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Das Düsseldorfer Newcomer-Festival findet dieses Jahr online statt

„Newcomer-Festival“ : Der Live-Auftritt wird zum Videodreh

In diesem Jahr findet das „Newcomer-Festival“ wegen der Corona-Einschränkungen online statt. Die Mini-Konzerte wurden gefilmt und zu einem Video geschnitten, das Ende Juni bei Youtube zu sehen sein soll.

Nebel wabert über die Bühne und um die jugendlichen Musiker. Eine Lichtshow setzt die Künstler professionell in Szene. Es wirkt wie ein normales Konzert, das die Band Neem in der Veranstaltungshalle des „Zakk“ spielt. Allein: Das Publikum fehlt. Stattdessen laufen eine Handvoll Techniker durch den Zuschauerraum. Drei Kameras sind auf die Bühne gerichtet. Am Mischpult laufen Bild und Ton zusammen.

Es ist einer von insgesamt neun Auftritten, die im Rahmen des „Newcomer-Festivals“ im Kulturzentrum aufgezeichnet werden. Denn das Konzert, bei dem sich junge Musiker aus Düsseldorf präsentieren können, fällt dieses Jahr coronabedingt aus. Nicht so die Präsentationsmöglichkeit, die Förderung und die Vernetzung der aufstrebenden Nachwuchstalente. Deshalb haben sich die Organisatoren – das Zakk und das Akki – eine Alternative überlegt. Das 18. „Newcomer-Festival“ findet digital statt. Die Gigs der Bands werden gefilmt und zu einem Konzertvideo zusammengeschnitten.

„Kunst muss an die Wand und in die Ohren“, begründet Hans-Peter Rams, Kunst- und Kulturpädagoge beim Akki, die Entscheidung. Die Förderung des Nachwuchses in Düsseldorf sei wichtig, werde aber zu oft vernachlässigt. Doch beim „Newcomer-Festival“ bekommen die jungen Musiker Beratung von Fachleuten, spielen zum Teil ihre ersten Auftritte auf großer Bühne und mit professioneller Technik. Für so manchen arrivierten Musiker sei das Festival eine „substanzielle Erfahrung“ gewesen, berichtet Rams.

Ende Mai sollte die Veranstaltung eigentlich stattfinden – vor etwa 400 Leuten. Stattdessen stand jetzt ein langer Tag für das Orga-Team an: Von morgens bis abends produzierten die Musik- und Filmcrew vom Akki in der großen Halle des Zakk den Film zum Band-Festival – natürlich unter Einhaltung der auch hier geltenden Hygiene- und Schutzvorkehrungen. Jede Band erhielt ein Zeitfenster von 50 Minuten. Aufbau, Soundcheck und Abstimmung mit der Stagehand, dann ging er los, der viertelstündige Auftritt auf der großen Zakk-Bühne.

„Es war mehr wie ein Musikvideodreh“, sagt Levin Gleinert, Bassist bei der Band Neem, nach dem Gig unter Live-Bedingungen. Dass sie nicht vor einer vollen Halle gespielt haben, empfanden die Bandmitglieder allesamt als eine Erleichterung. Neem ist seit drei Jahren aktiv, hat im vergangenen Jahr – unter anderem Namen – bereits beim Newcomer-Festival teilgenommen. Der Druck vor dem Auftritt sei in diesem Jahr geringer gewesen, sind sich die jungen Musiker einig. „Die Angst ist weg, dass man ein Publikum animieren muss“, sagt Sängerin Ella Schneeberger. Gitarrist Valentin Krenn erklärt: „Man konnte sich voll und ganz auf die Show konzentrieren.“ Für den Videodreh hat die Band drei Songs gespielt.

Auf das Konzertvideo freuen sich die Musiker bereits. Denn es ist die erste professionelle Aufnahme für Neem, die sonst in einem Wohnzimmer proben. Ihre Auftritte besuchen sonst nur wenige Bekannte, erzählt die Band. Mit dem Video sei das anders. „Das sehen im Endeffekt viel mehr Leute“, sagt Ella Schneeberger und bemerkt dann: „Aber da sieht man dann auch jeden Fehler.“

Eine größere Reichweite erhoffen sich auch die Veranstalter des Festivals. Das Video soll Ende Juni auf dem Videoportal Youtube veröffentlicht werden. Mit dem Konzertfilm könnten dann mehr als die üblicherweise 400 Festivalgäste erreicht werden. Immerhin ginge es um die Präsentation des Nachwuchses und nicht um einen Wettbewerb, erklärt Hans-Peter Rams. Die jungen Musiker sollen etwas lernen, sich gegenseitig inspirieren und einfach eine positive Erfahrung machen. Einzig das „Festival-Feeling“ fehle in diesem Jahr, gibt Zakk-Pressesprecherin Heike Billhardt-Precht zu. Auch das Netzwerken sei unter diesen Umständen nicht möglich. Als kleiner Ersatz wurden den Bands Ansprechpartner für Auftritte und Aufnahmen in Düsseldorf genannt.

Billhardt-Precht zeigte sich zufrieden mit dem Produktionstag für das erste digitalen „Newcomer-Festival“. „Als ich in die Halle gekommen bin, habe ich Gänsehaut bekommen. Das Gefühl war erstmal schön, obwohl das Setting natürlich gespenstig ist“, sagt sie: „an merkt einfach, was einem aktuell fehlt.“