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Open Air auf der Rennbahn: Das andere Festival

Open Air auf der Rennbahn : Das andere Festival

Jamie xx und die "Editors" begeisterten am Samstag auf der Rennbahn in Grafenberg beim Open-Source-Festival die Zuschauer.

Jamie xx ist ein genügsamer Typ. Den Blick stets gesenkt, keine Miene verziehend, steht er im schwarzen Schlabberpullover hinter seinen Plattentellern. Immerhin: Er nickt mit dem Kopf — anderthalb Stunden lang. Dann hebt er die Hand zum Gruß und geht.

Jamie xx verschwindet, wortlos. Welch starker Abgang. Drei Bühnen, 18 Bands und Musiker, eisige Temperaturen — all das gab es beim sechsten Open-Source-Festival am Grafenberger Wald. Auf der Hauptbühne die national und international etablierten Bands, auf der "Young Talent"-Bühne der Nachwuchs aus Düsseldorf und auf der "Carharrt Stage" Künstler mit vielen Bässen und elektronischem Gerät. "Das ist dieser Ober-Musiker-Typ, der hat das alles produziert", klärt eine Besucherin unweit der Elektro-Bühne ihre Begleitung auf.

Gemeint ist eben Jamie xx, einer der großen Namen beim Festival auf der Galopprennbahn. Jamie xx heißt eigentlich Jamie Smith, gilt als popmusikalisches Wunderkind und Kopf der britischen Indie-Sensation The xx. Ganz nebenbei versteht es der Anfang 20-Jährige auch noch, bereits produzierte Songs am Plattenspieler neu zu interpretieren. Dem Musiker Gil Scott-Heron zollt er genauso Tribut wie "Shelter", einem Song seiner Band The xx. Bei letzterem muss der Jungstar allerdings nicht mehr viel verändern. So minimal und eingängig wie das Original klingen auch seine Arrangements auf dem Rennbahn-Vorplatz.

Offensichtlich andere Vorbilder als der Popmusiker hat die Antilopen Gang, die sich keine 50 Meter entfernt in einem weißen Pavillon eingerichtet hat. Drei junge Männer sitzen mit Mikrofonen hinter einem Klapptisch, in ihrem Rücken eine Mini-Anlage und Poster legendärer Rapper wie Jay-Z, Eminem und — naja — Bushido. "Kommt mal her mit eurem Klimpergeld, ihr Idioten", schallt es aus dem Zelt. "Da stehen wieder einige Schmarotzer und wollen umsonst Lieder hören." Gibt's aber nicht. Die Antilopen Gang ist Teil der "Kultur(zu)stände", einem Marktplatz mitten auf dem Festival-Gelände.

Düsseldorfer Kreative präsentieren hier ihre Werke oder produzieren gleich live. Taschen und T-Shirts werden bedruckt, Sägespäne in Plastikbeutel gefüllt und als Sitzkissen feilgeboten, die Antilopen Gang verkauft Rap. Einen Euro kostet die Live-Performance, wer zahlt, darf aus Titeln wie "Drogengeld" und "Wir machen Rap wieder dumm" wählen. Wer nicht so tief in die Tasche greifen will, kann in "Beleidigung/Blamage" investieren. Kostenpunkt: "Ab 20 Cent." Die Persiflage passt ins Konzept des etwas anderen Festivals. Während das australische Kitsch-Pop-Ensemble Architecture In Helsinki in hübschen, kleinen Melodien schwelgt und die Sängerin Danja Atari als "Young Talent" mit ihrer federleichten Stimme begeistert, stehen manche der 5000 Gäste außer Sichtweite der Bühnen, trinken Wein und essen "Bratwurst Kreationen" statt einer im Brötchen. Die alte weiße Rennbahn-Tribüne mit Blick auf die Hauptbühne passt genauso ins Bild wie die Vogelnester unter dem Tribünendach. Nur der Sound der Editors beißt sich mit der Disney-Idylle.

Das Birminghamer Quartett reiste als Headliner in den Grafenberger Wald und wird seinem Status vollends gerecht. Begeistert empfangen die Fans die Band, zum Einstieg gibt es den sechs Jahre alten Song "Camera". Bei wuchtigem Sound und einsetzender Dämmerung spielen sich die Editors durch ihr düsteres Repertoire, Sänger Tom Smith sitzt mal am Klavier, mal windet er sich am Mikrofon. Alte Hits wie "An end has a start" und "Smokers outside the hospital doors" fehlen genauso wenig, wie neue, etwa die Synthesizer-Hymne "Papillon".

Das warnend, bedrückende "Munich" widmet der Sänger mit wenigen Worten der verstorbenen Amy Winehouse, kommentarlos geht es durch den Rest des Abends. Nach etwas mehr als einer Stunde malträtiert die Band ein letztes Mal ihre Instrumente, aus den Lautsprechern lärmt es zum Finale ohrenbetäubend. Schlagzeuger Ed Lay klettert über seine Drums, Tom Smith wirft die Gitarre aufs Klavier. Ein kurzer Gruß in die Menge — und weg. Es ist der Tag der starken Abgänge.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Open-Source-Festival 2011

(RP)