. Andere webten neonfarbene Schnüre wie poppige Trennwände zwischen die Ritzen von Parkbänken, so dass Passanten gezwungen werden, entweder dicht nebeneinander auf dem "Pärchensitz" Platz zu nehmen oder sich von den Schnüren abtrennen zu lassen. Schmuck kann Konventionen in Frage stellen - für urbanen Schmuck gilt das auch.

"Wir haben nach Ideen gesucht, die Bürger sensibel machen für ihre Stadt und sie anregen, ihre Umgebung neu wahrzunehmen", sagt Elisabeth Holder. Manche Studenten setzten sich auch den direkten Reaktionen der Bürger aus. Wenn sie sich etwa wild mit Laub geschmückt an die Kö stellten oder dort Spiegel aufstellten, die Passanten zu hübschen Spielereien mit dem eigenen Erscheinungsbild einluden. "Wir haben unsere Ideen nicht wie Stadtplaner am Computer entwickeln, sondern sind von unserem Körper, unseren Empfindungen an einem bestimmten Ort ausgegangen", sagt Gabi Schillig. Die Studenten machten erste Übungen in der Stadt, schulten ihre Wahrnehmungen und entwickelten dann Konzepte für schmückende Eingriffe, die überraschen, irritieren, zum Handeln herausfordern.

So wie die neongelben Krönchen, die nun in einem "Krönchenspender" am Tor zum Garten des Stadtmuseums hängen. Die winzigen Papier-Schmuckstücke sind an Zahnstochern befestigt. Passanten werden aufgerufen, sie im Park in Hundekot zu stecken, um andere Spaziergänger zu warnen. Viele der 61 Projekte, die nun im Stadtmuseum zu sehen sind, arbeiten mit Humor und Überraschung, was die ansprechend gestaltete Schau mit vielen Foto- und Videostationen sehr unterhaltsam macht. Auch das Design der Ausstellung haben Studenten gestaltet und aufgebaut. Mit einem Materialbudget von nur 2000 Euro mussten die Stadt-Schmücker an die Arbeit gehen. "Das hat uns erfinderisch gemacht und dazu geführt, dass alle Abteilungen von Fachhochschule und Museum nach Kräften zusammengearbeitet haben", sagt Susanne Anna, Leiterin des Stadtmuseums. Das geringe Budget merkt man der Ausstellung nicht an. Vielmehr verrät sie die Liebe zum Detail, die Schmuckgestalter ohnehin mitbringen müssen. Am Eingang bekommt der Besucher statt Broschüre einen Faltkarton. An den einzelnen Objekten kann er die Erklärungen wie bei einem Abreißkalender von der Wand zupfen und in seinem Faltkarton sammeln. In der Mitte der Ausstellung baumeln kleine Bücher von der Decke. Darin haben die Studenten die Entwicklung ihrer Projektidee dokumentiert. Wer von einer Idee besonders angetan ist, kann dort nachlesen, wie sie entstanden ist.

Ganz haben die Studierenden des Fachbereichs Design und des Instituts for Research in Applied Arts der Fachhochschule den Körper aber nicht aus dem Blick verloren. Einige Studenten haben aus Fundstücken in der Stadt, aus rostigen Stahlfedern oder alten Farbschichten von Graffitis attraktiven Schmuck gefertigt. So hat es auch die Stadt selbst ins Museum geschafft.

(RP)