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Der Maler Max Frintrop aus Düsseldorf über den Raum als Kunstwerk

Atelierbesuch : „Die Synapsen müssen knacken“

Die Bilder des Düsseldorfer Malers Max Frintrop enthalten keine Botschaft. Dennoch möchte er die Betrachter zur Auseinandersetzung anregen.

Selten erreicht ein Künstler ein Millionenpublikum. Dem 38-jährigen Düsseldorfer Maler Max Frintrop wurde dieses Glück zuteil, als die ARD-Tagesthemen ihn im vorigen Jahr malend im Atelier zeigten und er seine Arbeit erläutern durfte. Vor dem Bericht über den Ausstellungszyklus „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ hatte die Moderatorin das Thema vollmundig gerahmt. Auf Gerhard Richter, Georg Baselitz und Anselm Kiefer folge nun die Generation der 30- bis 40-Jährigen, aus der die künftigen Stars der Kunstszene hervorgehen werden.

Vielleicht gehört Max Frintrop tatsächlich dazu. Sicherlich sprach er stellvertretend für alle Teilnehmer von „Jetzt!“, als er formulierte: „Nach meiner Erfahrung sind es gerade diejenigen Positionen, die es am Anfang schwer haben, die etwas seltsam sind, die sich dann stärker durchsetzen können.“

Als Künstler, der längst an einen festen Kreis von Sammlern verkauft und zuletzt auch auf der Messe der New Art Dealer Association in Miami vertreten war, hat er seine Position gefunden - eine Position, die dennoch immer wieder Platz für Aufbruch lässt. In seinem Atelier an der Lierenfelder Straße wischt und pinselt er seine Farben oft auf liegende, großformatige Leinwände. Das geschieht allerdings nicht aus einem Rausch, ebenso wenig aus dem Kopf, sondern aus den geübten Händen. Unter denen entstehen miteinander korrespondierende Farbflächen in Verbindung mit farbigen Linien. „Orange verstärkt das Blau, daraus ergibt sich ein größerer Effekt“, so erläutert Frintrop seine Vorgehensweise an einem Beispiel. „Die Brillanz der Farben kommt aus den Kontrasten.“ Auf Sprühfarbe verzichtet er inzwischen, er mischt Pigmente und Tinte zu Acrylfarbe und lässt in letzter Zeit immer wieder auch Flächen weiß, unbemalt - eine Ahnung von Unendlichkeit.

Wenn man auf das drei mal zweieinhalb Meter messende Gemälde aus der Corona-Zeit blickt, das an einer Wand des Ateliers lehnt, glaubt man zu begreifen, worauf es dem Künstler ankommt: Es darf sich vordergründig keine Harmonie einstellen, Linien und Farbflächen müssen zueinander unter Spannung stehen. Zugleich weist dieses Bild wie auch andere zuletzt entstandene über sich hinaus. Als Betrachter glaubt man, es an einigen Stellen über die Ränder hinaus malen zu können.

„Meine Bilder haben keine Botschaft“, betont Frintrop. Dennoch enthalten sie Referenzen, etwa auf Musik, den Abstrakten Expressionismus in den USA oder die Entwicklung der Popkultur. Die Gemälde bleiben aber etwas Konkretes, das sich der Tradition der Malerei bewusst ist. Einerseits „ist es immer nur Farbe auf Leinwand“, andererseits „müssen meine Bilder etwas haben, das die Synapsen knacken lässt“. Und: „Man muss ein Gefühl dafür haben, wie und wo Farbe ihre Wirkung zeigt. Spontaneität und Kalkulieren sind beim Malen gleichermaßen notwendig.“

Oft malt Frintrop sechs, sieben Stunden an einem Bild, legt auch schon mal eine Nachtschicht ein. Alles entsteht in einer einzigen Sitzung: „Das ist ein Hopp oder Top. Da muss man die Kosten für das Material vergessen.“ Denn es zählt das Ergebnis: „Die großen Gemälde sollen nicht nach viel Arbeit aussehen. Sie sollen die Leichtigkeit der Papierarbeiten haben.“ Auf Papier malt Frintrop oft Formen, die er später in Großformaten verwendet. So findet er in den Arbeitsfluss. „Woran ich dabei denke, ist egal.“

Frintrop ist Maler, aber er arbeitet als solcher in drei Dimensionen. Auf der Leinwand erzeugt er Raumwirkung durch den Kontrast von Farben. Daneben hat er eine Reihe von konstruktivistisch anmutenden Skulpturen erschaffen, welche die Formen der Bilder aufgreifen und in der Architektur ringsum jeweils ein Spannungsfeld erzeugen. Der Raum als Kunstwerk - darauf kommt es ihm an.

Frintrop stammt aus Oberhausen, ist dort, wie er sagt, in einer kunstfernen Familie aufgewachsen, hat sich nach dem Abitur an der Kunstakademie Düsseldorf beworben und bei Albert Oehlen seinen Meisterbrief gemacht. „Bei Oehlen habe ich malerisch denken gelernt“, sagt er. Längst steht er künstlerisch auf eigenen Beinen – als Maler, dessen Bilder die Augen immer wieder neu herausfordern. Zum Ruhekissen taugen sie nicht.