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Düsseldorf: Der Nachwuchs ließ es knistern

Düsseldorf : Der Nachwuchs ließ es knistern

Das Jugendsinfonieorchester präsentierte bei seinem "Big Bang"-Konzert in der Tonhalle den Superhit der Klassik: Die "Carmina Burana" wurden zum virtuosen und mitunter sogar heiteren Genuss.

Ehrwürdig ist der Städtische Musikverein zu Düsseldorf. Fast 200 Jahre ist er alt; musikbegeisterte Düsseldorfer gründeten ihn 1818 im Anschluss an das erste Niederrheinische Musikfest. Wie ein Jungspund nimmt sich dagegen das Jugendsinfonieorchester (JSO) der Tonhalle Düsseldorf aus. Das feiert, 2007 gegründet, inzwischen seinen zehnten Geburtstag. Und da bei "Big Bang 4", dem vierten Konzert der jungen Orchester, auch noch der Kinderchor am Rhein mitwirkte, stand einem Projekt, das erfolgreich mehrere Generationen unter einen Hut bringt, nichts mehr entgegen. Altersmäßig erfreulich gut gemischt war übrigens auch das Publikum.

Die Tonhalle war ausverkauft. Das lag wohl kaum, wie der Sprecher des Jugendsinfonieorchesters bei seiner Begrüßung heiter anmerkte, am ersten Programmpunkt des Abends, einer Komposition von Johannes Eckmann. Den hatte das Orchester als sicheren Hornisten noch in guter Erinnerung. Seine Werkbezeichnung "Tutti in uno" weist darauf hin, dass sich die Komposition an der Satzgliederung klassischer Sinfonien orientiert, auf Pausen zwischen den Sätzen aber verzichtet. Lyrische und aufgeregte Passagen wechselten einander ab. Da Eckmann Elemente einer eigenen Oper verarbeitet, kommt auch die Dramatik nicht zu kurz. Das Orchester unter Ernst von Marschall bewältigte die schwierige Aufgabe sehr gut. Leider rächte sich ein wenig, dass die Holzbläser das Einstimmen nicht ernst genug genommen hatten. Zum Glück wurde das Versäumte dann noch vor dem Publikumsmagneten des Abends, Carl Orffs Carmina Burana, nachgeholt.

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Beeindruckend groß war die Zahl der Sängerinnen und Sänger, die die Chorempore betraten. Groß besetzt war auch das Orchester, das auf der Tonhallenbühne noch gerade so viel Platz ließ, dass am Ende des Werkes der Kinderchor untergebracht werden konnte.

Nicht nur die Zahl der Chormitglieder des Musikvereins beeindruckte. "O Fortuna, velut luna" und "Ave formosissima" erklangen mitreißend kraftvoll. Über dem gewaltigen Klangvolumen hatte Chorleiterin Marieddy Rossetto aber nicht vergessen, auf Präzision und klare Artikulation zu achten. Tadellos agierte auch der sängerische Nachwuchs, der von Sabina López Miguez vorzüglich einstudierte Kinderchor am Rhein.

Wie die Chöre gefiel auch das Orchester. Die Carmina sind für die jungen Musiker, Musikschüler und -studenten, nicht einfach. Vor allem rhythmisch wird viel verlangt; nicht nur die Schlagzeuger erwiesen sich als erstaunlich sicher.

Auch die drei Gesangssolisten gefielen. Laura Lietzmann bewährte sich als durchsetzungsfähige Sopranistin. Tobias Glagau (Tenor) und Stefan Heidemann (Bariton) unterstrichen ihre Beiträge auch szenisch. So lieferten sich Heidemann und die Männer des Chores einen lebhaften Dialog über das knisternde Zusammensein von Junge und Mädchen in einem Zimmer ("Si puer cum puella"). Witzig wies Glagau auch pantomimisch darauf hin, wie sich wohl ein Schwan fühlt, wenn er am Spieß gebraten wird.

Begeisterter Beifall.

(RP)