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Düsseldorf: Der Popstar im Klassik-Zirkus

Düsseldorf : Der Popstar im Klassik-Zirkus

David Garrett stemmt das Brahms-Konzert. Eschenbach glänzt am Pult der London Philharmonics.

Kein Spot, kein Feuerwerk, keine Großleinwand. Auf dem Podium der Tonhalle fehlt die Effekt-Maschinerie, die David Garrett in den Stadien dieser Welt normalerweise für seine Showeffekte benutzt. Hier ist der Popstar der (fast) normale Geigensolist, der sich das anspruchsvolle Brahms-Konzert vorgenommen hat. Und da wirkt der jetzt schon 35 Jahre alte Junge aus Aachen ein wenig schüchtern. Ganz nah schmiegt er sich an Christoph Eschenbach, der glänzend über das London Philharmonic Orchestra, diesen Weltklasse-Klangkörper, gebietet. Und vor dem ersten Einsatz, zu dem die Londoner feinst gesponnene Zuckerwatte ausbreiten, muss er sich erst mal die feuchten Hände am Schultertuch trocknen.

Garrett hat - alle Achtung! - das Brahms-Konzert drauf. Sein Ton ist in bestem Sinne romantisch, gerade die spektakulären Szenen der Musik sind seine Sache. Auch das üppige Beiwerk, die virtuosen Girlanden klingen. Besonders die rhythmischen Akzente im Finale entwickeln einen bemerkenswerten synkopischen Drive, der sonst eher in den Gefilden der U-Musik anzutreffen ist. Nun kann Garrett fast nur Vollgas, was dem Legato im Adagio nicht guttut, mancher Sequenz fehlt Fantasie, Raffinesse. Dennoch darf er sich zu Recht feiern lassen nicht nur von seinen eingeschworenen Fans, die für Kartenpreise von satt über 150 Euro von weit her in die Landeshauptstadt gereist sind.

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Garrett spielt den Klassik-Zirkus mit. Sein Zopf ist streng hinterm Kopf geknotet, der Bart ordentlich gestutzt, die Kleidung schwarz und weiß. Individualistisch wird's auf den zweiten Blick: das weiße Hemd über der Hochglanz-Jeans, das hinten unterm Sakko hervor schlabbert; die offenen, hellbesohlten Sneakers; ein wenig dezenter Ring am Finger. Und noch etwas ist anders als sonst: die Smartphones. Der gemeine Garrett-Fan will ein Foto, ein Video nach Hause tragen, mit seinen Freunden teilen. Es blitzt und flimmert im Saal, trotz freundlich mahnender Ordnungskräfte.

Nach dem letzten Ton macht Garrett einen tiefen "Geschafft"-Seufzer und gibt noch eine Bach-Sarabande zu. Das ist okay, aber lange nicht so sensationell wie der zweite Teil des Abends. Da zeigt das Orchester, welcher Zauber in Brahms' Erster steckt. Edelster, wundersam ausbalancierter Wohlklang allüberall. Und ein Christoph Eschenbach, der dem großen Wurf dieser Musik bis ins kleinste Detail nachspürt. Soghafte Melodik, selbst diffizilste Übergänge gelingen unfallfrei, eine Dynamik, die ihresgleichen sucht. Ein Teil des Publikums kennt das schon aus den Orchester-Soundtracks zu "Herr der Ringe" oder "Lawrence von Arabien". Johlen, Pfeifen, Ovation im Stehen.

(RP)