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David Fray spielte Bachs „Goldberg-Variationen“ in der Tonhalle

Klavierabend mit französischem Star-Pianisten : Klavierabend mit höchster Präzision und reichem Klang

David Fray spielte Bachs „Goldberg-Variationen“ in der Tonhalle mit viel Gefühl.

„Freitag, 13. März 2020“ stand auf dem fast historischen Programmheft, das in der Tonhalle auslag. Zweimal musste der Klavierabend mit David Fray wegen Corona verschoben werden. Nun fand er statt, wieder an einem 13. – diesmal aber an einem Sonntag.

Zu Gehör kamen nun endlich die „Goldberg-Variationen“ BWV 988 Johann Sebastian Bachs als einziges, aber abendfüllendes Werk. Eine Pause gab es dabei freilich nicht – ganz unabhängig von Corona.

Fray und Bach bilden schon seit Jahren eine innige Paarung. Die Liebe des Pianisten zu Bachs Musik wurde für die Besucher hörbar. Schon das Variationsthema, die Aria, gestaltete Fray mit viel Gefühl. Besondere Strenge ließ er nicht walten, ließ die Tempi vielmehr frei atmen und sparte auch nicht mit dem Gebrauch des Haltepedals. Und er ließ sich Zeit: Als Schnellspieler hat Fray noch nie auf sich aufmerksam gemacht, und auch jetzt spielte er ziemlich gravitätisch. Auch die raschen Variationen schäumten nicht gerade über vor Virtuosität.

Dafür lieferte der Interpret äußerste Genauigkeit und eine reiche Klangfülle. Kein Detail ließ er untergehen. Jedoch klingt solches Spiel nicht gerade knackig. Manche Rhythmen wirkten leicht aufgeweicht, wie Nudeln, die sich ein paar Minuten zu lange im Kochwasser aufhielten. Wer die berühmten Aufnahmen mit Glenn Gould kennt, ist mehr Biss gewohnt. Dafür geschah etwas Anderes: Fray holte die Komposition auf eine eher verträumte Ebene, die sich aber nicht im Romantischen verlor, sondern Klarheit schaffte. Trotz des Beifallsjubels endete dieses Piano-Solo ohne Zugabe.