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"Yamato"-Ensemble in Düsseldorf: Der Trommel-Rhythmus reißt mit

"Yamato"-Ensemble in Düsseldorf : Der Trommel-Rhythmus reißt mit

"Gamushara" heißt das neue Programm der japanischen Trommler. Und es ist heiterer und spielerischer als die Vorgänger. Bei der Premiere in der Rheinoper gab es frenetischen Applaus. Das Publikum stimmte dankbar mit ein in die anspielungsreiche Musik von Yamato.

Beleuchtet wie eine aufgehende Sonne hängt die Trommel im Bühnenhimmel. Ein Mann nähert sich ihr, schlägt auf sie ein mit einem großen Holzschlegel: Der Pulsschlag des neuen Tages beginnt. "Gamushara" bedeutet "ganz und gar im Streben nach einem Ziel aufzugehen, ohne sich darum zu sorgen, was als nächstes geschieht". "Gamushara" nennt sich auch das neue Programm der japanischen Trommler von Yamato, mit dem sie noch bis 19. August in der Rheinoper gastieren.

Doch was sich so esoterisch anhört, ist eigentlich ein Fest für die Sinne. Nicht nur die Ohren bekommen bei diesen Trommlern mächtig etwas ab. Das Konzept, Musik auf alten japanischen Instrumenten mit Tanz, Gesang und Spiel zu vermischen, zieht die Zuschauer auch diesmal wieder in seinen Bann und lässt sie am Ende frenetisch — und natürlich rhythmisch — mitklatschen.

Zuletzt gastierten die Japaner vor acht Jahren in Düsseldorf. Auch damals boten sie eine energiegeladene Show der Superlative: präzise, puristisch, perfekt. Kein Wunder, dass die Trommler so im Gleichklang funktionieren, denn sie verbringen am Tag zwölf Stunden zusammen, essen, proben, trainieren ihre Muskeln gemeinsam, wie der künstlerische Leiter von Yamato, Masa Ogawa, in einem Interview erzählt.

Doch sie haben ihr Konzept seitdem weiterentwickelt. Ging es in den vergangenen Shows vornehmlich ums Trommeln in unterschiedlichen Konstellationen, erzählen die Akteure diesmal auch kleine Geschichten mit ihren Instrumenten, Geschichten von Neid und Missgunst, aber auch vom Glück der Gemeinsamkeit. Besonders schöne Szene: Zwei Männer und eine Frau schlagen auf kleinen Becken. Jeder will den anderen ausstechen. Erst als sie sich den Rhythmus wie beim Tennis gegenseitig zuschlagen, harmonieren sie. Das Ganze ist clownesk in Szene gesetzt und zeigt, dass sie Darsteller durchaus Selbstironie besitzen.

Das ist eine der großen Stärken der zwölf Trommler, die in ihrer schwarzen Kluft mit Turnschuhen eine Mischung aus Streetgang und Mönchen abgeben: Wenn sie gemeinsam einen Rhythmus anstimmen, huldigen sie dem Ritus (die Taiko-Trommel wurde früher nur bei religiösen Zeremonien geschlagen). Gleichzeitig besitzt ihre temporeiche Performance immer ein sympathisches Augenzwinkern: So schlagen sie gekonnt eine Brücke zwischen japanischen Traditionen und moderner Unterhaltung.

Die Trommeln lassen den Saal und die Zwerchfelle vibrieren. Einen brachialen Rhythmus verbreitet die Odaiko, die Mutter aller Trommeln, die aus einem riesigen Baumstamm besteht und mit einer Art Baseballschläger geschlagen wird. Doch das Programm "Gamushara" besitzt durchaus auch poetische Momente, etwa wenn zwei Frauen die Koto spielen, eine Art japanischer Zither. Fast wie Rockmusik hört es sich allerdings an, wenn sie die Shamisen, dreiseitige Langhalslauten, zupfen.

Jedes Ensemblemitglied ist ein Meister seines Fachs, dabei tänzerisch ausgebildet und stimmlich begabt. Und wenn sie kurz innehalten mit den Schlegeln über dem Kopf gekreuzt, bevor der nächste Schlag erfolgt, hält der ganze Saal den Atem an.

(RP/ila/das)