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Düsseldorf: Der Regisseur, der mit "Mephisto" ringt

Düsseldorf : Der Regisseur, der mit "Mephisto" ringt

Thomas Schulte-Michels inszeniert das Stück nach Klaus Manns Roman am Schauspielhaus.

Noch vor zwei Tagen hat er bei "Mephisto" eine Szene gestrichen und weitere Änderungen an seiner Inszenierung vorgenommen. Dabei ist schon morgen Premiere im Großen Haus. "Bei mir ist das normal", entgegnet Thomas Schulte-Michels gelassen, "das bleibt bis zuletzt ein fließender Prozess mit neuen Verdichtungen. Meine Schauspieler müssen da notgedrungen mitziehen."

Die Bühnenfassung nach dem 1936 erschienenen Roman von Klaus Mann hat der Regisseur selbst geschrieben und war damit frei in der Wahl seiner Akzente. "Ich hatte sehr schnell eine Vorstellung davon, was ich wollte und was nicht", erklärt er. "Der rein biografische Bereich interessierte mich dabei am wenigsten. Für Klaus Mann war er wichtig, er nutzte die Verschlüsselung, um sich etwas von der Seele zu schreiben und zeichnete real existierende Personen mitsamt ihren Beziehungsgeflechten nach."

Thomas Schulte-Michels dagegen fand die Konzentration auf Gustaf Gründgens, der im Buch Hendrik Höfgen heißt, weitaus spannender. "Wie verhält sich ein ziemlich genialer Mensch unter höchst unangenehmen politischen Verhältnissen?" fragt er. "Wenn man genau hinschaut und in einer ähnlichen Branche arbeitet, kommt einem der Roman vor wie ein Zerrspiegel. Die Muster ähneln sich." Seine Bewunderung gilt dem Spagat, den Gustaf Gründgens bewältigte. "Gleichzeitig Schauspieler, Regisseur und Intendant zu sein, ist eine gewaltige Aufgabe. Er wusste nicht nur sehr genau, wie man auf der Bühne zu sein hat, sondern auch, wie ein Theater funktioniert", sagt er. "Es war Gründgens, der als Erster die Idee hatte, aus dem Düsseldorfer Schauspielhaus eine GmbH zu machen." Wie sieht er diesen Ausnahmekünstler - als prinzipienlos, naiv, machthungrig? "Alles zusammen", antwortet Thomas Schulte-Michels. "Der Mann ist absolut nicht zu fassen. Aber warum sollte man ihm ein Etikett geben? Wir Deutschen fühlen uns fast bedroht, wenn ein Phänomen oder eine Person nicht klar einzuordnen ist. Für mich hatte Gründgens etwas Übernormales, etwas Titanenhaftes."

Wer diese gewichtige Rolle in "Mephisto" ausfüllen könnte, wusste der Regisseur sofort, nachdem er auf Empfehlung von Günther Beelitz "Felix Krull" mit Moritz Führmann gesehen hatte. Danach ging er auf ihn zu: "Hallo Moritz, ich bin der Schumi. Wie wär´s, wenn wir in die Arena steigen?" Wie leidenschaftlich dieser Schauspieler ist, bestätigten die Proben: "Der Junge brennt. Der hat das Unbedingte, ohne das man diesen Beruf nicht ergreifen sollte."

Schon häufig beschäftigte sich Thomas Schulte-Michels mit Projekten aus der Nazizeit. Und immer trieb ihn dabei die Frage nach seinem eigenen Verhalten um. "Was wäre gewesen, wenn ich mit 20 Jahren die schwarze Uniform mit den geputzten silbernen SS-Runen getragen hätte? Ich bin pragmatisch und hoffentlich nicht korrupt. Aber auch kein Held. Mit diesem Bewusstsein versuche ich die Geschichte zu erzählen."

Dabei hält er sich recht treu an die Linie des Romans. Mehr als 100 Minuten wird seine Inszenierung nicht dauern. "Wir Theaterleute schwadronieren gern", sagt er, "aber man muss auch beachten, wie stark sich die Sehgewohnheiten in der Videoclip-Generation verändert haben. Das Publikum soll ja nicht unruhig werden."

Das Düsseldorfer Haus ist ihm vertraut, wie auch an der Rheinoper hat Thomas Schulte-Michels hier mehrfach inszeniert. Schon in der ersten Intendanz von Beelitz, dem er danach am Münchner Residenztheater, in Weimar und Heidelberg eng verbunden blieb. "Eine Art Berufsliebe", sagt er. "Unsere Kommunikation funktionierte immer, auch wenn es mal gekracht hat. Günther und ich haben uns eine kindliche Neugier bewahrt. Wir treffen uns in diesem herrlichen Theater-Sandkasten und zanken uns um die Förmchen."

INFO Samstag, 5. September, 19.30 Uhr, Premiere: "Mephisto", Schauspielhaus, Gustaf-Gründgens-Platz 1, Restkarten an der Theaterkasse

(RP)