Düsseldorf: Das Kai 10 zeigt Dinge mit Eigensinn

Düsseldorf : Das Kai 10 zeigt Dinge mit Eigensinn

Eine Ausstellung im Medienhafen erzählt davon, wie Alltagsdinge unter der Hand von Künstlern eine neue Bedeutung annehmen, ohne die alte aufzugeben. Zu sehen sind anregende Beispiele von Künstlern aus dem In- und Ausland.

Auch Dinge können eigensinnig sein. Ein Wäscheständer ist und bleibt ein Wäscheständer, selbst wenn ein Künstler ihn in einen neuen Zusammenhang hebt. "Vom Eigensinn der Dinge" handelt eine Ausstellung der Arthena Foundation in deren Raum "Kai 10". Sechs in- und ausländische Künstler lassen darin Dinge und zugleich Materialien sprechen, die erstaunlicherweise etwas vom Leben zu erzählen haben.

Kuratorin Julia Höner hat das Konzept entworfen und die Auswahl getroffen, um der noch jungen Tradition des Ortes gemäß die Besucher auf neue, aus Bildern erwachsene Gedanken zu bringen. Die 1971 geborene, in Berlin und Seoul lebende Koreanerin Haegue Yang hat die größte der Installationen entworfen: ein Ensemble aus fünf zusammenklappbaren, mit Textilien behängten Wäscheständern, die eine umlaufende, wandfüllende Tapete umgibt.

Darauf entdeckt man Grabmäler, religiöse Steine und eine kopfstehende Stadtansicht von Hiroshima. Die faltbaren Wäscheständer nehmen sich in dieser heillosen Umgebung wie Wahrzeichen eines geordneten Heims aus - Wäscheständer eben. Im Durchgang zum nächsten großen Raum konfrontiert die Düsseldorferin Monika Stricker (Jahrgang 1978), ehedem Meisterschülerin von Rita McBride an der hiesigen Akademie, die Besucher mit einem Filmrequisit: der über eine Vitrine gehängten zerschlissenen Hose von Hulk aus dem gleichnamigen Film.

Was die Künstlerin daran interessiert: Die Hose ist ein realer Gegenstand, zugleich aber in ihrer Zurichtung ein künstliches Objekt, das vollends virtuell wird durch die Tatsache, dass es als Requisit für einen Film diente. In wiederum anderer Weise offenbaren die Dinge im Werk der aus Köln stammenden, in London und Berlin lebenden Künstlerin Bettina Buck (Jahrgang 1974) ihren Eigensinn. Drei weiß gekachelte Säulen verlieren im Empfinden des Betrachters ihre Festigkeit, sobald man ihre offene Rückseite erblickt. Dort nämlich erweist sich, dass Leinwandstoff die Kacheln zusammenhält.

Irgendwann werden die Materialien ermüden, wird das vermeintlich sichere Konstrukt in sich zusammenfallen und sich als Mahnmal der Vergänglichkeit herausstellen. Der Altmeister unter den sechs Künstlern, der berühmte, in aller Welt gefeierte Düsseldorfer Hans-Peter Feldmann (Jahrgang 1941), hat zur Gruppenausstellung unter anderem einen orientalischen Teppich mit Tierfigürchen, einen Vorhang, hinter dem sich nichts verbirgt, eine Bonbonniere mit zwei zusammengeprallten Modell-Autos und eine Teekanne mit nebenan aufgemaltem Schatten beigesteuert - eigensinnige Dinge auch dies.

Sofia Hultén, 1972 in Stockholm geboren und heute in Berlin zu Hause, zeigt in einer Video-Installation Tätigkeiten, die zum Scheitern verurteilt sind, und zum Schluss stößt man auf etwas, das gar keine Kunst sein will, sondern Alltagsobjekt ist und bleibt und von einer Wirklichkeit zeugt, die man sich hierzulande kaum vorstellen mag. Romuald Hazoumè aus Benin (Jahrgang 1962) - er gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler Afrikas - hat ein aus zwei Vespa-Rollern zusammengeschweißtes Gefährt in den Raum gestellt, mit dem seine Landsleute Benzin aus Nigeria nach Benin schmuggeln.

Der Tank dieser rollenden Bombe fasst 600 Liter, links und rechts lassen je fünf ausragende Glasbehälter gleichfalls für Benzin die Breite des Rollers aufs Doppelte wachsen. "Beninsches Roulette", so heißen diese Dinger im Volksmund, weil immer mal eins explodiert. So ist das - und Kunst hat in diesem Fall nichts hinzuzufügen.

(EW/top)