Das Heine-Institut würdigt das 175-jährige Jubiläum von „Deutschland. Ein Wintermärchen“ mit einer Ausstellung.

Ausstellung : Winterreise durch Zeit und Literatur

Das Heine-Institut würdigt das 175-jährige Jubiläum von „Deutschland. Ein Wintermärchen“ mit einer Ausstellung.

Geht es bei Heine um den September, den November oder den aktuellen Dezember? Wenn am Samstag im Heinrich-Heine-Institut die Ausstellung „Deutschland. Ein Wintermärchen“ eröffnet wird, geht es wohl um alle drei Mondzyklen. Am 13. Dezember 1797, also heute vor 222 Jahren, wurde Heine in Düsseldorf geboren. Im September 1844 erschien sein satirisches Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“, das wiederum mit den Versen beginnt: „Im traurigen Monat November war’s…“

Auch mit dem Erscheinungsdatum des Bandes ist eine besondere Zahl verbunden. 175 Jahre sind dem Heine-Institut Anlass genug, mit einer schönen Ausstellung an das Werk zu erinnern. Dessen äußeren Rahmen bildete eine Reise, die den Autor ein Jahr zuvor von Paris nach Hamburg geführt hatte. „In Hamburg hat Heinrich Heine die neue Schrift im Original seiner Schwester übergeben. Die wiederum vermachte sie ihrem Sohn, dem Baron Ludwig von Emden.“ Das erzählt Sabine Sabine Branner-Wilzcek, die Direktorin des Heine-Instituts, die auch als Kuratorin der Ausstellung fungiert. Baron Emden, so erfährt der Besucher weiter, zerschnitt später das Konvolut und präsentierte einzelne Schnipsel als Präsent bei Einladungen, anstelle von Blumen-Bouquets.

Ein paar Dutzend dieser Fragmente sind über die Jahre auf die Bilker Straße gelangt und können jetzt besichtigt werden. Der Untertitel „Ein Wintermärchen“ spielt an auf William Shakespeares Alters-Romanze: „The Winter’s Tale“. Das Versepos bildet somit ein Gegenstück zu „Atta Troll. Ein Sommernachtstraum“, bei dem sich Heine auf Shakespeares „A Midsummer Night’s Dream“ berief. Beide Werke umfassen genau 27 Kapitel, „Capita“ genannt.

Die Ausstellung ist in drei ganz verschiedene Teile gegliedert. Den Beginn macht natürlich der Text selbst. Da gibt es Autographen, eigenhändige Arbeitsmanuskripte, Collagen und fremdsprachige Ausgaben. In Caput II erzählt Heine von der Kontroll-Lust der preußischen Zollbeamten, denen er für seine Leser Folgendes mit auf den Weg gibt: „Ihr Thoren, die Ihr im Koffer sucht! Hier werdet Ihr nichts entdecken! Die Contrebande, die mit mir reist, die hab‘ ich im Kopfe stecken.“

Das letzte Caput XXVII endet mit der hoffnungsvollen Vorstellung von einer zukünftigen Lesergeneration und einer Drohung an den preußischen König: „Beleid’ge lebendige Dichter nicht. Sie haben Flammen und Waffen. Die furchtbarer sind als Jovis Blitz, den ja der Poet erschaffen.“ Wie bereits in früheren Ausstellungen legt man Wert auf interaktive Information. Wer etwas Zeit mitbringt, kann sich ein paar Capita von einer CD anhören, gesprochen von dem Düsseldorfer Schauspieler Moritz Otto. Die im Auftrag des Heine-Instituts entstandene Einspielung kann man auch kaufen.

Nicht kaufen, sondern einfach mitnehmen, kann man die „Heinesche Post“. Die in den Kopflettern dieser Zeitung täuschend ähnliche Postille, wurde von Mitarbeitern des Instituts verfasst und ist sehr lesenswert. Die Bandbreite der Artikel reicht von einem „Heine-Rezept mit Apfelsinen und Gänsebraten“ über die auf dieser Welt nie verschwundene Zensur bis hin zu einem „Wörtermärchen“. Ein Eintrag lautet hier: „glückenterbt“, ein Wort, das Heine eigens für die Vorrede zum Einzeldruck seines Versepos erfunden hat. Es gibt aber auch Fragen an die Schauspielerin Katharina Thalbach, die morgen bei der Eröffnung der 5. Heine-Nacht im Palais Wittgenstein lesen wird. Natürlich aus dem „Wintermärchen“.

Für Kinder gibt es eine Winterreise, „to go“. Eine Playmobil-Figur nimmt die Besucher mit auf Heines Städtetrip von damals, und ausnahmsweise ist es nicht Köln, das hierbei schlecht wegkommt, sondern Aachen, für den Autor eine total langweilige Stadt.

Im zweiten Teil der Ausstellung geht es um etwa Karikaturen, die von Mitgliedern der „Rheinischen Humorverwaltung“ eigens für diesen Zweck gezeichnet wurden. Sabine Brenner-Wilczek liebt Karikaturisten: Sie bringen das Aktuelle geistreich auf den Punkt.“ Der dritte Teil führt schließlich in die oberen Etagen des Instituts, und auch dort blinkt das Thema „Wintermärchen“ immer wieder aus den dauerhaft ausgestellten Exponaten. Immerhin besitzt man auf der Bilker Straße eine der weltweit größten Sammlungen von Heine-Autographen und anderen Originaldokumenten.