Das Musical zum Kultfilm „Dirty Dancing“ im Düsseldorf Capitol-Theater

Musical zu Gast in Düsseldorf : „Dirty Dancing“ – reizend bis heute

Das Musical zum Kultfilm gastiert im Capitol. Bei der Premiere klangen die dem Publikum vertrauten Hits frisch wie eh und je.

Freudiges Raunen bei den ersten Tönen von „This Magic Moment“. Seliges Seufzen beim Schmachtfetzen „Hungry Eyes“. Befreiter Jubel bei Johnnys legendärem Ausruf: „Mein Baby gehört zu mir!“ Bis hin zum mitreißenden Finale („The Time of My Life“) lässt das Premieren-Publikum im Capitol erkennen, dass es mit „Dirty Dancing“ bestens vertraut ist. Wispernd huschen ganze Sätze durch die Reihen. Man weiß, was gleich kommt. Und ja, Baby hat es natürlich wieder getan. Hat sich mit einer fetten Wassermelone abgeschleppt und den stupiden Satz gesprochen: „Ich habe eine Wassermelone getragen.“ Was für ein Vergnügen macht sich da breit!

Eine Stärke des Musicals ist die punktgenaue Übertragung mancher Szenen vom Kultfilm „Dirty Dancing“ (1987) auf die Bühne. Zu sehen ist die Originalversion des Musicals von Eleanor Bergstein, Tour-Regie führt Alex Balga. Durch das Verschieben der ineinander verschachtelten Kulissen wechseln die Schauplätze blitzschnell, was einen beinahe filmischen Ablauf suggeriert – wie auch die eingeblendeten Video-Sequenzen. Wenn Baby und Johnny im Wald auf dem Baumstamm balancieren, wenn sie die berühmte Hebefigur im See trainieren und laut platschend ins Wasser fallen, hat das einen hohen Wiedererkennungswert. Geht man auch deshalb in „Dirty Dancing“? Vermutlich schon. Die Romanze des ungleichen Liebespaares hat nichts von ihrem Reiz verloren, die Hits klingen so frisch wie eh und je.

Den passenden Rahmen für den Zeitgeist der 60er Jahre bildet der nostalgische Charme eines Ferienhotels. Dort sorgt eine eigens engagierte Truppe von Tänzern für die Gäste-Unterhaltung. Die Kellner werden unter Harvard- und Yale-Studenten rekrutiert, man legt Wert auf Etikette. Was nicht verhindert, dass sich mit Robby ein arroganter Stinkstiefel eingeschmuggelt hat. Penny, der tollsten Tänzerin, hat er „einen Braten in die Röhre geschoben“ und steht nicht dazu. In diesen Strudel taucht Frances („Baby“) Houseman ein, die mit ihrer Familie jeden Sommer ins Resort von „Kellerman’s“ in Catskill zurückkehrt. Ein schlaues Mädchen, das die Welt gerechter machen will. Ihrer naiven Schwester Lisa weit überlegen, kriegt sie die üblen Machenschaften mit und greift beherzt ein. Vor allem aber verliebt sie sich in Johnny, erlebt den Sommer ihres Lebens und wächst über sich selber hinaus. Nicht nur beim Tanzen von Mambo und Merengue. Diese Rolle spielte bei der Düsseldorfer Premiere Victoria Kaspersky. Eigentlich die Zweitbesetzung, aber ein Glücksgriff. Besser und bezaubernder könnte Baby kaum sein. Ein zierliches Geschöpf, das dem Film-Vorbild Jennifer Grey bis aufs Lockenköpfchen ähnelt. Da stimmt jede Bewegung. Wunderbar, wie sich der ungelenke Teenager von Johnny die ersten Tanzschritte beibringen lässt und sich beseelt bemüht, alles richtig zu machen. Heidi Klum würde jetzt sagen: „Ich sehe, du hast Potenzial.“

Mit Luciano Mercoli stand als Johnny ebenfalls die alternierende Besetzung auf der Bühne. Sicher nicht leicht, dem Filmhelden Patrick Swayze das Wasser zu reichen. Getanzt hat er fabelhaft, schauspielerisch überzeugte er nicht. Ein allzu netter Kerl. Ihm fehlte das Rotzige, das Rebellische. Eine famose Kopie der Film-Lisa war dagegen Abou Nikazar, deren albernes „Hula-Lied“ den meisten Beifall bekam. Auch Benjamin A. Merkl sahnte als schnöseliger Neil mit überdrehten Tanzeinlagen ordentlich ab. Atemberaubend elegant: die langbeinige Tänzerin Petra Ilse Dam als Penny. Ein kluger Schachzug, einige Songs nicht von den Hauptdarstellern, sondern von anderen aus dem Ensemble live singen zu lassen.

Anders als der Film ist das Musical mit historischen Bezügen angereichert. Lieder wie „We Shall Overcome“ deuten die im Sommer 1963 aufkeimende Protestbewegung in den USA an. Die Premieren-Zuschauer waren begeistert von der einfallsreich inszenierten Show.

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