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Der New Life Gospel Choir bereitet sich auf seine Weihnachtsshow vor.

New Life Gospel Choir : Oh, happy days

Das Weihnachtskonzert des New Life Gospel Choirs ist schon eine Institution. In diesem Jahr wagt die Gruppe etwas Neues.

Aufgeregt schauen die Sänger einander auf die Füße. Eigentlich müssten sie auf Lücke stehen, in der hinteren Reihe knubbelt es sich an einer Stelle. Dirigentin Gloria Fwaka bleibt entspannt, lässt weiterlaufen. Es ist der erste Durchgang des Abends, kurz nach 18 Uhr. Die Musik kommt aus ihrem Handy, ein dickes Kabel verbindet das Telefon mit der Musikanlage. Alles noch provisorisch, die Band kommt erst um 19 Uhr. Bassist und Schlagzeuger sind aber schon da, immer wieder erklingt ein gedämpftes Trommeln. Fwaka übt mit den Sängern des New Life Gospel Choirs derweil den Einmarsch auf die Bühne – zehn vorn, zehn hinten. Eine Reihe soll von links, eine von rechts auf die Bühne laufen. Es ist die Generalprobe für das heutige Weihnachtskonzert in der New Life Church in Flingern. Morgen stehen die 20 Sänger dann vor mehreren zehntausend Menschen in der Arena Düsseldorf beim großen Weihnachtssingen. In der kleinen Kirche an der Albertstraße werden heute Abend nur 375 Menschen Platz finden. Es wird wohl ziemlich voll werden.

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Vor der Probe steht Fwaka mit ihren Sängerinnen am Fuß der Bühne. Die Sängerinnen sind in Jacken, Schals und Mützen eingepackt, in der Kirche ist es kaum wärmer als draußen. „Tamara kommt nicht, ihre Kinder spucken“, gibt Yolland Firmino bekannt. „Du weißt doch, bei Sergio, ohne Check-In-Call…“ wirft eine andere Sängerin ein. „Wenn ständig welche fehlen, weiß ich nicht, wo wir stehen“, sagt Fwaka frustriert. Das Einüben der Schritte und Bewegungen soll heute im Mittelpunkt stehen. „Sucht euch Statisten, die die Reihen füllen. Wir müssen wissen, wie wir aussehen auf der Bühne.“ Die Gruppe spürt den Druck. Jemand sagt: „Wie macht ihr das eigentlich? Habt ihr euch Urlaub genommen? Wann schlaft ihr mal?“ Fwaka und Firmino koordinieren seit Wochen alle Vorbereitungen für die Show, beantworten E-Mails und Anrufe, managen den Auftritt in der Arena. „Gott segne euch!“ ruft eine Sängerin, Applaus brandet auf in der kleinen Gruppe.

„Das ist das erste Mal, dass wir eine richtige Show veranstalten. Und nicht nur ein Konzert geben“, betont die musikalische Leiterin Corinne Weller. Die 30-Jährige beobachtet die Probe vom anderen Ende der Kirche aus. Sie hat erst vor einer Woche ihr Kind zur Welt gebracht und ist ganz froh, nicht mittendrin zu sein. Im Chor ist Weller seit 10 Jahren, erste Show-Erfahrung sammelte sie als Musical-Darstellerin. Die Inspiration für die Show nahm sie aus einer Zugfahrt mit. „Zwei Frauen beschwerten sich, dass Weihnachten ja immer das Gleiche sei. Was bedeutet die Weihnachtsgeschichte also in unserer Zeit noch?“, fragt Weller. Der Chor will darauf am Samstagabend eine Antwort geben, in drei Akten und mit 15 Liedern. An Blickwinkeln dürfte es nicht mangeln bei neun verschiedenen Nationen.

Große Auftritte wie der am Sonntag sind für den Chor nichts Ungewöhnliches. Als Background-Sänger standen sie schon mit Weltstars wie Mariah Carey und Pharrell Williams auf der Bühne. Aber eben immer nur als Chor im Hintergrund. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. Der New Life Gospel Choir will sich als Verein registrieren. „Bei größeren Anfragen haben wir immer das Problem, dass wir das nicht ordentlich abrechnen können“, erklärt Weller. Dass sie diesen Schritt nicht eher gegangen sind, verwundert fast ein bisschen. Chorleiter Peter Mante gründete den Chor bereits 2002. Unter seiner Leitung war der Chor schon in halb Europa und sogar den USA unterwegs.

„Wenn wir die Menschen nicht mit Hoffnung und Freude erfüllen, haben wir unseren Job nicht gemacht“, stellt Mante klar. Mante ist von Beruf Musiklehrer. Seit er 1999 nach Deutschland kam, sang er als Tenor im Atterbury Chor der U.S. Army Base Frankfurt und leitete den Chor der Music Academy Köln-Süd. Seit 2015 hat er die Chorleitung der Academy Gospel Singers Düsseldorf übernommen. Und dann ist da natürlich noch der New Life Gospel Choir. „We need real sponsorship“, sagt der gebürtige Ghanaer. Der Chor brauche also richtige finanzielle Unterstützung durch Sponsoren. Auch dafür soll der Verein gegründet werden. Aus der Generalprobe hält er sich an diesem Abend raus, lässt nur hin und wieder den Blick durch das Kirchenschiff streifen.

Der dritte Einmarsch klappt, Dirigentin Fwaka wählt das nächste Musikstück auf ihrem Handy aus. „Sing“ von Martha Munizzi erklingt in den Lautsprechern – „Now is the time for all people / From every land to come together“. Freudestrahlend und voller Elan treten nacheinander drei junge Frauen aus dem Chor hervor. Sie singen mit einem leichten Augenzwinkern ihre Soli im Playback mit. Schlagzeuger und Bassist lassen sich von der Stimmung anstecken, spielen mit, auch ohne Mikrofon. Dann der große Auftritt, die Sängerinnen schmunzeln ahnend, sie wissen bereits, was kommt. Einer der zwei Männer des Chors geht betont langsam und mit viel Hüftschwung zum vorderen Teil der Bühne. Es ist sein Solo, er genießt seinen Auftritt in vollen Zügen. Dass die Reihen in der Kirche noch leer sind; dass die Musik vom Handy kommt; dass große und kleine Geschenkpakete noch kreuz und quer verteilt stehen, all das hält ihn nicht davon ab.