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Düsseldorf: Der ewige Wanderer: Düsseldorf ehrt den Theaterkünstler Tadeusz Kantor

Düsseldorf : Der ewige Wanderer: Düsseldorf ehrt den Theaterkünstler Tadeusz Kantor

2015 ist Tadeusz-Kantor-Jahr. Damit ehrt Polen seinen großen Theatermacher, einen Besessenen, einen Universalkünstler, der als Regisseur, Autor und Maler Weltruhm erlangte.

Und der auch in Deutschland tiefe Spuren hinterließ, 1959 nahm er an der documenta 2 in Kassel teil und stellte in der Kunsthalle Düsseldorf aus. 1973 lernte er beim Edinburgh Festival Joseph Beuys, einen Seelenverwandten, kennen. Wer ihn traf, zeigte sich tief berührt von der Intensität, mit der er lebte und arbeitete. Heute vergleicht man ihn mit Christoph Schlingensief.

Grund für das Polnische Institut, den Künstler (1915-1990) mit einer Ausstellung zu ehren und besonders seine Arbeit in Deutschland zu beleuchten. Requisiten, Gemälde, Filme und Dokumente zeugen von seiner Schaffenskraft, die ihren Höhepunkt mit dem Theaterstück "Die tote Klasse" (1975) erreichte. Dabei ging es Kantor um die Inszenierung von Erinnerungsmechanismen, in Szene gesetzt in irrealen Szenen und absurden Situationen. Die Formel vom "Theater des Todes", in dem sich die Lebenden mit den Toten treffen, trifft diese aufwühlende Arbeitsweise, die sich auch in Stücken wie "Die Künstler sollen krepieren" oder "Wielopole, Wielopole" zeigte. Für die Ausstellung hat das Polnische Institut mit der Cricoteka in Krakau zusammengearbeitet, wo Kantors Werke dokumentiert werden.

Auch die Kunstsammlung NRW beteiligt sich an der Erinnerungs-Arbeit. Vom 29. September bis 6. November zeigt sie Filme von und mit dem Künstler in Aktion. Marion Ackermann, die Direktorin der Kunstsammlung weist auf einen interessanten Aspekt hin: "Es gilt, hier eine Lücke zu schließen. Denn unser Kunstbegriff ist von der Moderne in Frankreich und New York geprägt." Der Blick auf andere Szenen - etwa die polnische - lohnt auch deshalb. So wie auch der auf andere Werke Kantors, der als charismatisch und tyrannisch beschrieben wird, So berichtet Manfred Beilharz, Kurator zweier Kantor-Symposien, von zwei Darstellern, die sich aus Angst vor dem Regisseur im Schrank versteckten. "Säcke, Schrank und Schirm" heißt auch die Rekonstruktion eines Drehortes von "Die tote Klasse", die man für eine Beuys-Installation halten kann.

Info "Der ewige Wanderer, Tadeusz Kantor in Deutschland", bis 11. Dezember im Polnischen Institut, Citadellstr. 7 (Di./Mi. 11 bis 19 Uhr, Do./Fr. 11 bis 16 Uhr).

(RP)